Anklage wegen Beihilfe zum Mord
Deutsche Fahnder sind einer größeren Zahl bisher unbelangter mutmaßlicher NS-Täter auf der Spur. In den kommenden Wochen werden Vorermittlungen gegen 50 frühere KZ-Aufseher des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau eingeleitet, wie die WAZ-Gruppe am Wochenende berichtete.
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Den Ermittlern der Zentralen Stelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen im deutschen Ludwigsburg lägen die Namen und Angaben zu den Wohnorten der Tatverdächtigen vor, bestätigte der Behördenleiter, der leitende Oberstaatsanwalt Kurt Schrimm, den Zeitungen der Gruppe. Sie lebten über ganz Deutschland verteilt und seien um die 90 Jahre alt.
Demjanjuk-Urteil als Wegbereiter
Laut Schrimm reicht seit dem Urteil gegen John Demjanjuk, der Wachmann im Lager Sobibor war, „jede Tätigkeit in einem Konzentrationslager aus, um wegen der Beihilfe zum Mord zu verurteilen“ - selbst wenn keine direkte Tatbeteiligung mehr nachgewiesen werden könne. Demjanjuk war 2011 in München wegen Beihilfe zum Mord in 20.000 Fällen zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Er starb im März 2012.
Die Ludwigsburger Zentrale Stelle wird seit 1958 von den deutschen Bundesländern unterhalten. Sie hat seither insgesamt 7.485 Vorermittlungsverfahren geführt.
Australien verweigerte Auslieferung
In seinem Jahresbericht über Erfolge und Rückschläge bei der Verfolgung von Holocaust-Verbrechen kritisierte das Wiesenthal-Zentrum in Jerusalem, die größte Enttäuschung im Berichtszeitraum seit April 2012 sei der Fall Karoly (Charles) Zentai, dessen von Ungarn beantragte Auslieferung durch das Oberste Gericht in Australien abgewiesen wurde; in Ungarn sollte Zentai wegen Mordes vor Gericht gestellt werden.
Die ungarische Regierung hatte bereits im März 2005 ein Auslieferungsgesuch gestellt. Nach Informationen des Simon-Wiesenthal-Zentrums tötete Zentai als Soldat der mit Hitler verbündeten ungarischen Armee 1944 den 18-jährigen Juden Peter Balazs in Budapest. Zentai weist die Vorwürfe zurück und beteuert, zum Zeitpunkt der Tat nicht einmal in Ungarn gewesen zu sein.
Der heute 88-Jährige soll den Mord zusammen mit zwei Komplizen begangen haben und die Leiche in die Donau geworfen haben. Die beiden Komplizen waren in den 40er Jahren wegen Mordes verurteilt worden. Der Mann war zu diesem Zeitpunkt in Deutschland und wanderte 1950 nach Australien aus.
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