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„Unerklärliche Tragödie“

Die italienische Hafenstadt Genua ist nach einem Schiffsunglück mit sieben Toten erschüttert. Während die Suche nach weiteren Opfern am Mittwoch weiter auf Hochtouren lief, mehren sich zunehmend Spekulationen über die Ursache des rätselhaften Unglücks, bei dem der Kontrolltower des Hafens von einem Containerschiff gerammt und zum Einsturz gebracht wurde.

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Wie italienische Medien unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft berichteten, soll der Motor der vom italienischen Reeder Messina betriebenen „Jolly Nero“ ausgefallen und das Schiff dadurch unnavigierbar gewesen sein. Das sei aber nur eine Vermutung, etwas Genaueres könne man noch nicht sagen. Das 30 Meter breite und 239 Meter lange Schiff wurde von den zuständigen Behörden beschlagnahmt. Ermittelt wird unter anderem wegen fahrlässiger Tötung. Der Kapitän wurde bereits vom Staatsanwalt vernommen. Der Schiffsverkehr in Italiens größtem Handelshafen wurde mit Ausnahme der Fährverbindungen für mehrere Stunden unterbrochen.

Trümmer des zerstörten Towers von Genua

Reuters/Alessandro Garofalo

Die Trümmer des Towers am Morgen nach dem Unglück

„Routinemanöver“

Der Eigner des 37 Jahre alten Schiffs, Stefano Messina, eilte noch in der Nacht zum Hafen. Vor Journalisten zeigte er sich entsetzt. „Wir sind alle völlig schockiert, noch nie ist so etwas passiert, wir sind verzweifelt.“ Einem Messina-Sprecher zufolge hatte die „Jolly Nero“ Industriefahrzeuge, einen Lkw mit Anhänger sowie Container geladen und sollte als Nächstes Neapel anlaufen. Die Ausfahrt aus dem Hafen sei ein „Routinemanöver“, das Unglück gänzlich unerklärlich.

Ruhiges Meer

Auch laut dem Chef der Hafenbehörde von Genua (Autorita Portuale di Genova, AP), Luigi Merlo, handelt es sich um eine bisher „unerklärliche Tragödie“. Sicher sei derzeit lediglich, dass die „Jolly Nero“ im betroffenen Hafenabschnitt offenbar nichts zu suchen hatte. Ein Schiff dieser Dimension „hätte nicht dort sein dürfen“, wurde Merlo unter anderem vom TV-Sender RAI zitiert.

Archivbild des Towers von Genua

AP/AR/Studio6/LaPresse

Der Tower auf einem Archivbild

Italiens Verkehrsminister Maurizio Lupi sprach in einer ersten Reaktion ebenfalls von einem rätselhaften Unfall. Angesichts der optimalen Wetter- und Meeresbedingungen komme wohl nur menschliches Versagen bzw. ein Defekt am Schiff als mögliche Ursache infrage, so Lupi weiter. Von einem „unverständlichen Manöver“ war auch in der Zeitung „Il Secolo XIX“ die Rede. Entsetzt zeigte sich Genuas Bürgermeister Marco Doria, der für Donnerstag einen Trauertag für die Stadt ankündigte.

Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano sprach den Familien der Opfer sein Mitgefühl aus. Er habe mit großer Bestürzung von dem Unglück erfahren und bange um das Schicksal der Vermissten, teilte der Quirinalspalast mit.

Opferzahl weiter gestiegen

Weiter gestiegen ist am Mittwoch die Opferzahl. Laut ANSA wurden bisher sieben Tote geborgen. Zwei weitere Hafenmitarbeiter werden noch vermisst. Ein Vermisster konnte lebend aus den Trümmern des Kontrollturms geborgen werden. Bereits zuvor wurden vier Verletzte ins Krankenhaus eingeliefert. Die Rettungskräfte entdeckten am Mittwoch zunächst drei Tote im Aufzug des eingestürzten Turmes. Alle Opfer arbeiteten in dem Kontrollturm.

Schiff

APA/AP/Ignazio Messina

Die von der Reederei Messina betriebene „Jolly Nero“

Das Schiff mit 40.594 Bruttoregistertonnen prallte den Angaben zufolge kurz nach 23.30 Uhr auf den über 50 Meter hohen Kontrollturm, von dem aus der Schiffsverkehr im Hafen kontrolliert wurde. Durch die Kollision habe sich der Tower um 45 Grad geneigt und sei dann ins Wasser gestürzt. Lediglich die äußere Treppe sei erhalten geblieben. Das Unglück ereignete sich rund eineinhalb Jahre nach der Havarie des Kreuzfahrtschiffes „Costa Concordia“ vor der Insel Giglio. Für den „Corriere della Sera“ Grund genug, um von einem „Fluch des Meeres“ zu sprechen.

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