Themenüberblick

Gemischte Reaktionen aus Politik

„Gemischte Gefühle“ und weiterhin Bedenken äußert die Universitätenkonferenz (uniko) zur neuen Lehrerausbildung. Eine Neugestaltung sei zwar durchaus notwendig und sinnvoll, die alleinige Betrauung der Pädagogischen Hochschulen (PH) mit bestimmten Aufgaben würde aber „massive Auswirkungen auf die Qualität der Lehrerinnen- und Lehrerbildung mit sich bringen“, hieß es in einer Aussendung.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

„Es muss gewährleistet sein, dass die Institutionen tatsächlich über entsprechende wissenschaftliche und künstlerische Traditionen, Praxis, Kapazitäten und Ressourcen verfügen“, betonte uniko-Präsident Heinrich Schmidinger. Dass PHs künftig auch alleine Bachelorprogramme für die gesamte Sekundarstufe und Masterprogramme für die Volksschule anbieten können, hält die uniko für problematisch.

„Masterstudien sollten deshalb nach Ansicht der uniko grundsätzlich nur von Universitäten oder in Kooperation mit diesen durchgeführt werden, aber nicht von PHs alleine.“ Zudem würden damit teure Parallelstrukturen aufgebaut. Für die uniko sind „nach wie vor viele Fragen unbeantwortet, etwa wo künftig die Weiterbildung anzusiedeln ist und welche Rolle dem Qualitätssicherungsrat tatsächlich zukommen wird“.

PH freuen sich über Pläne

Der Vorsitzende der Rektorenkonferenz der öffentlichen Pädagogischen Hochschulen (PH) und Rektor der PH Vorarlberg, Ivo Brunner, sieht Österreich dagegen „einen mutigen Weg europäischer Bildungsentwicklung beschreiten“. Für die PHs werde es dadurch erstmals möglich, in unterschiedlichen pädagogischen Feldern Masterstudien anzubieten.

Das Volksschullehramt werde durch den Master aufgewertet, im Sekundarbereich „weist der nunmehr obligatorische Master darauf hin, dass eine Gleichwertigkeit im Abschluss von Mittelschul- und Gymnasiallehrern die Diskussion um die gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen entschärfen will“. Dafür bedürfe es der Zusammenarbeit von PHs und Universitäten.

Lob von der ÖH

Lob gab es indes von der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH) für die „gemeinsame Ausbildung für die gesamte Sekundarstufe“. Das sei „ein erster wichtiger Schritt zu einer gemeinsamen Schule“, so Generalsekretär Christoph Huber (Fraktion Engagierter Studierender, FEST). Kritik übte er allerdings daran, dass die Ausbildung der Elementarpädagogen weiter nicht auf tertiärem Niveau stattfindet, außerdem sei der Master für Volksschullehrer mit einem Jahr zu kurz.

Schülerunion sieht Aufnahmetests positiv

Die ÖVP-nahe Schülerunion freute sich vor allem über die Aufnahmetests für Unis und PHs. „Lehramt darf kein Ausweichstudium für Studenten sein, die nicht wissen, was sie eigentlich beruflich machen möchten. Durch Aufnahmetests ist gewährleistet, dass junge Menschen nur dann Lehrer werden, wenn sie dies auch wirklich wollen.“ Die Unis seien nun angehalten, eine Methode zu finden, mit der nicht nur die fachliche, sondern auch die soziale Kompetenz eines Lehramtsanwärters getestet werden könne. Wie viele Studenten aufgenommen werden, solle sich nicht nach den vorhandenen Plätzen richten, sondern nur nach inhaltlichen Kriterien.

Grüne orten Wirrwarr

Wirrwarr und weiterhin Wildwuchs bei den Ausbildungsstätten ortet der grüne Bildungssprecher Harald Walser beim Regierungsmodell zur neuen Lehrerausbildung. Größtes Versäumnis ist für ihn, dass Kindergartenpädagogen weiterhin keine tertiäre Ausbildung erhalten. Dass SPÖ und ÖVP die Gesetzestexte im Hinblick auf eine gemeinsame Ausbildung der Lehrer für AHS und Neue Mittelschule (NMS) unterschiedlich interpretieren, wunderte Walser bei einer Pressekonferenz am Donnerstag nicht: „Das Gesetz ist sehr schwammig formuliert.“

So sei etwa nach wie vor unklar, für welches Schulsystem ausgebildet werde und welches Dienst- und Besoldungsrecht die neu ausgebildeten Lehrer erhalten. Ebenfalls nicht beseitigt werde der „Wildwuchs an Ausbildungsstätten“, kritisierte Walser. So gebe es in Österreich 17 Pädagogische Hochschulen (PH), 14 Unis, an denen Lehrer ausgebildet werden, und 39 Bildungsanstalten für Kindergartenpädagogik. „Die sollen irgendwie untereinander kooperieren. Wie sie das tun, überlässt der Staat aber den einzelnen Ausbildungsstätten - was dabei herauskommt, ist ein Wirrwarr und eine für die Studenten ausgenommen unangenehme Situation, die schon jetzt nicht von einer Ausbildungsstätte zur anderen wechseln können.“

BZÖ verhandlungsbereit, FPÖ gegen Master für alle

„Verhandlungsbereit“ hat sich BZÖ-Bildungssprecherin Ursula Haubner zur Reform der Lehrerausbildung gezeigt. Ansätze „wie die gemeinsame Ausbildung“ klängen durchaus positiv, allerdings vermisse man den vorschulischen Bereich. Als „unüberlegt und nicht an die tatsächliche Situation angepasst“ kritisierte indes Unterrichtssprecher Stefan Markowitz vom Team Stronach die Pläne. Es sei sinnlos, dass trotz unterschiedlicher Pädagogik Lehrer für AHS und Neue Mittelschule gemeinsam ausgebildet würden.

FPÖ-Bildungssprecher Walter Rosenkranz begrüßt zwar ausdrücklich die Einführung von Aufnahmeverfahren für alle künftigen Lehramtsstudenten, hat aber ein Problem mit dem „Master für alle“. „Warum künftig selbst Lehramtskandidaten der bisherigen Hauptschulen oder der Neuen Mittelschulen ein Masterstudium vorweisen müssen, ist nicht nachzuvollziehen.“

Inklusionspädagogik vernachlässig?

Experten zeigen sich auch skeptisch, dass Sonderschulpädagogen Geschichte sein sollen. Stattdessen ist vorgesehen, dass jeder Student unabhängig von der Schulform künftig lernt, wie inklusiver Unterricht - also unter Einbindung von geistig oder körperlich behinderten Schülern - funktioniert. Von Bildungswissenschaftern wie den Behindertensprechern von SPÖ, ÖVP und Grünen wurde das am Freitag bei einer Podiumsdiskussion an der Uni Wien unterstützt.

Allerdings, warnte Sonder- und Heilpädagoge Gottfried Biewer, gebe es im Gesetzesentwurf eine „gewisse Beliebigkeit“ in Bezug auf eine verpflichtende Verankerung von Inklusionspädagogik in der neuen Lehrerausbildung. „Da schrillen bei mir die Alarmglocken“, warnte er vor einer möglichen Vernachlässigung des Themas. Auch Bildungswissenschafter Stefan Hopmann betonte, dass Inklusion nur funktionieren könne, wenn es Experten dafür gebe. Und für deren Ausbildung seien das entsprechende Personal, Strukturen und Mittel nötig.

Links: