Rückrufaktion nach positiver Probe
Auch in Österreich wurde Pferdefleisch falsch deklariert als Rind verkauft. Konkret fand die Gesundheitsagentur AGES bei einer nach Bekanntwerden des Skandals gestarteten Schwerpunktaktion ein Tortelloni-Fertigprodukt, das bei Lidl Austria im Sortiment war.
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Laut AGES fand sich die positive Probe im Tiefkühlprodukt „Tortelloni Rindfleisch“ des deutschen Herstellers Gusto GmbH. Darin sei ein nicht deklarierter Anteil an Pferdefleisch entdeckt worden. Konkret handelt es sich um die Chargennummer L 13849 mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 11. März 2013. „Das Produkt wird gerade aus dem Verkehr gezogen“, sagte ein Sprecher des Unternehmens am frühen Freitagnachmittag gegenüber der APA. Auch in Deutschland nahm Lidl Tortelloni-Produkte aus den Regalen.
Schwerpunktaktion „Fertiggericht mit Rindfleisch“
Das Produkt sei im Rahmen der Schwerpunktaktion „Fertiggerichte mit Rindfleisch - Untersuchung auf nicht deklarierten Pferdefleischanteil“ untersucht worden. Lidl Österreich wurde laut AGES informiert, die amtliche Lebensmittelaufsicht der Länder habe bereits die erforderlichen Maßnahmen ergriffen. Bisher liegen qualitative Analysen von zwei Proben vor, in der zweiten Probe war keine Pferde-DNA nachweisbar. Die AGES wies in der Aussendung darauf hin, dass damit nicht geklärt sei, wer - Erzeuger, Hersteller, Importeur oder Vertreiber - die Verfälschung verursacht hat.

APA/Rubra
Tortelloni-Produkt der Lidl-Eigenmarke Combino
Kontrollen der AGES laufen
Die Menge der zu untersuchenden Proben insgesamt lasse sich noch nicht beziffern, hieß es am Freitagnachmittag von der AGES auf Anfrage von ORF.at. Laufend kämen neue hinzu. Das Testmaterial erhält die AGES von den zuständigen Lebensmittelaufsichten, etwa Marktämtern. Kontrolliert wird im Rahmen einer vom Gesundheitsministerium beauftragten Schwerpunktaktion in allen Bundesländern, vorerst bis Ende Februar. Die Analyse werden am AGES-Institut für Lebensmittelsicherheit in Wien durchgeführt.
Die Bestimmung einer Tierart in Fleischerzeugnissen erfolgt mit molekularbiologischen Methoden. Dabei wird DNA (Erbgut) aus Lebensmittelproben isoliert. Dazu reichen bereits wenige Gramm der Probe aus. Das Verfahren eignet sich selbst bei stark erhitzten Produkten, da auch hier noch ausreichend lange für die jeweilige Spezies charakteristische DNA-Bruchstücke vorhanden sind.
Mehrere deutsche Ketten ziehen Produkte zurück
In Deutschland, wo die ersten positiven Proben bereits Mitte der Woche aufgetaucht waren, reagierte am Freitag eine weitere Handelskette auf den Skandal und nahm eine verdächtige Tiefkühllasagne aus den Regalen. „Wir haben das als Vorsichtsmaßnahme getan“, sagte Vorstandschefin Petra Schumann vom Handelsunternehmen Konsum Leipzig. Konsum ist ein eigenständiges Unternehmen und bezieht seine Ware unter anderem von Edeka.
Konsum betreibt rund 70 Geschäfte in drei deutschen Bundesländern. Auch die Supermarktketten Real und Edeka nahmen das Tiefkühlprodukt vorsorglich aus dem Verkauf, nachdem bei Analysen in einzelnen Stichproben unterschiedliche Mengen von Pferdefleisch gefunden worden waren.
Vorwürfe, man habe die Öffentlichkeit zu spät informiert, wies der deutsche Lebensmittelhandel zurück. Die Unternehmen hätten sofort bei Bekanntwerden der ersten Verdachtsfälle infrage kommende Produkte vorsorglich aus dem Verkauf genommen und mit der Produktanalyse begonnen, erklärte der Bundesverband des deutschen Lebensmittelhandels (BVL) in Berlin. Nachdem positive Testergebnisse vorlagen, sei die Öffentlichkeit informiert worden.
EU berät über verpflichtende Gentests
Wegen des Skandals berieten die EU-Staaten am Freitag über die Einführung europaweiter Gentests für Rindfleisch. Mit den Tests sollen die Aufsichtsbehörden feststellen, ob es sich bei den Proben um falsch deklariertes Pferdefleisch handelt. „Die Verbraucher müssen sicher sein, dass auf EU-Ebene alles getan werden wird, um ihr Vertrauen in die Produkte auf unseren Märkten so schnell wie möglich wiederherzustellen“, sagte EU-Verbraucherkommissar Tonio Borg.
Außerdem soll Pferdefleisch auf Rückstände des Medikaments Phenylbutazon untersucht werden. Das Mittel wird bei Pferden gegen Entzündungen und auch zum Doping eingesetzt. Die Untersuchungen sollen im März beginnen.
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