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IPhone bestimmt weiterhin den Markt

Als Nokia 1996 seinen Communicator auf den Markt brachte, sollte dessen Tastatur das Schreiben und Arbeiten unterwegs erleichtern. Mittlerweile ist das Handy als mobiles Arbeitsgerät für viele nicht mehr wegzudenken, aber immer weniger Geräte bieten zum bequemen Tippen eine physische Tastatur.

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Handys mit einer physischen Tastatur sind eine Rarität geworden. Abseits von Geräten der Marke BlackBerry haben die heimischen Mobilfunker derzeit gerade noch Tastaturhandys von Nokia mit dem für Smartphones bedingt geeigneten Symbian-System im Angebot. Zwar haben einige Hersteller Android-Handys mit einer vollwertigen Qwertz-Tastatur im Programm, in den Handyshops der Mobilfunker werden diese im Moment aber nicht angeboten.

Nokia Communicator

AP/Fabian Bimmer

Ein frühes Modell des Communicators von Nokia

Laut Herstellern und Mobilfunkern ist die Nachfrage nach Tastaturhandys in Österreich nicht groß genug, um entsprechende Modelle in den Shops auf Vorrat zu halten. Der Trend gehe eindeutig Richtung Touch-Smartphones, heißt es etwa bei T-Mobile Austria, wo es wie bei A1 derzeit nur BlackBerrys gibt. Dabei stellt sich die Frage, ob die aktuellen Geräte nicht interessant genug sind oder ob der allgemeine Drang zum Wischphone die Vorteile einer physischen Tastatur verdrängt hat.

Physische Tasten sind gefragt

Interessanterweise gibt es nämlich durchaus einen Markt für Tastaturhandys. In einer Onlineumfrage von Nokia im August 2012 haben 49 Prozent der Befragten angegeben, eine Qwertz-Tastatur mit vollständigem Tastaturlayout zu bevorzugen. 35 Prozent gaben Touchscreens den Vorzug, der Rest teilte sich auf die beiden anderen Optionen Nummerntastatur und Sprachsteuerung auf.

Nokia selbst hat zwar einige Tastaturhandys im Portfolio, diese laufen allerdings unter Symbian und zählen zu den Einsteigerhandys beziehungsweise zur Mittelklasse. Die Topmodelle des Herstellers, die unter dem Namen Lumia mit Windows als Betriebssystem angeboten werden, haben alle Touchscreens. Bereits bestehende Pläne für ein Windows-Phone mit Tastatur wurden im letzten Jahr wieder verworfen, aktuell soll nichts Konkretes geplant sein, sagen Marktbeobachter.

Angebot der Hersteller schrumpft

Samsung hatte in Österreich ebenfalls einige Geräte mit Touch und vollwertiger Qwertz-Tastatur im Sortiment, diese seien aber im Gegensatz zu den im Aufwind befindlichen touchfähigen Smartphones mit großem Display von den Kunden nicht angenommen worden, so der Hersteller auf Nachfrage von ORF.at. Derzeit werden auf der Samsung-Österreich-Website drei Handys mit Qwertz-Tastatur angeführt, in den USA etwa sind es deutlich mehr.

Auch andere Hersteller wie HTC, Motorola oder Sony haben grundsätzlich Geräte mit Tastaturen im Angebot, diese sind aber meist schon länger auf dem Markt und damit nicht immer auf die jüngste Version des jeweiligen Betriebssystems aktualisierbar - und sind damit laut Mobilfunkern für viele Kunden nicht so attraktiv wie neuere Geräte.

Wenig Aussicht auf Besserung

Bis auf weiteres wird sich an dem dürftigen Angebot wenig ändern: Auf der jährlichen Handymesse in Barcelona, dem am Montag startenden Mobile World Congress, werden Tastaturhandys wie schon letztes Jahr Mangelware sein. Stattdessen wird die Gigantomanie fortgesetzt. Immer mehr Anbieter bringen Smartphones mit mehr als fünf Zoll Bildschirmdiagonale auf den Markt. Demnächst halten wir uns womöglich ein Zehn-Zoll-Gerät ans Ohr. Dafür sind diese Geräte groß genug, dass mehr als zwei Finger zum Tippen darauf Platz finden.

Großes Display vs. gute Haptik

Dabei haben beide Formfaktoren ihre Vor- und Nachteile: Eine physische Tastatur ist aufgrund der Haptik und des taktilen Feedbacks reinen Touchscreens überlegen - nicht umsonst boomen physische Tastaturen für die diversen Tablets. Allerdings brauchen fix in einem Gerät verbaute Tastaturen einigen Platz, der für den Bildschirm verwendet werden könnte - ein Vorteil der reinen Touchscreenhandys.

Handys, bei denen die Tastatur integriert und herausklappbar ist, sind relativ dick und folgen damit so gar nicht dem aktuellen Trend, dass alles immer dünner und leichter wird. In manchen Bereichen, etwa bei der Fotoanzeige, ist die Bedienung von Touchscreenhandys mittels Wischen komfortabler, dafür muss der Bildschirm ständig gereinigt werden. Zudem sind die Benutzeroberflächen vieler Smartphones schlicht für große Displays konzipiert, was ihre Bedienung auf kleineren Geräten deutlich erschwert.

Touch first bei BlackBerry

Der offenbar unvermeidliche Trend zum Touchscreen untergräbt mittlerweile sogar das Alleinstellungsmerkmal des letzten Tastaturhandys: BlackBerry, vormals Research in Motion (RIM), hat Ende Jänner mit dem Z10 ein reines Touchgerät gezeigt, das einem iPhone und damit de facto auch jedem anderen reinen Touchgerät sehr ähnlich sieht. Das Z10 wird bereits in einigen Ländern verkauft, das Tastengerät Q10 soll später auf den Markt kommen. Für Österreich wurde bisher noch kein Termin bestätigt.

Eine Leinwand zeigt die Blackberry-Modelle Z10 und Q10

APA/EPA/Andy Rain

BlackBerry Z10 und Q10 bei der Präsentation

Marktbeobachter werten die BlackBerry-Entscheidung als Kniefall vor den Wünschen des Marktes. Angesichts nicht nur der Nokia-Umfrage stellt sich jedoch die Frage, ob die Hersteller die Bedürfnisse des Marktes nicht gezielt ausblenden beziehungsweise - dem Beispiel von Apple folgend - einfach andere postulieren. Denn schließlich will nicht jeder auf seinem Handy wischen, wer ein aktuelles Gerät mit bestimmten Features will, kommt daran aber derzeit einfach nicht vorbei.

Nadja Igler, ORF.at

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