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220 Passagiere an Bord

Bei einem Bahnunglück im Nordwesten Spaniens sind am Mittwochabend nach offiziellen Angaben 77 Menschen ums Leben gekommen. Weitere 143 wurden verletzt, als der Schnellzug aus noch ungeklärter Ursache nahe der Stadt Santiago de Compostela entgleiste.

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Das Unglück ereignete sich gegen 21.00 Uhr nahe der Stadt Santiago de Compostela. Laut dem galicischen Präsidenten ist es noch zu früh zu sagen, was die Entgleisung verursachte. Augenzeugen berichteten der Zeitung „La Voz de Galicia“, der Zug sei ungewöhnlich schnell in die Kurve eingebogen. Der Zug sei doppelt so schnell unterwegs gewesen wie in dem kurvigen Streckenabschnitt erlaubt, berichtete die Zeitung „ABC“ am Mittwochabend. Der Zug sei mit 180 statt mit 80 Stundenkilometern gefahren.

Entgleister Zug

APA/EPA/Oscar Corral

Der Zug entgleiste kurz vor dem Bahnhof

Die 13 Waggons des Zuges wurden auseinandergerissen und sprangen aus den Schienen. Einige Wagen prallten neben den Gleisen gegen eine Mauer und stürzten um, andere Waggons verkeilten sich ineinander. Ein Wagen flog sogar über die Begrenzungsmauer hinweg.

Augenzeuge hörte Explosion

„Es passierte so schnell“, sagte ein Überlebender dem Radiosender Cadena Ser. Der Zug habe sich in einer Kurve verdreht, danach hätten sich die Waggons aufgetürmt. „Eine Menge Menschen wurde zu Boden gedrückt. Wir haben versucht, ins Freie zu kommen, und bemerkten dabei, dass der Zug in Flammen stand. Ich habe Leichen gesehen.“ Ein Augenzeuge berichtete von einer Explosion, bevor er den verunglückten Zug sah.

Der Zug war auf dem Weg von Madrid nach El Ferrol, als er einige Kilometer vor dem Bahnhof von Santiago entgleiste. Santiago de Compostela ist die Hauptstadt der autonomen Region Galicien und ein wichtiges Pilgerzentrum, das jährlich Zehntausende Menschen anzieht. Am Donnerstag sollte dort ein Fest zu Ehren des Schutzpatrons von Galicien, des Heiligen Jakob, stattfinden. Die Behörden sagten jedoch die geplanten Feiern nach dem Unglück ab.

Krisensitzung: Regierung geht von Unfall aus

Nach dem Unglück trat am Abend die Regierung in Madrid zu einer Krisensitzung zusammen. Wie eine Regierungssprecherin weiter bekanntgab, gehe man derzeit davon aus, dass es sich bei der Entgleisung um einen Unfall handelte. Das sei „die wichtigste Arbeitshypothese“, sagte sie in Anspielung auf Berichte, wonach sich vor der Entgleisung eine Explosion ereignet haben soll.

Ministerpräsident Mariano Rajoy werde am Donnerstag in der Früh an den Unglücksort reisen, sagte die Sprecherin weiter. Medienberichten zufolge war am Mittwochabend bereits seine Verkehrsministerin Ana Pastor dorthin gereist. Rajoy, der derzeit wegen eines Schmiergeldskandals um seine konservative Volkspartei (PP) massiv unter Druck steht, stammt aus der betroffenen Region Galicien.

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