Schmied und Töchterle ziehen Bilanz
Dank der gut ausgebauten beruflichen Ausbildung hat Österreich die Wirtschaftskrise „relativ gut überstanden“. „Hier ein Kompliment an Österreich“, lobte Barbara Ischinger vom OECD-Direktorat für Bildung bei der Präsentation des Österreich-Länderberichts zur aktuellen OECD-Studie „Bildung auf einen Blick 2013“ („Education at a Glance“) am Dienstag in Wien.
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Gleichzeitig ortete sie Verbesserungsbedarf bei der Finanzierung der Hochschulbildung, wo die OECD für mehr Studiengebühren bei gleichzeitiger Einführung eines Systems von Zuschüssen und einkommensabhängigen Studiendarlehen plädiert.
„Vorbild für andere Länder“
Die Arbeitslosenquote unter den Nicht-Akademikern sei in Österreich dank der starken Berufsausbildung (Berufsschule/Lehre, Berufsbildende mittlere und höhere Schulen/BMHS) vergleichsweise gering, heißt es im Länderbericht. Gleichzeitig sind 44 Prozent der 15- bis 29-Jährigen berufstätig (OECD-Schnitt: 37) und die Zahl derer, die weder in Ausbildung noch auf dem Arbeitsmarkt sind, ist trotz Krise gesunken. „Länder wie Spanien, Griechenland und Portugal können Sie da nur beneiden“, lobte Ischinger das österreichische System, das eine „solide Grundlage“ bilde und Vorbild für viele Länder sei.
Geringer Anteil bei Privatfinanzierung
Gleichzeitig liege Österreich allerdings - trotz Steigerung - bei den Akademikerquoten zurück. Zwar gebe es mehr Studienanfänger, allerdings würden es nur 65 Prozent von ihnen zum Abschluss schaffen. Verbesserungen bei den Studienanfänger- und Abschlussquoten habe es allerdings dank der Einführung der Fachhochschulen (FH) Anfang der 1990er gegeben.
Bei den Bildungsausgaben hob Ischinger hervor, dass Österreich eines der Länder mit dem geringsten Anteil privater Bildungsausgaben ist, wobei es dabei eine Schieflage gebe: Werden im Kindergarten 28 Prozent privat finanziert (OECD-Schnitt: 18), sind es im Tertiärbereich (Uni, FH etc.) zwölf Prozent (OECD: 32). Dabei stammen an den Hochschulen nur drei Prozent wirklich von privaten Haushalten, der Rest kommt aus anderen Quellen wie Unternehmen etc. Zurückzuführen sei dieses Bild größtenteils auf die nur von einem kleinen Teil der Studenten zu bezahlenden Studiengebühren, so Ischinger.
„Noch einiges zu tun“
Die Bilanz von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) und Karlheinz Töchterle nach der Präsentation fiel ähnlich aus: Man habe in den vergangenen Jahren bereits einiges erreicht, habe aber auch noch einiges zu tun. Das Lob für die Berufsbildung teilten die beiden mit Ischinger. Töchterle sagte: „Das ist sicher die richtige Mischung.“ Schmied räumte ein, dass gerade die betreffenden Schultypen kostenintensiv und damit - neben der Verkleinerung der Klassen und der wegen des großen Anteils älterer Pädagogen hohen Lehrergehälter - einer der Treiber der im OECD-Schnitt sehr hohen Bildungsausgaben pro Schüler seien.
Verweis auf neues Lehrerdienstrecht
„Aber das sind Ausgaben, die sich rechnen“, betonte die Ministerin, die generell die hohen Bildungsausgaben Österreichs verteidigte. „Die öffentlichen Ausgaben im Schulbereich sind bewusst gesetzt“, immerhin sei Bildung nicht nur klar Aufgabe des Staats, sondern „immer auch Beschäftigungspolitik“.
Gleichzeitig müsse der Staat aber darauf achten, dass das Geld leistungsorientiert und effizient eingesetzt werde - weshalb es eben etwa ein neues Lehrerdienstrecht brauche, so Schmied. Die Ergebnisse der Studie, wonach Österreichs Lehrer im OECD-Vergleich weniger unterrichten und mehr verdienen, zeigte für sie jedenfalls keinen Bedarf, etwas am Regierungsvorschlag an die Gewerkschaft zu ändern - „ganz im Gegenteil“.
Mehr ganztägige Schulangebote
Weitere politische Aufträge, die Schmied aus der diesmal erstmals auch in Wien präsentierten Studie herauslas: Es brauche mehr „erstklassige“ ganztägige Schulangebote vor allem im Volksschulbereich, und sie müsse sich gemeinsam mit dem Wissenschaftsminister um noch mehr Durchlässigkeit zu den Hochschulen bemühen, etwa indem mehr Kompetenzen als Studienleistung angerechnet und mehr berufsbegleitende Angebote gemacht werden.
Töchterle wiederum nahm in Sachen Studiengebühren den Ball von Ischinger gerne auf und betonte: „Ja, diese Diskussion wird es weiter geben.“ Natürlich bedürfe es weiterer Anstrengungen der öffentlichen Haushalte, doch auch der äußerst geringe Anteil privater Mittel an der Hochschulfinanzierung müsse steigen. Die Empfehlung, in Österreich ein Darlehenssystem für Studenten einzuführen, nehme er gerne auf. Im Beratungsgremium Hochschulkonferenz werde bereits an dem Thema gearbeitet.
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