Software soll Spaß verstehen
Das rhetorische Stilmittel der Ironie erfreut sich in E-Mails, auf Facebook und auf Twitter reger Beliebtheit. Wenn eine Nachricht schon nicht besonders interessant oder wichtig ist, dann zumindest lustig, scheint oftmals das Motto zu sein. Während manche das Online-Dauergeblödel als Ausweg, um sich in seiner Meinung nicht festlegen zu müssen, kritisieren, haben andere schlicht Verständnisprobleme.
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Das Analysetool einer französischen Firma mit dem passenden Namen Spotter soll dabei helfen, ironische Kommentare online zu erkennen. Und das gleich in 29 verschiedenen Sprachen, darunter laut eigenen Angaben auch Chinesisch, Russisch und Arabisch.
„Treffergenauigkeit von 80 Prozent“
Das Tool soll die Stimmung des Schreibers ermitteln und sprachliche Feinheiten wie Spott zwischen den Zeilen herauslesen können, wie die BBC berichtet. Das wäre eine bahnbrechende Ankündigung, kennt man etwa die Qualität von automatischen Übersetzungsservices. Diese müssen sich nur an Wörtern und Zusammenhängen, nicht aber an den Zwischentönen orientieren und sind immer noch stark verbesserungswürdig.
„Nichts ist deppensicher - wir sprechen schließlich von einem automatisierten System,“ so Richard May, Spotter-Vertriebsleiter in Großbritannien gegenüber der BBC. „Aber vor fünf Jahren lag unsere Treffergenauigkeit noch bei knapp 50 Prozent.“ Derzeit liege sie bei 80 Prozent. Die Software nutzt laut May eine Kombination aus Sprachwissenschaft, Wertbedeutungslehre und Heuristik, um Algorithmen zu erstellen, die wiederum über die Onlinereputation Auskunft geben können.
1.000 Euro monatlich für Ironieabo
Ab 1.000 Euro monatlich können Kunden die regelmäßige Berichterstattung buchen. Auf Kundenwunsch können diese Berichte zusätzlich von menschlichen Bearbeitern nachgeprüft werden. Zu den ersten Kunden sollen laut Spotter das britische Innenministerium, die EU-Kommission und der Gerichtshof in Dubai gehören.
Auch die Fluglinie Air France soll auf das System vertrauen. May führt gegenüber der BBC ein Beispiel an: „Wenn jemand nach einer Flugverspätung twittert ‚Danke Air France, dass du uns zwei Stunden zu spät nach London gebracht hast‘, dann dankt derjenige dem Unternehmen in Wirklichkeit natürlich nicht.“ Das soll der Ironiedetektor selbstständig ermitteln können, auch wenn Sprachwissenschaftler das bezweifeln.
Emoticons als Ersatz für Tonfall und Mimik
Denn Ironie ist naturgemäß selbst für den menschlichen Leser nicht immer gleich als solche zu erkennen. Ganz im Gegenteil: Sie hat großes Potenzial, missverstanden zu werden. Der Leser kann sich weder an der Mimik, noch an dem Tonfall des Schreibers orientieren. Auch sind solche Spötteleien meist nur dann witzig, wenn man gleiche Überzeugungen teilt. Was von dem einen lustig gemeint ist, kann von dem anderen verwundert aufgenommen und im schlimmsten Fall sogar beleidigend aufgefasst werden.
Wie brauchbar die Ergebnisse der Spotter-Software sind, bleibt fraglich. Die Frage nach einer Testversion für ORF.at blieb unbeantwortet, auch eine Webversion zum Ausprobieren gibt es nicht. Bis die Ernsthaftigkeit der Software bewiesen ist, bleibt Internetnutzern, die sichergehen wollen, richtig verstanden zu werden, also nur eines: das altbewährte Zwinkersmiley.
Beate Macura, ORF.at
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