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Mittel zur Konjunkturbelebung

Der EZB-Rat hat sich am Donnerstag bei seiner Sitzung in der slowakischen Hauptstadt Bratislava für einen Abwärtsschritt um einen viertel Prozentpunkt entscheiden. Damit sinkt der Schlüsselzins für die 17 Euro-Länder zum ersten Mal auf 0,5 Prozent, und die EZB ist auf dem Niveau der britischen Zentralbank angelangt, die ihren Leitzins bereits vor einigen Jahren so tief gedrückt hat.

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Hauptgrund ist die tiefe Rezession in mehreren schuldengeplagten Euro-Ländern. Obwohl die EZB damit an der Zinsschraube kaum noch drehen kann, bleibt ihr noch eine ganze Reihe anderer Möglichkeiten, um die Konjunktur anzuschieben.

Negativer Einlagezins

Banken können Geld bei der EZB parken, wofür sie in normalen Zeiten Zinsen bekommen. Damit sie das nicht tun, sondern das Geld als Kredite an die Wirtschaft weiterreichen, hat die Zentralbank diese Anlageform unattraktiv gemacht, indem sie den Zinssatz auf null gedrückt hat. Jetzt könnte die EZB noch einen Schritt weitergehen und negative Zinsen einführen: Legen die Banken ihr Geld bei der EZB an, müssten sie dann eine Art Strafgebühr zahlen. Zuletzt hatte die dänische Notenbank dieses Experiment 2012 gewagt. Allerdings haben die dortigen Institute danach die Kreditzinsen erhöht.

Geringere Mindestreserve

Die Banken müssen zur Sicherheit Geld bei der EZB hinterlegen. Diese Mindestreserven summieren sich auf etwa 100 Milliarden Euro. Würde die EZB die Anforderungen lockern und beispielsweise nur noch die Hälfte als Sicherheit verlangen, hätten die Banken zusätzlich 50 Milliarden Euro zur Verfügung. Dieses Geld könnten sie als Kredite ausreichen.

Kreditvergabe auf britische Art fördern

Der niedrigste Leitzins nützt nichts, wenn die Banken keine Kredite austeilen. Nach der jüngsten EZB-Umfrage klagt jedes neunte kleine und mittelgroße Unternehmen der Euro-Zone darüber, keinen Zugang zu Bankkrediten zu haben. Mit einem Trick nach britischem Vorbild könnte die EZB das ändern. Dort können sich Banken für jedes Pfund, das sie kleinen und mittleren Unternehmen zur Verfügung stellen, zehn Pfund zu Vorzugskonditionen bei der Bank of England leihen.

Geringere Sicherheiten

Wenn Banken Geld von der EZB haben wollten, mussten sie bis 2007 Wertpapiere mit Topbonität als Sicherheit hinterlegen. Die Anforderungen hat sie seither mehrfach gesenkt - und könnte es weiter tun, um die Institute bei Kasse zu halten. Denn das ist die Voraussetzung für neue Kredite. Die Währungshüter könnten beispielsweise Aktien und US-Staatsanleihen akzeptieren.

Liquidität für Förderbanken

Die Europäische Investitionsbank (EIB) kann am ehesten die kleineren und mittleren Unternehmen mit Geld versorgen. Seit 2009 kann sich die EIB bei der EZB Geld leihen, um es anschließend weiterzureichen. Die Währungshüter könnten solche Förderbanken mit zusätzlicher Liquidität ausstatten.

Langfristiger Ausblick

Die Kreditzinsen in vielen Krisenstaaten sind noch immer recht hoch. Um sie zu drücken, könnte die EZB nach amerikanischem Vorbild eine lange Niedrigzinsphase ankündigen. Die Federal Reserve hat erklärt, ihren Leitzins bis mindestens Mitte 2015 auf „extrem niedrigem Niveau“ zu halten. Ringt sich die EZB zu einer ähnlichen Aussage durch, könnte das die Zinsen im längeren Laufzeitbereich drücken.

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