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Große Roben und Balladen in Malmö

Das erste Halbfinale des Eurovision Song Contest 2013 ist gelaufen. Zehn Finalisten für Samstag stehen nun fest - die Österreicherin Natalia Kelly hat den Einzug nicht geschafft. Moldawien, Litauen, Irland, Estland, Weißrussland, Dänemark, Russland, Belgien, die Ukraine und die Niederlande sind weitergekommen. Der Abend bot auch heuer wieder viel Pathos und einige Skurrilitäten - der überwiegende Teil des Feldes präsentierte sich jedoch sehr brav und schlicht.

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Kelly zeigte sich gleich nach dem Ausscheiden sehr gefasst vor Journalisten in Malmö. Sie sei zufrieden, das Leben gehe weiter. Schon am Donnerstag will sie zurückreisen. Ob sie bereits am Freitag wieder in die Schule gehen werde, könne sie jetzt noch nicht sagen, so die 18-Jährige, die das Finale in ihrer Heimatstadt Bad Vöslau beim Public Viewing verfolgen will. Dort fieberten am Dienstag viele Freunde der Sängerin bei ihrem Auftritt mit und zeigten sich nach ihrem Ausscheiden nur ein „bissl enttäuscht“ - mehr dazu in oesterreich.ORF.at.

Voting durch Jury und Publikum

Mit Österreich ausgeschieden sind die vier Balkanländer Kroatien, Montenegro, Serbien und Slowenien sowie Zypern. Für das Ergebnis zeichneten zu 50 Prozent die Anrufer und SMS-Schreiber des heutigen Abends verantwortlich, zu 50 Prozent das Votum einer Fachjury. Dieses wurde bereits am Montag gefällt, als die Teilnehmer die gesamte Show bereits einmal durchlaufen mussten. Moderiert wurde die farbenfrohe Übertragung charmant von der schwedischen Komikerin Petra Mede, die sich aus Zeitmangel aber recht kurz hielt.

Bevor Kelly mit der Startnummer eins den Wettbewerb eröffnete, gab die Vorjahressiegerin Loreen gemeinsam mit einem Kinderchor eine Adaption ihres Siegerhits „Euphoria“ zum Besten.

Song-Contest-Auftritt von Natalia Kelly

AP/Janerik Henriksson

Die Startnummer eins hat Natalia Kelly in Malmö kein Glück gebracht

Österreicherin als Erste am Start

Kelly trat in schlichtem hellem Outfit und mit einem fünfköpfigen Background-Chor auf die große Song-Contest-Bühne. Im Anschluss folgte Birgit Alguse aus Estland - ebenfalls eine junge dunkelhaarige Sängerin, deren Ballade vom Ende des Winters und dem Neuanfang, der darauf folgt, handelt. Im Gegensatz zu Kelly schaffte sie den Finaleinzug.

Als Nummer drei präsentierte die Slowenin Hannah Mancini die nicht besonders originelle Dance-Nummer „Straight into Love“, unterstützt von drei Tänzern, die ihren Auftritt mit Schweißmasken begannen und akrobatische Höchstleistungen vollbrachten. Ruhiger ging es danach bei Klapa s mora aus Kroatien zu: Die sechs Sänger boten den UNESCO-geschützten Klapa-Gesang ihrer Heimat mit dem Song „Mizerja“ dar - recht pathetisch, aber auch ohne besonderen Höhepunkt. Sowohl für Slowenien als auch für Kroatien reichte es nicht fürs Finale.

Favoritinnen schafften den Sprung ins Finale

Anders für die Startnummern fünf bis acht: Als Fünfte ging die schon im Vorfeld als Favoritin des Contests gehypte Dänin Emmelie de Forest an den Start. Ihre Performance zum keltisch angehauchten Song „Only Teardrops“ hatte tatsächlich einiges, womit sich in der Vergangenheit schon Kandidaten durchsetzen konnten, wie etwa Loreen im Vorjahr: zerstrubbelte Haare, nachthemdartiges Kleid, nackte Füße.

Mit Startnummer sechs trat Dina Garipowa für Russland an, wo sie im Vorjahr die russische Version der Castingshow „The Voice“ gewonnen hat. In Malmö sang sie ihre Hymne „What if“, für die sich der russische Fernsehsender Channel One Unterstützung durch ein Kompositionsteam aus Schweden geholt hatte.

Dina Garipova aus Russland

AP/Janerik Henriksson

„What if“ - Was wäre wenn ... träumt Dina Garipowa für Russland vom Sieg in Malmö

Schon im Vorfeld sorgte auch Slata Ognewitsch aus der Ukraine für viel Wind um ihren Auftritt: Immerhin ließ sie sich vor ihrer recht zurückhaltenden Choreographie von einem der größten Männer der Welt auf die Bühne tragen, um anschließend in ihrer Ballade „Gravity“ eine Märchenwelt zu besingen. Ebenfalls in die Lüfte begab sich Hollands Vertreterin Anouk, die schon um einiges mehr an Erfahrung auf dem Karrierebuckel hat als die Konkurrenz. Ihre Nummer im psychedelischen 70er-Jahre Stil, „Birds“, wurde schon vorab als Fixstarter fürs Finale gesehen.

