Frau des getöteten Attentäters schockiert
Die Kriege der USA in Afghanistan und im Irak sollen ein Motiv für den Terroranschlag von Boston mit drei Toten und über 260 Verletzten gewesen sein. Das habe der jüngere der beiden mutmaßlichen Bombenleger während eines Verhörs gesagt, berichteten US-Medien.
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Der schwer verletzte 19-jährige Dschochar Zarnajew habe zudem gesagt, dass sich er und sein Bruder Tamerlan (26) die Informationen zum Bau der Bomben aus dem Internet besorgt hätten. Dschochar Zarnajew, der weiter einen Beatmungsschlauch im Rachen trägt, zeige sich in den Gesprächen mit den Ermittlern an seinem Krankenbett in einer Bostoner Klinik kooperativ, hieß es.
Weder er noch sein sieben Jahre älterer Bruder Tamerlan, der bei einer Verfolgungsjagd mit der Polizei am Freitag ums Leben kam, hätten Kontakt zu ausländischen Terrorgruppen gehabt, soll er gesagt haben. Ein Regierungsbeamter unterstrich jedoch gegenüber dem Sender CNN, dass die Aussagen des Verdächtigen noch überprüft werden müssten.
Zarnajews Frau bricht Schweigen
Wie es weiter hieß, gehen Ermittler auch der Frage nach, inwieweit die Brüder die Informationen zum Bombenbau dem von der Terrorgruppe Al-Kaida auf der arabischen Halbinsel auf Englisch veröffentlichten Onlinemagazin Inspire entnommen haben könnten. Andere Quellen hätten jedoch darauf hingewiesen, dass solche Bombenbauanleitungen unter Verwendung von Schnellkochtöpfen auch von anderen Gruppen ins Netz gestellt worden seien, hieß es.
Unterdessen brach die Frau des getöteten mutmaßlichen Attentäters ihr Schweigen und sicherte den Ermittlungsbehörden ihre Mithilfe zu. Die 24-Jährige, die 2010 Tamerlan Zarnajew geheiratet hatte und mit ihm eine dreijährige Tochter hat, ließ am Dienstag von ihren Anwälten Amato DeLuca und Miriam Weizenbaum eine Erklärung verlesen, in der sie mitteilte, sie sei erschüttert, dass ihr Mann und sein jüngerer Bruder in den Anschlag mit drei Todesopfern und mehr als 260 Verletzten verwickelt seien. „Das war ein vollkommener Schock“, sagten die in Providence im US-Staat Rhode Island ansässigen Anwälte.
Laut Russland kein Kontakt zu Terroristen
Russischen Behörden zufolge hatte Tamerlan Zarnajew keinen Kontakt zum islamistischen Untergrund. Er habe sich 2012 in der Konfliktrepublik Dagestan im Nordkaukasus aufgehalten, um seinen Pass zu erneuern. Das sagte der dagestanische Innenminister Abduraschid Magomedow am Mittwoch der Agentur Interfax zufolge. Es gebe keine Hinweise, dass Zarnajew während seines Aufenthaltes mit radikalen Gruppierungen oder Terroristen in Verbindung gestanden sei, sagte der Minister.
Nachbar: „Tamerlan in Religionsfragen stur“
Zuvor hatte Dschochar laut US-Medienberichten seinen bei der Polizeijagd getöteten Bruder belastet. Sein älterer Bruder Tamerlan sei die „treibende Kraft“ hinter dem Anschlag gewesen. Er habe sich vom „Dschihad“ motivieren lassen und den Islam retten wollen, sagte er. Tamerlan sei besessen von der Idee gewesen, dass der Islam attackiert werde und die selbst ernannten Gotteskrieger zurückschlagen müssten. Dabei habe das Internet eine große Rolle gespielt, meldete der TV-Sender CNN unter Berufung auf einen Regierungsmitarbeiter. Die Ermittler müssten nun Tamerlans Onlineaktivitäten auswerten.
Der ältere der beiden mutmaßlichen Bombenleger soll nach Angaben eines Nachbarn in Religionsfragen besonders leidenschaftlich diskutiert haben. Zudem habe er die Kriege der USA kritisiert, sagte der Deutsche Albrecht Ammon dem Hamburger Nachrichtenmagazin „stern“. Demnach lebte Ammon (18) direkt unter der Wohnung der Brüder Zarnajew. Dem „stern“ sagte Ammon, dass er vor drei Monaten mit Tamerlan über den Koran und die Bibel diskutiert habe: „Wir trafen uns in einer Pizzeria. Er hielt mir einen Vortrag über die Kolonialmacht USA, dass sie Unschuldige im Irak und in Afghanistan umbringen. Dann hielt er mir noch einen Vortrag über den Koran und die Bibel. Als ich anderer Meinung war, reagierte er sehr leidenschaftlich, nicht aggressiv. Aber stur.“
Dschochar Zarnajew droht die Todesstrafe
Der schwer verletzte Dschochar Zarnajew war tags zuvor wegen des Gebrauchs von Massenvernichtungswaffen angeklagt worden. Ihm droht die Todesstrafe. Der 19-Jährige muss sich vor einem zivilen Gericht verantworten. Eine Richterin verlas dem durch mehrere Schusswunden Verletzten am Montag die Anklageschrift am Krankenbett in einer Bostoner Klinik. Er soll der Anklagebehörde zufolge für den Tod von drei Menschen und die Verletzungen von über 260 weiteren zur Verantwortung gezogen werden.
Während der Anklageverlesung sei Zarnajew „wach, geistig aufnahmefähig und bei klarem Verstand“ gewesen, gab Richterin Marianne B. Bowler zu Protokoll. Auf die Frage, ob er in der Lage sei, einige Fragen zu beantworten, habe der Angeklagte deutlich genickt. Infolge seiner Verletzungen kann er nicht sprechen. Ein einziges Wort habe Zarnajew gesagt: ein „Nein“ auf die Frage, ob er sich einen Anwalt leisten könne. Ihm wurde ein Rechtsbeistand zur Seite gestellt.
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