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Behörden weisen Vorwürfe zurück

Nach der Befreiung von drei jungen Frauen, die offenbar jahrelang von drei Brüdern in der US-Stadt Cleveland gefangen gehalten worden waren, sind die Polizeibehörden mit immer lauterer Kritik konfrontiert. Es melden sich mehr und mehr Nachbarn des Entführers, die haarsträubende Dinge beobachtet haben wollen und das auch der Polizei mitgeteilt haben - jedoch ohne Folgen.

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Amanda Berry (27), Gina DeJesus (23) und Michelle Knight (32) wurden zwischen 2002 und 2004 entführt. Die mutmaßlichen Tatorte liegen unmittelbar nebeneinander. Das Haus, in dem die drei Frauen vermutlich all die Jahre festgehalten wurden, ist nur wenige Kilometer davon entfernt. Es gehört seit 1992 Ariel Castro, dem Hauptverdächtigen. Neben Ariel Castro wurden auch seine Brüder Onil und Pedro verhaftet. Die Richter gaben der Polizei 48 Stunden Zeit, um die Vorwürfe gegen die Männer konkreter zu machen.

Seile und Ketten in Haus gefunden

Die Polizei soll frühe Hinweise auf ein Verbrechen zu schnell abgetan haben. Nachbarn hatten Medienberichten zufolge die Polizei mehrmals auf eigenartige Vorgänge und angeblich sogar auf „Frauen in Ketten“ in dem Haus aufmerksam gemacht. Mehrere Nachbarn von Castro berichteten unabhängig voneinander gegenüber Medien, sie hätten nackte Frauen auf allen vieren im Hinterhof des Hauses gesehen und daraufhin die Polizei verständigt.

Im Zuge der Ermittlungen bestätigte die Polizei am Mittwoch schließlich, in dem Haus Seile und Ketten gefunden zu haben. „Wir können bestätigen, dass sie gefesselt wurden“, sagte Polizeichef Michael McGrath am Mittwoch dem Sender NBC.

Grafik zeigt den Ort in Cleveland, an dem die Frauen gefunden wurden

APA/ORF.at

Die Frauen wurden alle in derselben Gegend (blau markiert) zum letzten Mal in Freiheit gesehen

Ein Nachbar namens Israel Lugo sagte gegenüber der Zeitung „USA Today“, er habe einmal sogar drei Frauen - vermutlich die Entführten - nackt an Hundeleinen auf dem Grundstück Castros gesehen und die Polizei informiert. Insgesamt dreimal habe er in den letzten beiden Jahren bei der Polizei angerufen. Einmal seien Polizisten aufgetaucht, hätten an Castros Haustüre geklopft, das Haus umrundet, seien aber unverrichteter Dinge wieder gegangen, als niemand die Türe öffnete.

Hinweise zu eingesperrtem kleinem Mädchen

Eine andere Nachbarin berichtete, sie habe die Behörden darauf aufmerksam gemacht, dass offenbar ein kleines Mädchen in dem Haus wohne, das manchmal hinter einem Dachbodenfenster zu sehen gewesen sei, jedoch nie außerhalb des Hauses, bei dem die meisten Fenster mit Plastikfolie verklebt waren. Ein ebenfalls am Montag befreites sechsjähriges Mädchen soll die Tochter von Berry und einem der Verhafteten sein.

Ermittler sichern Beweise

APA/AP/Tony Dejak

Ermittler sichern Beweise nach der Befreiung der Entführungsopfer

Die Polizei verteidigte sich auf ihrer Website und im Sozialen Netzwerk Facebook: Man habe nur zwei Hinweise erhalten und sei diesen auch nachgegangen. Beide Hinweise hätten jedoch nicht explizit mit den Entführungsfällen zu tun gehabt. Die Ermittler wurden schon früher mit ähnlichen Vorwürfen konfrontiert: 2009 waren in einem Haus in einem anderen Stadtviertel Clevelands die Leichen von elf Frauen gefunden worden. Sie waren Opfer eines Massenmörders gewesen. Auch damals hatten einige Familien der Polizei Untätigkeit vorgeworfen.

Kritik auch wegen Notrufs

Berry kam frei, nachdem ein Nachbar am Montag Hilferufe aus dem Haus gehört hatte, als die Entführungsopfer dort allein waren. Mit seiner Hilfe rief sie den Berichten zufolge die Polizei. Auch wie die Ermittler mit diesem Notruf umgingen, sorgte für Aufregung. Das Opfer sei zunächst nicht ernst genommen worden, werfen Kritiker der Polizei vor. Unter anderem geht aus dem aufgezeichneten Anruf hervor, dass Berry geraten wurde, im Haus zu bleiben - obwohl Castros Rückkehr in jedem Moment zu erwarten war.

Berichte über Schwangerschaften der Entführungsopfer beschäftigen die Polizei ebenfalls: Ein lokaler TV-Sender berichtete unter Berufung auf Polizeiquellen, eine der Frauen habe zwei oder drei Fehlgeburten erlitten. Eine andere Quelle habe von bis zu fünf Schwangerschaften der Opfer gesprochen. Angeblich sollen die Männer die Frauen bewusst misshandelt haben, um Fehlgeburten herbeizuführen. Die Ermittler deuteten an, dass es einige Zeit dauern werde, um die Vorgänge der letzten Jahre zu rekonstruieren.

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