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Code „Pferdefleisch, tiefgekühlt“

In das Dickicht aus gegenseitigen Schuldzuweisungen im Skandal um umetikettiertes Pferdefleisch kommt langsam etwas Licht. Eine konkrete Spur führt nun offenbar zu einem Fleischverarbeiter bzw. Zwischenhändler mit Sitz in Südwestfrankreich. Die französische Tageszeitung „Le Parisien“ veröffentlichte am Donnerstag ein Faksimile von Rechnungen, die das Unternehmen Spanghero belasten.

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„Laut Dokumenten, die wir einsehen konnten, hat ein undurchsichtiger Händler Pferdefleisch an die französische Gesellschaft Spanghero verkauft“, hieß es in dem Exklusivbericht. Den Rechnungen nach habe das Unternehmen sogar „beachtliche Mengen“ importiert - an die 42 Tonnen zwischen dem 4. und dem 12. Jänner.

Die Tiefkühlware, eine Mischung aus Sehnen, Fett und Muskelfleisch, sei mit dem Code „0205 0080“ gekennzeichnet gewesen. „Der bezeichnet laut internationaler Nomenklatur ‚Pferdefleisch, tiefgekühlt‘“, so die Zeitung. Lieferant sei ein zypriotischer Händler namens Draap Trading Limited gewesen.

Neue Dimension: 750 Tonnen umetikettiert?

Insgesamt, hieß es am Freitag, könnte das Unternehmen bis zu 750 Tonnen Pferdefleisch aus Rumänien gekauft haben. Von dieser Menge soll Spanghero rund 200 Tonnen selbst unter einer Eigenmarke als Fertiggerichte bzw. in Wurstwaren verkauft haben. Der Großteil des Fleisches - rund 550 Tonnen - soll an eine Fabrik des französischen Tiefkühlherstellers Comigel in Luxemburg geliefert worden sein, ausgezeichnet als Rindfleisch aus der EU. Aus diesen 550 Tonnen fertigte Comigel schließlich mehr als 4,5 Millionen falsch ausgezeichnete Fertigprodukte. Diese gingen an mindestens 28 Firmen in 13 europäischen Ländern.

Importeur weist Vorwürfe vehement zurück

Spanghero - die volle Firmenbezeichnung lautet A la table de Spanghero (etwa: Auf dem Tisch von Spanghero) widersprach den Berichten vehement. Man habe „nie Rechnungen über Pferdefleisch erhalten“. Die Website des Unternehmens war am Freitag weiter geschlossen - bis auf eine Pressemitteilung.

Darin hieß es, man übe seine Geschäfte „stets unter strikter Beachtung der französischen und europäischen Gesetze, zum Wohl des Kunden und des Endverbrauchers“ aus. Spanghero würde keinerlei Produkte auf Basis von Pferdefleisch kaufen, verkaufen oder weiterverarbeiten. Die Presseerklärung ist mit 11. Februar datiert.

Paris entzieht Spanghero Genehmigung

Die französische Regierung sieht die Causa aber offenbar anders. Das Unternehmen habe gewusst, dass es Pferdefleisch als Rindfleisch verkaufte, teilte Verbraucherschutzminister Benoit Hamon am Donnerstag mit. Spanghero habe sich eines „Wirtschaftsbetruges“ schuldig gemacht und werde dafür zur Verantwortung gezogen. Der Firma wurde mit sofortiger Wirkung die Zulassung zur Fleischverarbeitung entzogen, wie Landwirtschaftsminister Stephane Le Foll hinzufügte. Nach weiteren Untersuchungen im Unternehmen werde entschieden, ob die Betriebserlaubnis endgültig entzogen werde.

Auch Comigel auf Tauchstation

Auch die Website von Comigel war am Freitag weiter vom Netz - „under construction“. Das Pferdefleisch stammt laut französischen Behörden aus Rumänien und kam über zypriotische beziehungsweise niederländische Zwischenhändler nach Frankreich. Bisher konnte noch nicht geklärt werden, wo das Fleisch umdeklariert wurde.

Draap Limited: Pferd umgedreht

Mehrere Medien berichteten, dass der Chef von Draap Trading, Jan Fasen, im Jänner 2012 zu einem Jahr Haft, davon drei Monate auf Bewährung, verurteilt worden sei. Der Grund sei gewesen, dass er südamerikanisches Pferdefleisch als Halal-Rindfleisch (nach islamischem Recht „reines“ bzw. für den Verzehr nach bestimmten Schlachtregeln „erlaubtes“ Fleisch, Anm.) verkauft habe. Dieses Fleisch soll in Frankreich auf den Markt gebracht worden sein.

Fasen, der seine Firma angeblich aus Antwerpen leitet, hat anscheinend einen etwas eigentümlichen Humor: Dreht man „Draap“ um, bekommt man „Paard“ - was auf Niederländisch „Pferd“ bedeutet.

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