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„Eine Gruppe von Freunden“

Geht es in Frankreich um das Thema militanter Rechtsextremismus, taucht immer wieder ein Name auf: Serge Ayoub. Derzeit ist der Ex-Skinhead mit dem Vorwurf konfrontiert, dass die für den gewaltsamen Tod eines Studenten verantwortlichen Verdächtigen aus seinem weiteren Umfeld kommen - was er dementiert. Die Regierung will die radikale Gruppe verbieten.

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Ministerpräsident Jean-Marc Ayrault gab nach eigenen Worten am Wochenende Innenminister Manuel Valls den Auftrag, möglichst rasch ein Verbotsverfahren gegen Ayoubs Nationalistische Revolutionäre Jugend (Jeunesses nationalistes revolutionnaires, JNR) einzuleiten. Doch Ayoub sieht sich anscheinend auf der sicheren Seite.

Man könne seiner JNR „vorwerfen, was immer man will. Aber ihr vorzuwerfen, dass sie für den Tod von Clemens Meric verantwortlich sei, ist falsch“, zitierte am Montag die französische Gratiszeitung „Metronews“ den 48-jährigen Ayoub. Die Regierung habe einen Sündenbock gesucht, in der Gruppe gefunden und handle nun „zu schnell“. Meric ist der Name des Studenten, der am Mittwochabend von Rechtsextremen bei einer Schlägerei in Paris schwer verletzt und am Donnerstag gestorben war. Es gab mehrere Festnahmen und eine Anklage gegen einen Hauptverdächtigen wegen Körperverletzung mit Todesfolge.

Als „Ordnerdienst“ auf Tour

Weder der Dritte Weg (Troisieme Voi, TV, eine weitere rechtsextreme Gruppierung, an deren Gründung Ayoub beteiligt war, Anm.) noch die JNR würden Gewalt ausüben, betonte Ayoub am Montag gegenüber „Metronews“. Im Gegenteil: Seine Gruppe habe sich unlängst bei einer Demonstration „zwischen Nationalisten und die CRS (Compagnies Republicaines de Securite, vergleichbar der Bereitschaftspolizei, Anm.) gestellt, um Zwischenfälle zu verhindern. Wir erledigen die Arbeit eines Ordnungsdiensts.“ Kundgebungen, die seine Gruppe organisiere, seien stets friedlich, sagte Ayoub. „Uns ist nichts vorzuwerfen.“ Juristisch würden die Argumente der Regierung „nicht halten“.

Demonstration zum Gedenken an Clement Meric

AP/Thibault Camus

Demonstrationen in Paris nach dem Tod des 18-jährigen Clement Meric

Außerdem sei es gar nicht möglich, die Gruppe zu verbieten. „Man kann nicht auflösen, was es (als Organisation, Anm.) nicht gibt“ - und schon gar nicht "für eine Tat, die sie nicht begangen haben. Rechtlich ist es unmöglich, die JNR aufzulösen. Sie haben keine juristischen Statuten. „Die Regierung kann nichts machen. Wir sind eine Gruppe von vielleicht 30 Freunden.“ Es sei „lächerlich, eine Gruppe von Freunden auflösen zu wollen“, so Ayoub. Man habe einander vor langer Zeit kennengelernt, sei mittlerweile über 40 Jahre alt und habe mit 20-Jährigen wie den Tatverdächtigen nichts zu tun.

Skinhead mit libanesischen Wurzeln

Ayoub, Sohn eines Magistratsbeamten mit libanesischen Wurzeln, hatte seine „Karriere“ - genau wie der Hauptverdächtige Esteban M. - einst ebenfalls in der (im konkreten Fall rechtsextremen) Skinhead-Szene begonnen. Mit der Subkultur war er im Alter von 14 Jahren erstmals anlässlich einer Sprachreise nach Großbritannien in Kontakt gekommen. In Paris sei er recht rasch zum Sprecher der Bewegung geworden, heißt es in einem Kurzporträt der Tageszeitung „Le Monde“. Verantwortlich dafür sei einerseits sein Charisma gewesen, andererseits seine „Fähigkeit, einen politischen Diskurs“ in einem Milieu zu führen, in dem man sich darüber ansonsten nicht allzu viele Gedanken mache.

Nun, so die Pariser Tageszeitung, holten Ayoub „die gewalttätigen Dämonen der Skinhead-Bewegung“, als deren Oberhaupt er sich noch immer sehe, ein. Schließlich kämen einige der Festgenommenen aus dem Gravitationsfeld der JNR bzw. des TV. Ayoub wurde früher laut französischen Medienberichten „Batskin“ genannt - wobei sein Spitzname weniger mit der Comicfigur Batman zu tun hatte als mit der Tatsache, dass Ayoub Konfrontationen vorzugsweise per Baseballschläger (nach „batte“ für Schläger, Anm.) ausgetragen haben soll. In Paris war er Anführer der Skinhead-Gruppe „Le Klan“ („Der Klan“). 1987 gründete er die JNR, löste sie später wieder auf und reaktivierte die Gruppe 2010. Zwischendurch versuchte Ayoub auch, Hooligans für seine Sache politisch zu mobilisieren.

Einige hundert „sehr gewalttätige“ Personen

Innenminister Valls begründete seine Pläne, die JNR zu verbieten, damit, dass sie „die Autorität des Staates infrage“ stelle, außerdem sei sie „rassistisch, antisemitisch und schwulenfeindlich“, sagte er am Wochenende im Radiosender RMC. Eine rechtliche Handhabe gegen sie brauche aber Zeit. „Leider treten solche (rechtsextremen) Bewegungen wieder neu auf“, kritisierte der Innenminister. Der Szene gehörten in Frankreich „einige hundert Personen“ an, die „sehr gewalttätig“ seien.

Ähnlich bemüht wie Ayoub, sich von den Tatverdächtigen zu distanzieren, zeigte sich zuletzt auch die Vorsitzende der rechtsextremen Front National (FN), Marine Le Pen. Ihre Partei habe „überhaupt keine Verbindung“ zu diesen „unerträglichen Taten“, sagte Le Pen dem Sender RTL. Zu Ayoub meinte Le Pen, ihm habe sie „nicht viel zu sagen“ - und zu tun habe sie mit ihm „gar nichts“.

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