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Schwierigkeiten bei Verrechnung

Unter großem Interesse der zahlreichen Journalisten und Zuhörer im Gerichtssaal im Wiener Straflandesgericht hat der im Telekom-Austria-Prozess als „Kronzeuge“ auftretende Ex-TA-Assist der Geschäftsführung und Ex-TA-Controller Gernot Schieszler die Bargeldübergaben an den hilfreichen Broker Johann Wanovits geschildert.

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Das Geld floss auf dem Wiener Naschmarkt, in der Nähe hatte der Broker Johann Wanovits sein Büro. Ohne Quittung und ohne Rechnung erhielt Wanovits 2004/05 bei drei Geldübergaben Hunderttausende Euro (laut Wanovits rund 600.000 Euro), mit denen sich die TA-Eingeweihten für die „Kurspflege“ des Brokers erkenntlich zeigten. „Natürlich waren wir alle interessiert, den Bonus zu bekommen“, so Schieszler unter Wahrheitspflicht.

Auf „Vieraugenprinzip“ gepocht

„Was hätte man auf die Rechnung draufschreiben können, wenn es eine gegeben hätte?“, fragte Richter Michael Tolstiuk. „Es gab keinen Titel, über den man das verrechnen hätte können“, gestand Schieszler. Er habe immer auf einem „Vieraugenprinzip“ bei allen inkriminierten Vorgängen bestanden. „Mir war bei allen Dingen, die damals passiert sind, ein Vieraugenprinzip wichtig, weil es sonst ein unübersehbares Risiko mit sich zieht“, so Schieszler. Deswegen sei immer der ebenfalls angeklagte Ex-TA-Prokurist Josef Trimmel oder ein - wegen Krankheit nicht angeklagter - Ex-TA-Mitarbeiter zu den Geldübergaben mitgegangen.

Die TA musste das Geld in ihrer Buchhaltung irgendwie verbuchen, daher wurde für eine Osteuropa-Studie, die schon im Konzern bestand, der Lobbyist Peter Hochegger eingebunden. Ein Scheinauftrag an Hocheggers Gesellschaft Valora erging über 1,5 Mio. Euro - unterschrieben vom nun angeklagten Ex-Vorstand Rudolf Fischer und dem nicht angeklagten erkrankten TA-Mitarbeiter. Diesen habe er vorher zum (ebenfalls angeklagten, Anm.) Finanzvorstand Stefano Colombo geschickt, „sonst hätte er das nicht gemacht“, so Schieszler. Denn mit dem Scheinauftrag an Hochegger wurden die internen Regeln gebrochen.

„Zehn Prozent waren langjährige Praxis“

Die Hälfte des 1,5-Mio.-Scheinhonorars für Hochegger sollte als Anzahlung sofort fließen, die zweite Hälfte erst „nach Lieferung“, so Schieszler. Hochegger habe das Geld erhalten, voll mit der Körperschaftsteuer versteuert, und sich „zehn oder 20 Prozent“ für seinen Umsatz abgezogen. „Zehn Prozent waren langjährige Praxis“, so Schieszler. Rund 337.000 Euro blieben von der Anzahlung dann in bar - als Lohn für Wanovits’ Mühen. „750.000 durch zwei minus zehn Prozent“, rechnete Schieszler vor.

Schieszler beschrieb, wie er die Studie zunächst auf eine CD kopierte, diese dann zu Hochegger brachte und dort auf Valora-Geschäftspapier ausdruckte. Hochegger habe ihm und Trimmel das Geld übergeben, daraufhin traf man den Broker in einem Lokal auf dem Wiener Naschmarkt, um ungewünschte Zeugen der Geldübergabe zu vermeiden. Laut Schieszlers Erinnerung wurde das Geld direkt in dem „wenig besuchten Lokal“ übergeben - ob im Papier- oder im Plastiksackerl, wisse er nicht mehr.

„Einer hat’s eingesteckt“

Wanovits habe dann ihn und Trimmel aufgefordert, sich je 15.000 bis 20.000 Euro zu nehmen, „für unsere Mühen“. Wanovits selber bestritt das vergangene Woche in seiner Aussage. Schieszler beharrte jedoch am Montag darauf, vermutlich hätten er und Trimmel sich nach Aufforderung des Brokers lose Geldscheine genommen. Das Geld sei in abgepackten 500-Euro-Bündeln übergeben worden. Wanovits habe es im Lokal nicht nachgezählt. „Einer hat’s eingesteckt und dann am nächsten Tag dem anderen die Hälfte gegeben“, so Schieszler.

Nach drei Bargeldübergaben 2004/2005 passierte drei Jahre lang nichts, im Jahr 2008 sei Wanovits aber wieder gekommen und habe das restliche Geld gewollt. Wanovits wollte aber kein Bargeld mehr, er habe selber „Steuern optimieren“ wollen. Daher habe Schieszler ihn direkt zu Hochegger geschickt. Was diese dann vereinbart hätten, sei ihm egal gewesen, so Schieszler.

Projekt „wurde halt aufgestockt“

Laut Anklage ging es zwischen Wanovits und Hochegger nur um Scheinstudien zu Dubai und Windkraft, die Wanovits nie geliefert habe, aber für die er von Hochegger fürstlich „entlohnt“ worden sei. Bis zu den Hausdurchsuchungen habe ihn das Thema nicht interessiert, betonte Schieszler. Die Bezahlung der TA an Hochegger und damit an Schieszler sei im Jahr 2008 aus dem Projekt „Flexibilisierung Beamtenagentur“ erfolgt: „Das wurde halt um 400.000 bis 500.000 Euro aufgestockt.“

Staatsanwalt Hannes Wandl wollte von Schieszler wissen, in welcher Rolle er mit Wanovits Kontakt aufgenommen habe. Schieszler dazu: „Ich bin sicher nicht als Privatperson hingegangen - aber auch nicht offiziell als Controller. Ich habe es als Entsandter des Vorstandes getan, aber nicht in meiner eigentlichen Funktion. (...) Ich hätte zur Ausübung des Geschäfts nicht unbedingt eine Prokura gebraucht.“

Wanovits war der „Weinhändler“

Schieszler schilderte in seiner ausführlichen Aussageauch, wie einander die Teilnehmer an der Kursmanipulation gegen Cash in der Folge nähergekommen seien. Der Spitzname für Wanovits, einen Burgenländer, sei „Weinhändler“ gewesen. So habe man Wanovits am Telefon genannt. Zuerst meinte Schieszler, Trimmel habe den Spitznamen erfunden, dann meinte er, vielleicht habe er selber den Spitznamen erfunden.

Auf die Frage des Richters, warum man dem Broker Wanovits immer wieder Geld gegeben habe, meinte Schieszler: Wanovits habe immer wieder auf ihn und Trimmel Druck ausgeübt, um an sein Geld zu kommen. Der Staatsanwalt hakte nach: „Was hätten Sie gemacht, wenn Wanovits Sie verklagt hätte?“ Er sei damals in einem typischen „Gefangenendilemma“ gewesen: Wenn das Ganze bekanntgeworden wäre, wären beide Seiten nicht gut ausgestiegen. Trimmel habe sogar einmal gesagt: „Nehmen wir uns einen Anwalt und zeigen wir das an!“

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