Rettung gescheitert
Die Rettung des zweitgrößten österreichischen Baukonzerns, der Salzburger Alpine, ist gescheitert. Das Unternehmen schlittert damit in den Konkurs. Die Bemühungen zur außergerichtlichen Sanierung der Gruppe wurden abgebrochen.
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Wie der Kreditschutzverband KSV 1870 der APA Mittwochvormittag mitteilte, habe die Alpine nun den Insolvenzantrag beim Handelsgericht Wien eingebracht. Beantragt wird ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung. Die Fortführung des Unternehmens und die Sanierung werden beabsichtigt. Der Antrag wurde am Handelsgericht Wien eingebracht, weil die Alpine-Geschäftsleitung in Wien erfolge, obwohl der Sitz des Unternehmens in Salzburg liege, so der KSV 1870.
„Trotz beträchtlicher Unterstützung der finanzierenden Banken und intensiver Bemühungen des Eigentümers ist es wider Erwarten nicht gelungen, die Alpine-Gruppe außerhalb eines Insolvenzverfahrens zu sanieren“, hieß es in der Pflichtmitteilung von Dienstagabend.
7.500 Beschäftigte in Österreich
Im Zuge des Sanierungsverfahrens sollen auf der Grundlage eines von erfahrenen Restrukturierungsberatern erstellten Konzeptes, Teile der Baugruppe mitsamt den damit verbundenen Arbeitsplätzen und Subunternehmen fortgeführt werden. Dieses Konzept soll in den nächsten Wochen von den Insolvenzverwaltern geprüft und nach Möglichkeit umgesetzt werden, heißt es weiter.
Am Bauriesen hängen Tausende Jobs. Die Alpine selbst beschäftigt rund 15.000 Mitarbeiter (zu gleichen Teilen im In- und Ausland). Mit dem Unternehmen verwoben sind allerdings weitere rund 7.500 Arbeitsplätze alleine bei jenen 1.500 Subunternehmen und 1.500 Lieferanten, die mit der Alpine über jeweils 100.000 Euro jährlich abwickeln. Wie viele Jobs nun wackeln, wollte Konzernchef Arnold Schiefer nicht sagen.
Arbeitsstiftung soll Betroffenen helfen
Die Alpine-Pleite dürfte rund 2.000 Jobs im Konzern direkt kosten. Davon ging Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) Mittwochvormittag am Rande des ÖGB-Kongresses im Gespräch mit der APA aus. Wie viele Mitarbeiter aus Zulieferbetrieben zusätzlich betroffen seien, könne man noch nicht genau abschätzen, da nicht klar sei, in welchem Ausmaß die Unternehmen von der Alpine abhängig sind. Für alle Betroffenen werden nun Arbeitsstiftungen errichtet.
Konkret sollen innerhalb eines Monats acht solcher Stiftungen etabliert werden, in allen Bundesländern außer Vorarlberg, da es dort keine Alpine-Beschäftigten gibt. Sie werden auch den Beschäftigten der betroffenen Zulieferer offenstehen, wie Hundstorfer versicherte. Zwei Teilbereiche gehen aber nicht in Insolvenz, wodurch rund 1.500 Mitarbeiter ihre Jobs behalten dürften. Zudem rechnet Hundstorfer damit, dass von einer Auffanggesellschaft 4.000 Personen weiterbeschäftigt werden.
Als „Glück im Unglück“ sieht Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP), dass die Insolvenz in den Sommermonaten stattfindet. Angesichts der offenen Baustellen steige nämlich so die Chance für Übernahmen und damit auch für die Weiterbeschäftigung der Mitarbeiter, so Mitterlehner ebenfalls am Rande des ÖGB-Kongresses auf Anfrage der APA.
Anleihen aus dem Handel genommen
Unterdessen wurde der Börsenhandel mit den Bonds der Alpine ausgesetzt. Die Orders würden für erloschen erklärt und müssten neu erteilt werden, teilte die Wiener Börse am Mittwoch in einer Aussendung mit. Die Alpine hat drei Unternehmensanleihen im Volumen von 290 Mio. Euro auf dem Markt, die sie seit 2010 aufgelegt hat - die jüngste davon läuft erst seit Mai 2012. Zwei Bonds haben ein Volumen von je 100 Mio. Euro, eine Anleihe umfasst 90 Mio. Euro. Die Anleihen haben eine Laufzeit von fünf Jahren und sind mit 5,25 bzw. sechs Prozent verzinst.
Schwache Baukonjunktur und Verzögerungen
Die Alpine, der zweitgrößte Baukonzern Österreichs, war im vergangenen Jahr unter anderem wegen der schwachen Baukonjunktur und Verzögerungen bei wichtigen Projekten in Schieflage geraten. Allein bei ihren Anleihegläubigern steht die Alpine mit 290 Millionen Euro in der Kreide. Die Alpine erzielte im Vorjahr eine Bauleistung von 3,2 Mrd. Euro (2011: 3,62 Mrd. Euro) und erlitt dabei einen Verlust vor Steuern in Höhe von 449,7 Mio. Euro. Im ersten Quartal 2013 war das Ergebnis vor Steuern (EBIT) mit 90 Mio. Euro negativ und der Verlust damit fast doppelt so hoch wie im Sanierungsplan vorgesehen.
Erst im März hatte sich der Alpine-Konzern auf einen Rettungsplan mit seinen Gläubigern und der spanischen Mutter FCC geeinigt. Damals hatte FCC 250 Millionen Euro eingebracht, die Gläubiger hatten auf Forderungen über insgesamt 150 Millionen Euro verzichtet. Doch wegen des schleppenden Verkaufs der Tochter Alpine-Energie, der Sanierungsbautochter Hazet und der Spezialtiefbau-Tochter hätte der Baukonzern zusätzliche Unterstützung benötigt. Von dem Verkauf der Töchter hatte sich Alpine einem Insider zufolge einen Erlös von mehreren hundert Millionen Euro erhofft.
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