Wahrzeichen locken Spaßguerilla an
Deutschland mag international als Heimat der Pedanten gelten, die als Fußgänger nachts an jeder roten Ampel stehen bleiben und sogar Vorschriften für den Besuch der Sauna haben. Aber es gibt auch eine Fraktion von Scherzkeksen, verschrobenen Kriminellen und Szeneaktivisten.
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So wie im Prenzlauer Berg in Berlin, wo das Denkmal der Graphikerin und Bildhauerin Käthe Kollwitz Anfang Jänner in der Debatte über den Einfluss der zugezogenen Schwaben auf Berlin mit Spätzle beworfen und danach der autonome Berliner Bezirk „Schwabylon“ gefordert wurde. Kurz danach bekam die Figur als Antwort eine goldene Krone.
Auch „Bernd das Brot“ war schon entführt
Im jetzigen Fall Bahlsen war es nicht das erste Mal, dass ein Wahrzeichen bzw. Maskottchen verschwindet. Im Jahr 2009 traf es in Erfurt die Kinderkanalfigur „Bernd das Brot“, immerhin 125 Kilogramm schwer und knapp zwei Meter groß. Zu dem Diebstahl bekannten sich Sympathisanten von Hausbesetzern. Gefunden wurde das Kunststoffbrot im kalten Kellergewölbe einer verfallenen Kaserne.
„Wir werden Bernd keine Personenschützer zur Seite stellen können, aber das passiert nicht noch einmal“, versicherte die Stadtsprecherin damals. Im gleichen Jahr verschwand in Thüringen der Bundesgartenschau-Drache Bugalou. Ein Bürger gab ihn zwei Wochen später im Rathaus von Gera ab.
„Emmas“ Weltreise
Eine Stoffbiene aus dem Münsterland trat 2008 eine lange Reise an - so wie der Globetrotter-Gartenzwerg im Kinofilm „Die fabelhafte Welt der Amelie“. „Emma“, das Maskottchen einer Kneipe von Borussia-Dortmund-Fans in Südlohn, schien zunächst entführt zu sein. Dann fand der Wirt einen Abschiedsbrief. Die Biene wolle ein Jahr lang eine Weltreise machen. Sie habe die Nase voll von dem ganzen Gequatsche über Fußball.
Ansichtskarten aus aller Welt trudelten ein: „Emma“ vor dem Weißen Haus in Washington, in Las Vegas, in Panama. Hinter der Aktion steckten holländische Hobbypiloten, wie die Zeitung „De Telegraaf“ enthüllte. Die Rückkehr nach Südlohn wurde mit rotem Teppich, Stretchlimousine und Blitzlichtgewitter gefeiert.
Ein internationales Phänomen
Auch um internationale Wahrzeichen ranken sich skurrile Geschichten. In Kopenhagen amüsierten sich Spaziergänger im Jahr 2010 über die Kleine Meerjungfrau. Die Märchenfrau kehrte überraschend als Knochengerüst zurück, während das Original nach China ausgeliehen war. „Das Skelett gehört zur Art hydronymphus pesci (Nymphenfisch), die Ende des 17. Jahrhunderts ausgestorben ist“, hieß es in einer Erklärung eines Museums - ein Aprilscherz.
Das Manneken Pis in Brüssel wurde in seiner bewegten Geschichte mehrfach vom Podest geholt. 1965 zerbrach der kleine Pinkelknabe nach einem Diebstahl und landete in einem Kanal. Das ging der belgischen Hauptstadt zu weit - und sie beschloss, eine Kopie aufzustellen.
Caroline Bock, dpa