Findus-Lasagne aus Sortiment entfernt
Der bisher auf Europa beschränkte Pferdefleischskandal hat nun auch Hongkong erreicht. Wie regionale Behörden am Mittwoch mitteilten, wiesen sie eine Supermarktkette an, Tiefkühllasagne der Firma Findus aus dem Sortiment zu nehmen. Findus liefert unter anderem Rindfleischlasagne, die von der auf Tiefkühlprodukte spezialisierten französischen Firma Comigel hergestellt wird.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
Das Hongkonger Zentrum für Lebensmittelsicherheit hatte die Bevölkerung aufgerufen, die betroffene Lasagne nicht zu essen, da sie „mit Pferdefleisch versetzt worden sein könnte, das keinen Tests auf Medikamente unterzogen wurde“. Eine Sprecherin der betroffenen Supermarktkette ParknShop sagte, auf Anweisung der Regierung sei das Produkt in der vergangenen Woche aus den Regalen genommen worden. „Das ist inakzeptabel“, zitierte die „New York Times“ die chinesische Zeitung „Ta Kong Pao“ (Wochenendausgabe). „Die Menschen in Hongkong sind richtige Pferdefans und gehen jedes Wochenende zu Pferderennen“, hieß es darin.
DNA-Analysen auch in Tschechien positiv
Auch in Tschechien wurden die Behörden am Mittwoch fündig. DNA-Analysen hätten Pferdefleisch in zwei Chargen einer Tiefkühllasagne nachgewiesen, teilte die nationale Lebensmittelaufsicht SZPI im tschechischen Brünn mit.
Die Behörde wies die tschechische Tochter der britischen Supermarktkette Tesco an, die betroffenen Produkte unverzüglich aus den Regalen zu nehmen. Eine Gefahr für die Verbraucher besteht den Angaben zufolge nicht. Die Spur führe über ein tschechisches Handelsunternehmen für Tiefkühlprodukte zu einem Lieferanten aus Luxemburg.
Französische Firma Spanghero im Fokus
Französische Ermittler durchsuchten am Mittwoch den zweiten Tag in Folge den Sitz der Firma Spanghero in Südwestfrankreich. Beamte der Anti-Betrug-Behörde sowie Experten der Gendarmerie beschlagnahmten wie bereits am Vortag Dokumente und verhörten Manager und Mitarbeiter des im südwestfranzösischen Castelnaudary ansässigen Unternehmens, wie aus Ermittlerkreisen verlautete.
Die französischen Behörden hatten Spanghero am vergangenen Donnerstag zu einem Hauptverantwortlichen im europaweiten Pferdefleischskandal erklärt. Demnach hatte Spanghero aus Rumänien bezogenes Pferdefleisch wissentlich falsch als Rindfleisch ausgezeichnet und an die französische Firma Comigel verkauft. Diese wiederum fertigte aus dem Fleisch Fertiggerichte, die in zahlreiche Länder geliefert wurden.
Deutsche Behörden in 40 Fällen fündig geworden
In Deutschland wurden die Behörden bei der Fahndung nach heimlich untergemischtem Pferdefleisch inzwischen in 40 Fällen fündig. Insgesamt wurden mittlerweile 533 amtliche DNA-Analysen bei verschiedenen Fertigprodukten genommen, wie das deutsche Bundesverbraucherministerium am Mittwoch in Berlin mitteilte.
Der Großkonzern REWE wies Kritik an mangelnden Kontrollen der Branche zurück. Der Handel habe wirtschaftliche Schäden und Rufschaden wegen Betrugsfällen. REWE-Vorstand Manfred Esser betonte gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ („FAZ“) am Mittwoch, es sei erschreckend, dass „beinahe reflexartig“ mit Schuldzuweisungen an den Handel reagiert werde, ehe die Politik alle Aufklärungsmöglichkeiten ausgeschöpft habe.
Unternehmen sollen Kontrollen mitfinanzieren
Überlegenswert sei laut dem Vorsitzenden des deutschen Bundestagsverbraucherausschusses, Hans-Michael Goldmann (FDP), ob die Wirtschaft einen Geldtopf zur Mitfinanzierung von Kontrollen einrichten sollte. „Es darf nicht sein, dass Betrügern durch eine schwierige Finanz- und Personalsituation in den Überwachungsbehörden ein Hintertürchen auf Kosten der Verbraucher geöffnet bleibt.“
Links: