Schlammschlacht der Verwandten
Südafrika bereitet sich auf den Tod seines Nationalhelden Nelson Mandela vor - und im Streit seiner Nachfahren fliegen die Fetzen. Seit Wochen begegnen sich Teile seiner Familie nur vor Gericht. Mandela ist noch nicht tot und trotzdem wird bereits über sein Erbe gestritten. In Südafrika begegnet man der Schlammschlacht mit Kopfschütteln. Stimmen werden laut, die davor warnen, Mandelas Vermächtnis mit dem Streit in den Schmutz zu ziehen.
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Der südafrikanische Bischof Desmond Tutu, wie Mandela Träger des Friedensnobelpreises, rief Mandelas Familie dazu auf, dessen Namen nicht zu „beschmutzen“. „Wir sollten nicht nur an uns selbst denken - das ist, wie in Madibas Gesicht zu spucken“, erklärte er. Auch Vizepräsident Kgalema Motlanthe sagte, er hoffe, dass der öffentliche Disput in einer „würdigen Weise“ beigelegt werden könne.
Drei Tote umgebettet
Vordergründig geht es bei dem Streit um die letzte Ruhestätte Mandelas: Sein Enkel Mandla Mandela hatte 2011 ohne Absprache mit der Familie die Gräber der verstorbenen Kinder Mandelas verlegt. Die drei 1948, 1969 und 2005 gestorbenen Kinder, unter ihnen der vor acht Jahren an Aids verstorbene Vater von Mandla, Makghato, wurden ursprünglich in Nelson Mandelas Heimatort Qunu beigesetzt. Jedoch sorgte Mandla Mandela vor zwei Jahren dafür, dass ihre sterblichen Überreste ins 30 Kilometer entfernt liegende Mvezo umgebettet wurden.

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Drei Leichname wurden überführt
Mandla ist dort Ortsvorsteher und hoffte damit, dass auch sein Großvater dort begraben wird - schließlich wurde Nelson Mandela in Mvezo geboren und äußerte - angeblich - den Wunsch, im Kreise seiner Familie beerdigt zu werden. Eine zentrale Gedenkstätte hat Mandla im Sinn. Und diese würde über Jahre hinweg Besucherströme und Einnahmen sichern. Der Politologe ist der Einzige in der Familie, der in die Politik ging und Abgeordneter der Regierungspartei ANC wurde.
Gericht ordnete Rückführung an
Doch praktisch der gesamte Rest des Clans stellte sich gegen ihn. Und das oberste Gericht der Provinz gab dem Antrag von 16 Mandela-Angehörigen statt. Die sterblichen Überreste mussten demnach in ihre früheren Gräber in Qunu zurückgebracht werden. Mittwochabend öffneten die Behörden mit einer Axt das Tor zum Anwesen von Mandelas Enkel Mandla. Der 38-Jährige beschuldigte die übrige Familie wiederum seinerseits, aus Geldgier gegen ihn vorzugehen.

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Tochter Makaziwe und die Enkel Ndaba und Ndileka Mandela vor Gericht
Geschäftemacherei in der Familie
Ganz unberechtigt ist wohl auch dieser Vorwurf nicht: Der Ex-Präsident hatte vor allem mit Büchern und Andenken ein Millionenvermögen angehäuft. Das meiste Geld floss in eine Stiftung und in zwei Nelson-Mandela-Fonds. Den Zugang zu diesen Geldern wollten im Frühjahr seine Töchter Zenani (54) und Makaziwe (60) vor Gericht durchsetzen. Ziel war es auch, die Treuhänder ihres Vaters, die Anwälte Bally Chuene und George Bizos, sowie Wohnungsbauminister Tokyo Sexwale, zu entmachten.
Andere Geschäftsideen haben sie bereits umgesetzt: Makaziwe lässt Weinflaschen mit dem Etikett „House of Mandela“ bekleben, um ein wenig Geld in die Kassen zu spülen. Zenani ließ sich als Botschafterin nach Argentinien schicken - bar jeder diplomatischen Ausbildung. Und gleich vier Enkel haben sich zusammengetan, um Kleidung unter dem Label Long Walk to Freedom (LWTF) zu vermarkten, dem Titel der Autobiografie des nahezu 95-Jährigen, der immer darauf bedacht war, dass sein Name nur für karitative Zwecke genutzt werden solle.
Drei Ehen, sechs Kinder
Mandela hat aus drei Ehen sechs Kindern, von denen drei noch leben, 17 Enkel und zwölf Urenkel. Aus der ersten Ehe mit Evelyn Mase lebt nur mehr Tochter Makaziwe, die 1947 geboren wurde. Der älteste Sohn Thembekili starb 1969 bei einem Autounfall, eine Tochter lebte nur neun Monate, und Makgatho starb 2005 an den Folgen von Aids: Sein Sohn Mandla steht im Zentrum des Familienstreits.
Aus der 1964 geschlossenen Ehe mit Winnie Madikizela stammen die beiden Töchter Zenani und Zindziswa. Nach der Scheidung 1996 heiratete Mandela ein drittes Mal - 1990 Graca Machel, Witwe des ehemaligen Präsidenten Mosambiks.
Die BBC berichtet, in der traditionellen Kultur des Landes seien noch nicht erledigte Probleme einer der möglichen Gründe, warum eine Person mit dem Tod ringt und noch nicht sterben kann. Solange der Streit nicht gelöst sei, könne er nicht gehen, heißt es. Für Dienstag wurde nun ein Familientreffen und auch ein Treffen des Königshauses der Thembu, der Volksgruppe, der die Mandelas angehören, einberufen.
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