Themenüberblick

Neues aus dem Abenteuerurlaubsalbum

Russlands Präsident Wladimir Putin hat sich wieder einmal in seiner Rolle als Naturfreund, harter Bursche und Tausendsassa inszeniert. Allerdings schürt ein Fisch, besser dessen angebliche Rekordgröße, den Verdacht auf Anglerlatein. Außerdem wurde gemutmaßt, der Kreml habe auch alte Fotos für die Öffentlichkeit „aufgewärmt“.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Die Bilder waren laut offiziellen Angaben des Kreml vorletztes Wochenende während eines Kurzausflugs Putins gemeinsam mit Premierminister Dimitri Medwedew und Verteidigungsminister Sergej Schoigu in die Region Tuwa bzw. Krasnojarsk in Südsibirien entstanden.

Vladimir Putin beim Fischen

APA/EPA/RIA Novosti/Alexey Nikolsky

Wladimir Putin und sein angeblich 21 Kilogramm schwerer Fang

Auch bei dem Kurztrip waren die Rollen klar verteilt und damit auch deutlich, wer der starke Mann unter den dreien ist: Medwedew und Schoigu hätten ein Biosphärenreservat besucht, Putin habe Bootsfahrten unternommen und sei angeln gegangen, wobei er einen großen Hecht gefangen habe, ließ der Kreml auf seiner Website wissen. Doch das angebliche Gewicht von 21 Kilo stieß auf Skepsis.

„Der Chuck Norris unter den Präsidenten“

Westliche Medien machten sich in gewohnter Manier lustig über Putins neueste Pose. Die Schweizer Boulevardzeitung „Blick“ titulierte den 61-Jährigen nach dem US-Actionhelden als den „Chuck Norris unter den Präsidenten dieser Welt“ bzw. „alten Angeber“. Während andere stundenlang auf einen Fang warteten, ziehe der „tolle Hecht“ Putin quasi im Vorbeigehen einen Riesenfisch aus dem See.

Vladimir Putin beim Fischen

APA/EPA/RIA Novosti/Alexey Nikolsky

Eine Standardpose: Lässig in Militärkleidung in freier Natur

Wenn man seine Meinung wissen wolle: „Jeder Fischer kann sehen, dass der (Hecht) nie 21 Kilogramm schwer sein kann“, schrieb der dem Kreml gar nicht zu kritisch gesinnte Kolumnist Maxim Kononenko. „Einerseits sind Hechte dieser Größe extrem selten.“ Andererseits müsste der Fisch mit einem derartigen Gewicht viel länger sein als auf den Fotos zu sehen. Kononenko mutmaßte, für das Wiegen müsse wohl eine Waage mit Pfundskala verwendet worden sein. Dann hätte der Hecht etwa 9,5 Kilogramm gehabt.

Alfred Koch, seinerzeit stellvertretender Ministerpräsident unter Präsident Boris Jelzin, verglich den Fisch mit der Körpergröße Putins und kam in einer - etwas wissenschaftlichen - Rechnung auf deutlich weniger als 21 Kilo.

Zwei tolle Hechte: Wer beißt hier wen?

Alles Unsinn, so der Pressesekretär des Kreml, Dimitri Peskow, der seine eigene Version der Geschichte hat. Putin habe erst kein Glück mit den Hechten gehabt, bis er die Empfehlung eines einheimischen Wildaufsehers, einen anderen Köder zu verwenden, befolgt habe. Danach habe es eine halbe Stunde gebraucht, um den Fisch aus dem Wasser zu ziehen.

Der Aufseher habe gesagt, er habe „noch nie etwas Derartiges gesehen“ und Putin gewarnt: „Vorsicht, der könnte beißen!“ Der Präsident habe geantwortet: „Ich werde ihn beißen.“ Wie immer das gemeint war – der Fisch sei schließlich im Kochtopf gelandet.

Verdächtige Ähnlichkeiten mit alten Bildern

Auf einem offiziellen Video des Kreml auf YouTube ist der Präsident erst auf einer Bootsrundfahrt zu sehen, dann, wie er Rentiere streichelt und füttert, schließlich steuert der 61-Jährige – in Tarnkleidung – selbst ein Motorboot. Danach ist zu sehen, wie Putin den Hecht fängt.

Der populäre russische Blogger Andrej Malgin mutmaßte, dass der Kreml der Öffentlichkeit überhaupt ein paar alte Fotos aufgetischt haben könnte. Er verglich die Bilder in seinem Weblog mit solchen früherer Ausflüge des Präsidenten. Einige davon würden „verdächtig ähnlich“ aussehen, zitierte die US-Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg Malgin am Dienstag. „Sieht das nicht aus, als ob wir Dosennahrung, die ein paar Jahre lang aufgehoben worden ist, gefüttert bekommen?“

Außerdem ist ein Indiz für diese These, dass Putin auf den Bildern eine Uhr trägt, die er seinerzeit auf einem Ausflug einem Wildaufseher geschenkt habe. Auch das stimme nicht, argumentiert Kreml-Sprecher Peskow. Putin habe die Uhr damals verschenkt und sich exakt das gleiche Modell erneut gekauft. Auch über den Fisch ließ Peskow nichts kommen. „Ich war selbst beim Wiegen dabei.“

Links: