Lange Auszeit, schwerer Wiedereinstieg
Frauen unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit für eine Kinderauszeit relativ lange, und eine Karenz bringt Müttern massive Nachteile beim Erwerbseinkommen, Vätern aber nicht. Das ist das Ergebnis des „Wiedereinstiegsmonitorings“ der Arbeiterkammer, das AK-Präsident Rudolf Kaske Ende Mai vorstellte.
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Beim AK-„Wiedereinstiegsmonitoring“, durchgeführt von L&R Sozialforschung, werde jeder Fall von Kinderauszeit mit Vor- und Nachkarriere über mehrere Jahre hinweg analysiert. Im aktuellen Monitoring wurden alle Fälle von Kindergeldbezug von 2006 bis 2010 (außer Selbstständige und Beamte) anhand von Daten des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger und des Arbeitsmarktservice (AMS) angeschaut, die Beobachtungszeiträume reichen also von einem Jahr (Sample 2010) bis zu fünf Jahren (Sample 2006), wie Gerlinde Hauer von der AK erklärte. Die Studie soll jährlich aktualisiert werden, um noch breitere Vergleichsmöglichkeiten zu erhalten.
Ergebnis: Mütter unterbrechen eigentlich sehr lange
Die Untersuchung zeigt, dass Mütter relativ lange unterbrechen: Bei jenen Frauen, die 2006 eine Kinderauszeit begonnen hatten und davor überwiegend beschäftigt gewesen waren, sind nur 38 Prozent zum zweiten Geburtstag des Kindes wieder eingestiegen. Zum dritten Geburtstag ist dann die überwiegende Mehrheit (63 Prozent) wieder erwerbstätig, zum vierten Geburtstag 70 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit eines Wiedereinstiegs sinke deutlich, wenn Frauen vorher nicht gearbeitet oder nur schlecht erwerbsintegriert waren, so Hauer.
Leichtere Rückkehr für Väter
Ganz anders schaut es bei den Vätern aus, die sich eine Kinderauszeit nehmen und zuvor überwiegend beschäftigt waren: Die Mehrzahl (53 Prozent) ist nach drei Monaten wieder beschäftigt. Auch beim Einkommen gibt es Unterschiede: Verdienten vor Karenzbeginn 45 Prozent der überwiegend erwerbstätigen Mütter über 2.000 Euro brutto im Monat (Sample 2006), waren es vier Jahre danach nur noch 17 Prozent. Der Anteil der Väter mit einem Einkommen über 2.000 Euro sank lediglich von 52 auf 50 Prozent.
Die Unterschiede in den ersten zwei bis drei Jahren nach Beginn der Kinderauszeit seien vor allem auf den hohen Anteil an Frauen zurückzuführen, die nicht arbeiten, im vierten Jahr könne das aber nicht mehr der wesentliche Grund sein, meinte Hauer.
Viele Teilzeitbeschäftigungen
Vielmehr liege die Ursache wohl in der hohen Teilzeitbeschäftigung von Müttern und darin, dass Frauen nach der Karenz oft keine gleichwertige Beschäftigung geboten werde. Die Untersuchung zeigt auch, dass die 2008 eingeführten „Kurzvarianten“ (15 + 3 Monate, 20 + 4 Monate) die Väterbeteiligung steigen lassen und einen früheren Wiedereinstieg von Frauen unterstützen. Die Wirkung der 2010 eingeführten Modelle (12 + 2 Monate pauschal bzw. einkommensabhängig) wurde in dieser Studie noch nicht betrachtet.
Nachteile wirken bis zur Pensionierung
Kaske betonte jedenfalls, dass die Einkommensnachteile von Frauen aus der Karenz bis in die Pension wirken, man müsse die Probleme bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf lösen. Dazu forderte er, bei der Kinderbetreuung die Zahl der Plätze, die Öffnungszeiten und die Qualität auszubauen.
Erneut nutzte die AK die Präsentation der Studie, um einen „Papamonat“ zu fordern, also das Recht auf Freistellung durch den Betrieb und finanzielle Abgeltung aus dem Familienlastenausgleichsfonds. Kaske will das Recht auf Elternteilzeit auch in Kleinbetrieben (bis 21 Arbeitnehmer) verwirklicht sehen. Frauen, die in solchen Strukturen tätig sind, erleben beim Wiedereinstieg nach der Karenz ohnedies oft unangenehme Überraschungen.
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