Fortbildung bis zum 18. Lebensjahr
Rund 75.000 Jugendliche in Österreich besuchen nach ihrer Pflichtschulzeit keine fortführende Schule und haben auch keine Ausbildungsstelle oder Arbeit. Vielen fehlen Grundkenntnisse in Mathematik und Deutsch. Der Expertenrat für Integration fordert daher für diese Jugendlichen eine „Bildungspflicht“ bis zum 18. Lebensjahr.
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Am Dienstag präsentiert Staatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP) den Bericht des 15-köpfigen Expertenrates unter der Leitung des Vizerektors der Wiener Uni, Heinz Fassmann. Ein zentraler Punkt darin ist, dass Jugendliche ohne ausreichende Kenntnisse in Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben und Rechnen länger in die Schule gehen sollen.
Mindeststandards sollen erfüllt werden
Statt der traditionellen neunjährigen Schulpflicht schlägt der Integrationsbericht daher eine „Bildungspflicht“ vor, wie die ZIB am Freitag vorab berichtete. Lernschwache Jugendliche, die am Ende ihrer verpflichtenden Schulkarriere keine Lehrstelle oder keinen Arbeitsplatz finden, sollen so lange weiter unterrichtet werden, bis sie Mindeststandards erreicht haben, so der Expertenrat.
Wie das im Detail genau aussehen soll, ist noch offen. Aber auch die Wirtschaft klagt schon länger über schlecht ausgebildete Schulabgänger. Eine Reform der Schulpflicht in ähnlichem Sinn fordern schon länger die Sozialpartner, die ebenfalls für die Koppelung an Bildungsziele eintreten. Jugendliche, die zwischen 16 und 24 Jahren keine Berufsausbildung oder schulische Fortbildung absolvieren, werden nach Ansicht der Experten mit „hoher Wahrscheinlichkeit“ arbeitslos und müssen von der Sozialhilfe leben, zitiert die Zeitung „Kurier“ aus dem Papier.
Höhere Strafen für Eltern
Zudem sollen Eltern, deren Kinder die neunjährige Schulpflicht verletzen, höhere Strafen leisten müssen. Bisher beliefen sich die Strafen auf 220 Euro. Die Forderung von Integrationsstaatssekretär Kurz, sie auf 1.500 Euro anzuheben, wurde zwar abgelehnt, man hat sich jedoch auf eine Verdoppelung geeinigt. Derzeit brechen 8.000 Schüler pro Jahr die Schule ohne Abschluss ab, wobei der Anteil der Migranten deutlich höher ist als der von Nicht-Migranten.
Bildungsministerium „sehr interessiert“
„Sehr interessiert“, die Vorschläge nach der Wahl auch umzusetzen, zeigte sich laut „Kurier“ das von Claudia Schmied (SPÖ) geführte Bildungsministerium. Auch ÖVP-Generalsekretär Hannes Rauch könne dem noch im Detail anzuschauenden Vorschlag der Zeitung zufolge „durchaus etwas abgewinnen“.
Pühringer für Verlängerung der Volksschulzeit
Unterstützung erhält Kurz auch vom oberösterreichischen ÖVP-Obmann und Landeshauptmann Josef Pühringer. Auch er sprach sich am Samstag in einem APA-Interview für eine inhaltliche Reform der Schule. Er sei für eine Aufwertung der Volksschule. Die Kompetenz in Lesen, Schreiben, Rechnen müsse mehr Stellenwert haben, entweder im Lehrplan oder in einer Verlängerung der Volksschulzeit, so Pühringer.
Auch er spricht sich klar für eine „Ausbildungspflicht“ statt der Schulpflicht aus. „Wir können es uns nicht leisten, dass sieben Prozent der Schüler ohne migrantischen Hintergrund und 26 Prozent der Schüler mit migrantischem Hintergrund außer der Pflichtschulausbildung nichts haben oder zum Teil selbst die nicht abschließen.“ Statt einer Schulpflicht bis 15 brauche es eine Bildungspflicht vom Kindergarten bis zum 18. Lebensjahr.
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