Kein Ende der Kämpfe in Sicht
Die Leichen von mehr als 60 ermordeten Zivilisten sind nach Angaben von Aktivisten in einem Dorf nahe der westsyrischen Stadt Banijas gefunden worden. Unter den Toten seien auch Frauen und Kinder, teilte die den Aufständischen nahestehende Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London am Samstag mit. Ihre Angaben können jedoch nicht unabhängig überprüft werden.
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Die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter meldete, am Freitag habe es in der Ortschaft al-Baida erneut Razzien gegeben. Es seien auch Schüsse gefallen. Nach Informationen einer regimenahen Website hatten sich zuvor in dem Dorf Rebellen aufgehalten, die 40 Soldaten in ihre Gewalt gebracht haben sollen.
Massenflucht aus Banijas
Laut der Beobachtungsstelle wurden die Leichen nach dem Einsatz der syrischen Armee und alawitischen Kämpfern im Viertel Ras al-Nabaa entdeckt. 62 Leichen seien mit ihren Namen, durch Fotos oder Videos identifiziert worden. Unter den Todesopfern seien 14 Kinder. Die Opferzahl könne allerdings weiter steigen, da Dutzende weitere Einwohner noch vermisst würden.

APA/ORF.at
Die Beobachtungsstelle stützt sich auf ein breites Netzwerk von Aktivisten und Medizinern in Syrien. Ihren Angaben zufolge sind derweil aus Angst vor Massakern in der Küstenregion zahlreiche Menschen auf der Flucht. Es gebe einen Massenexodus aus der Region um die Stadt Banijas in Richtung der nahe gelegenen Städte Tartus und Dschabla. Allerdings seien einige Flüchtlinge an Kontrollpunkten aufgehalten, überprüft und wieder zurückgeschickt worden.
Obama zu Bewaffnung zurückhaltend
Die Einwohner von Banijas sind mehrheitlich alawitisch wie der syrische Staatschef Baschar al-Assad, die umliegenden Dörfer sind jedoch größtenteils von Sunniten bewohnt. Die Alawiten, eine Abspaltung der schiitischen Glaubensrichtung des Islam, sind in Syrien eine Minderheit. Die oppositionelle Nationale Syrische Koalition warf der internationalen Gemeinschaft indes vor, sie sehe untätig zu, wie Assads Regime Kriegsverbrechen verübe.
US-Präsident Barack Obama äußerte sich zur Frage von Waffenlieferungen demonstrativ zurückhaltend. Zwar sagte er, man prüfe derzeit „alle Optionen“, doch fügte er hinzu: „Wir sollten sichergehen, dass wir hinschauen, bevor wir springen, und sichergehen, dass das, was wir tun, auch tatsächlich hilfreich ist.“
„Eure roten Linien töten die Syrer“
In der Vergangenheit hatte Washington Waffenlieferungen an die Opposition in Syrien kategorisch abgelehnt. Das würde den Bürgerkrieg nur weiter anheizen, hieß es zur Begründung. Zudem könnten Waffen in die Hände von Islamisten fallen. Verteidigungsminister Chuck Hagel hatte zuletzt jedoch gesagt, Waffenlieferungen an die Rebellen seien „eine Option“. Syrische Staatsmedien schrieben, die US-Regierung liefere schon seit Monaten heimlich Waffen an die Rebellen. Die Äußerungen Hagels zeigten, dass sie nun vorhabe, sich künftig auch öffentlich dazu zu bekennen.
In Anspielung auf Obamas Bemerkung, mit dem Einsatz von Chemiewaffen sei in Syrien „die rote Linie überschritten“, demonstrierten Regimegegner nach dem islamischen Freitagsgebet in mehreren Städten unter dem Motto „Eure roten Linien töten die Syrer“.
Öffentlicher Auftritt Assads
Assad zeigte sich unterdessen laut Berichten staatlicher Medien am Samstag bei einem öffentlichen Auftritt in Damaskus. Der staatlichen Nachrichtenagentur Sana zufolge nahm er an der Universität der Hauptstadt gemeinsam mit Tausenden Studenten an der Enthüllung eines Denkmals für „Märtyrer“ teil. Eine Facebook-Seite von Assad-Getreuen zeigte den Staatschef von Anhängern umgeben.
Drohgebärden aus Teheran
Drohgebärden in Richtung syrischer Rebellen kamen derweil aus Teheran. Der Iran drohte „Militanten“ wegen der Zerstörung eines als Heiligtum verehrten Mausoleums bei Damaskus mit Konsequenzen. Die Täter hätten die Überreste des Muslimführers Hadschr ibn Adi zu einem unbekannten Ort verschleppt, berichtete das iranische Press TV am Samstag. Syrische Staatsmedien hatten zuvor unter Berufung auf muslimische Prediger berichtet, dass „Terroristen“ den Schrein in Adra zerstört hätten.
Dem Bürgerkrieg in Syrien sind schon eine Reihe von Gotteshäusern - Kirchen, Moscheen und Synagogen - zum Opfer gefallen. In Aleppo fiel zuletzt das historische Minarett der Großen Moschee in sich zusammen. Eine 2.000 Jahre alte Synagoge in Damaskus wurde Ende März geplündert und beschädigt. Der seit März 2011 andauernde Aufstand gegen das Assad-Regime hat laut UNO-Schätzungen mehr als 70.000 Menschen das Leben gekostet.
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