„Felix-Baumgartner-Gedächtnisband“

Montenegro setzte zum zweiten Mal in Folge auf eine skurrile Einlage: Von Andi Knoll im ORF-Kommentar als „die Felix-Baumgartner-Gedächtnisband aus Montenegro“ bezeichnet, ging das Hip-Hop-Duo Who See in Weltraumanzügen an den Start und gab unterstützt von Sängerin Nina Zizic den Song „Igranka“ zum Besten.

Who See aus Montenegro

AP/Janerik Henriksson

Montenegro lieferte den einzigen schrägen Auftritt mit ihren Astronautenoutfits und ihrem Song „Igranka“

Vergleichsweise langweilig kam der litauische Liedermacher Andrius Pojavis mit „Something“ daher. Er erklärt in seinem Song einer Angebeteten seine lange uneingestandene Liebe, er schaffte damit aber das Publikum zu überzeugen. Ebenso die weißrussische „Staatskünstlerin“ Aljona Lanskaja, die mit der Startnummer elf und ihrer Strandhymne „Solayoh“ kurzfristig wieder mehr Tempo in den Bewerb brachte, ihre Nachfolgerin Aliona Moon aus Moldawien ging es mit „O Mie“ einer auffälligen Hochsteckfrisur und einem Farbwechselkleid wieder ruhiger an und konnte ebenfalls überzeugen.

Irland kommt weiter, Zypern scheidet aus

Auch der Ire Ryan Dolan, der in den letzten Wochen nicht nur mit seinem Beitrag „Only Love Survives“, sondern vor allem mit Fotos seines nackten Oberkörpers im Internet für Aufsehen zu sorgen versuchte, darf am Samstag noch einmal antreten.

Der Stimmung im Land angemessen, setzte Zypern heuer nicht auf die bekannten „Wir feiern mit Mandoline am Strand“-Nummern, sondern auf eine melancholische Ballade, „Me Thimasai“, gesungen von Despina Olympiou. Ebenfalls mit einer Ballade („Love Kills“) ging Roberto Bellarosa für Belgien an den Start. Mit Startnummer 16 beendeten die drei für Serbien antretenden Sängerinnen der Girlgroup Moje 3 das erste Halbfinale mit dem schnellen Song „Ljubav Je Svuda“ - für sie war es aber auch der letzte Auftritt in Malmö.

Teilnehmer des 1. Halbfinales am 14. Mai

Für das Finale qualifiziert:
Moldawien Aliona Moon "O Mie"
Litauen Andrius Pojavis "Something"
Irland Ryan Dolan "Only Love Survives"
Estland Birgit "Et Uus Saaks Alguse"
Weißrussland Aljona Lanskaja "Rhythm Of Love"
Dänemark Emmelie de Forest "Only Teardrops"
Russland Dina Garipowa "What if"
Belgien Roberto Bellarosa "Love Kills"
Ukraine Slata Ognewitsch "Gravity"
Niederlande Anouk "Birds"
Ausgeschieden:
Österreich Natalia Kelly "Shine"
Slowenien Hannah Mancini "Straight into Love"
Kroatien Klapa "Mizerja"
Montenegro Who See "Igranka"
Zypern Despina Olympiou "An Me Thimase"
Serbien Moje 3 "Ljubav Je Svuda"
Teilnehmer in der Reihenfolge der Bekanntgabe

Deutliche Einsparungen bei Bühnentechnik

Die schwedischen Organisatoren wollen in diesem Jahr den Trend zu immer pompöserer Ausstattung mit einem deutlich niedrigeren Budget stoppen. Das ist auch im Sinn der European Broadcasting Union (EBU), die durch Kostenreduktion die Ausrichtung des Song Contests für jeden potenziellen Gewinner finanzierbar machen will. Demnach liegt das Budget heuer mit rund 18 Mio. Euro deutlich unter dem vom Vorjahr in Aserbaidschans Hauptstadt Baku, als dem Vernehmen nach knapp 60 Mio. Euro in den Song Contest investiert wurden. Zum Thema wurde die Geldfrage, weil sich heuer drei Länder - Bosnien-Herzegowina, Portugal und die Slowakei - aus Kostengründen entschieden, dieses Mal nicht teilzunehmen.

Die erst vor wenigen Jahren eröffnete Malmö Arena fasst knapp 12.000 Zuschauer - ein Drittel der Düsseldorf Arena 2011. Lediglich zwei Leinwände sind für die Zuschauer vor Ort angebracht, wobei sich auch ein reduzierter Song Contest mit einer 350 Quadratmeter großen Leinwand im Bühnenhintergrund und 23 HD-Kameras alles andere als klein ausnimmt.

Der Fahrplan bis zum Finale

Am Donnerstag folgt nun das zweite Halbfinale, in dem sich abermals zehn Länder für das große Finale am Samstag qualifizieren können. Dort treten dann die jetzt in den Halbfinals erfolgreichen 20 Vertreter und die sechs fix Qualifizierten gegeneinander an. So sind die fünf großen Zahlerländer Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien sowie der Vorjahressieger Schweden automatisch im Finale vertreten.

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