686 Gewaltakte registriert
Eine wissenschaftliche Studie hat mit alarmierenden Zahlen über weltweit zunehmende antisemitische Gewaltakte aufhorchen lassen. Das auf die globale Beobachtung von Antisemitismus spezialisierte Kantor Center der Universität von Tel Aviv registrierte für 2012 eine Zahl von 686 Gewaltakten gegen Juden oder jüdische Einrichtungen.
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Im Jahre 2012 seien 273 Angriffe auf Personen jeglichen Alters gemeldet worden, darunter 50 mit Waffengewalt, wie die Universität Tel Aviv am Sonntag mitteilte. Zudem wurden 190 Synagogen, Friedhöfe und Gedenkstätten geschändet. Das bedeute eine Steigerung um 30 Prozent gegenüber 526 antisemitischen Vorfällen in 2011. Die Tatorte lägen vor allem in Ländern mit vielen jüdischen Einwohnern, also Frankreich, den USA, Großbritannien, Kanada und Australien.
Wirtschaftskrise fördert rechtsextreme Übergriffe
Drei Faktoren seien ursächlich für die starke Zunahme der Gewaltakte: Der islamistische Mordanschlag auf Schüler und Lehrer einer Torah-Schule in Toulouse habe in Frankreich die Hemmschwelle bei Antisemiten gesenkt. Infolge der Wirtschaftskrise seien in Ungarn, Griechenland und der Ukraine rechtsextremistische Parteien in den Parlamenten gestärkt worden, die öffentlich Hetzreden gegen die jüdischen Gemeinden hielten. Auch die zugespitzte Lage um den Gazastreifen im November habe zu einem - zeitlich allerdings begrenzten - Anstieg von Angriffen auf Juden und jüdische Institutionen geführt.
Einen langen Passus widmet die Studie den Debatten in Deutschland über ein Gedicht, in dem Günter Grass die Iran-Politik der israelischen Regierung kritisierte. Grass hatte in seinem Gedicht „Was gesagt werden muss“ angeprangert, dass der Iran von einem atomaren Präventivschlag durch Israel bedroht sei, der das iranische Volk auslöschen könne. Die Tel Aviver Wissenschaftler beschränken sich allerdings darauf, die unterschiedlichen Positionen bei der exakten Abgrenzung von politischer Israel-Kritik und Antisemitismus darzustellen.
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