USA ergreifen Maßnahmen
Die USA wollen härter gegen Industriespionage vor allem aus China vorgehen. Das geht aus einem Regierungsbericht hervor, den das Weiße Haus vor einer Woche veröffentlichte. Als Gegenmaßnahmen würden diplomatische Schritte und Handelsbeschränkungen für ausländische Produkte genannt, bei denen Industriespionage im Spiel sei, berichtete das „Wall Street Journal“.
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Präsident Barack Obama betont seit längeren die Bedeutung des Kampfs gegen Cyberattacken vor allem von chinesischen Hackern, die Daten von US-Firmen ausspähen. „Die Regierung wird mit Nachdruck den Diebstahl amerikanischer Industriegeheimnisse bekämpfen, die durch ausländische Firmen oder Regierungen genutzt werden könnten, um unfaire Wettbewerbsvorteile über US-Unternehmen zu erhalten“, sagte Victoria Espinel, die den Kampf gegen Cyberangriffe koordiniert, in Washington.
„Vom Schreibtisch aus“
China wird in dem Bericht 188-mal genannt, Russland 45-mal. Auch Indien wird erwähnt. Justizminister Eric Holder betonte die neue Dimension der Industriespionage durch Computerattacken. „Ein Hacker in China kann sich Softwareinformationen von einer Firma aus Virginia besorgen, ohne seinen Schreibtisch zu verlassen.“
Nach einer Welle spektakulärer Attacken hatten US-Sicherheitsexperten Vorwürfe gegen chinesische Behörden verschärft. Für viele aufsehenerregende Angriffe der vergangenen Jahre sei eine in Schanghai angesiedelte Spezialabteilung der chinesischen Armee verantwortlich, hieß es in einem Bericht der Sicherheitsfirma Mandiant. Sie half zuletzt unter anderem der „New York Times“, ihr Netzwerk nach Hackerangriffen wieder sicher zu machen.
China wehrt sich
Chinas Verteidigungsministerium wies die Vorwürfe scharf zurück. Die Beschuldigung, das chinesische Militär stehe hinter einer Serie von Cyberattacken auf US-Unternehmen, sei wissenschaftlich falsch und daher unseriös, erklärte das Verteidigungsministerium.
„Der Bericht enthält keinerlei technischen Nachweis, da er nur auf der Anbindung von IP-Adressen beruht, um zu dem Schluss zu kommen, dass die Hackerangriffe aus China stammen“, heißt es in der im Internet veröffentlichten Erklärung. „Jeder weiß, dass der Einsatz von angeeigneten IP-Adressen für Hackerattacken fast täglich geschieht.“ Bereits am Dienstag hatte das chinesische Außenministerium die Belege angezweifelt und betont, Chinas Regierung lehne Cyberangriffe ab.
Militäreinheit „61398“ für Angriffe „verantwortlich“
Das auf Computersicherheit spezialisierte US-Unternehmen Mandiant hatte einen Bericht vorgelegt, dem zufolge die abgeschottete Militäreinheit „61398“ mit Sitz in Schanghai ununterbrochen Angriffe auf viele Industriezweige verübt habe. Dabei seien mehrere hundert Terabyte an Datenmaterial von mindestens 141 Organisationen aus verschiedenen Branchen vor allem in den USA gestohlen worden. Die Dunkelziffer könne noch deutlich höher liegen. Mandiant beobachte die Gruppe bereits seit sechs Jahren.
Die „Abteilung 61398“ sitze vermutlich in einem zwölfstöckigen Gebäude am Stadtrand von Schanghai, ergaben die Recherchen von Mandiant und anderen Sicherheitsfirmen. Zumindest sei der Datenverkehr in diese Gegend verfolgt worden, definitive Beweise gebe es nicht. Allerdings: „Entweder kommen die Angriffe aus der ‚Abteilung 61398‘, oder die Leute, die eines der am schärfsten kontrollierte Internetnetze der Welt betreiben, haben keine Ahnung davon, dass in ihrer Nachbarschaft Tausende Menschen mit Cyberangriffen beschäftigt sind“, argumentierte Mandiant-Gründer Kevin Mandia in der „New York Times“.
Baupläne, Preisdokumente und geheime Unterlagen
Die in Schanghai ansässige Hackergruppe ist bei westlichen Experten auch als „Comment Crew“ bekannt - weil eine der Maschen sei, schädliche Links in Kommentarspalten von Websites zu verstecken. Große Sorge habe zuletzt der Angriff auf eine Abteilung der Firma Telvent ausgelöst, die Zugangssysteme für die Fernsteuerung von Ventilen und Schaltern für Ölpipelines und Energieleitungen entwickelt. Dort seien Projektunterlagen entwendet worden. Der Vorfall gelte als besonders gefährlich, weil Telvent Zugang zu über 60 Prozent der Öl- und Gaspipelines in Nordamerika habe, berichtete die „New York Times“.
Bei den Angriffen seien zum Beispiel Baupläne und Preisdokumente gestohlen worden. Hacker entwendeten außerdem Informationen über Produktionsprozesse, klinische Tests und Verhandlungsstrategien. So sei Coca-Cola gehackt worden, als der Getränkeriese 2009 an der Übernahme eines chinesischen Saftherstellers arbeitete. Damals seien die Pläne der Coca-Cola-Führung ausgekundschaftet worden. Die Verhandlungen scheiterten schließlich.
China: Sind selbst Opfer
Die „Comment Crew“ sei auch an dem Angriff auf den Sicherheitsspezialisten RSA beteiligt gewesen, der Zugangssysteme für Rüstungsunternehmen und US-Behörden herstellt. Das Unternehmen hatte zahlreiche digitale Schlüssel austauschen müssen. Die Angreifer gelangten meist in Firmennetzwerke, wenn ein Mitarbeiter einen vermeintlich harmlosen Link in einer E-Mail anklickt. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums ist China selber Opfer einer „erheblichen Zahl“ von Cyberangriffen aus den USA geworden. „Wir nehmen das aber nicht als Grund, um die Vereinigten Staaten zu kritisieren.“
Von „New York Times“ bis Apple
Nach Angriffen auf die „New York Times“ und das „Wall Street Journal“ war zuletzt auch Facebook Ziel von Computerhackern. Die beiden Zeitungen gingen von Cyberattacken aus China aus. Auch beim Angriff auf das Onlinenetzwerk hatten Experten chinesische Hacker im Verdacht. Am Dienstag teilte zudem Apple mit, von denselben Hackern heimgesucht worden zu sein, die auch Facebook ausspionieren wollten. Die vermehrten Vorfälle riefen Obama auf den Plan, der per Dekret einen besseren Schutz wichtiger US-Websites vor Cyberattacken anordnete. In Europa plant die EU-Kommission im Kampf gegen Internetkriminalität eine Meldepflicht für mehrere wichtige Branchen. Der Vorstoß trifft aber in der Wirtschaft auf große Skepsis.
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