Söldner und Waffen aus der Gaddafi-Ära
Die gegenwärtige Eskalation der Auseinandersetzungen mit islamistischen Extremisten in Nord- und Westafrika führt der Terrorismusexperte der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik, Guido Steinberg, vor allem auf den „Zusammenbruch Libyens“ zurück.
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„Das gilt vor allem für den Norden Malis“, sagte Steinberg in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP. Nach dem Ende des Libyen-Konflikts und dem Tod des Diktators Muammar al-Gaddafi seien Waffen und Tuareg-Kämpfer dorthin zurückgekehrt. Ursache der eskalierenden Lage sei vor allem das Fehlen staatlicher Kontrolle über weite Teile der Sahelzone.
Mit Blick auf die blutige Geiselnahme auf einem Erdgasfeld in Algerien mit Dutzenden getöteten Ausländern sagte Steinberg, in Algerien gebe es „seit Jahrzehnten ein Problem mit islamistischen Terroristen“. Auch das habe sich aber durch den Libyen-Konflikt verstärkt. „Die Gruppen haben einen größeren Aktionsraum, in dem sie frei agieren können, sie sind besser ausgerüstet und scheinbar auch personell stärker.“
Racheakt für französische Militäraktion
Ein islamistisches Kommando hatte vergangene Woche die Gasförderanlage bei In Amenas in der algerischen Wüste gestürmt und Hunderte Geiseln genommen. Bei einer blutigen Befreiung durch algerische Spezialkräfte wurden nach Angaben aus Algier 37 ausländische Geiseln getötet. Die Geiselnehmer hatten unter anderem ein Ende des französischen Militäreinsatzes in Mali gefordert. Frankreich hatte in den Mali-Konflikt eingegriffen, um bei der Rückeroberung des im vergangenen Frühjahr durch Islamisten eroberten Nordens zu helfen.
Extremisten verdienen Geld mit Waffenhandel
Vor allem in Südalgerien seien islamistische Gruppierungen zuletzt erstarkt, sagte Steinberg. Diese hätten bisher den Waffenschmuggel in den Norden organisiert, seien zuletzt aber vom Norden unabhängiger geworden. Vor allem die beiden Al-Kaida-Gruppen um die Islamistenführer Mokhtar Belmokhtar und Abu Said hätten in den vergangenen Jahren viel Geld durch Waffenschmuggel eingenommen, später auch durch Geiselnahmen. „Sie haben jeweils Millionensummen bei diesen Geiselnahmen eingenommen“, sagte Steinberg. Hinzu kämen die Schmuggeleinnahmen, wodurch sie rekrutieren und ausbilden könnten und damit stärker geworden seien.
Steinberg sagte, er rechne in Zukunft mit weiteren Zwischenfällen in den Nachbarstaaten Malis. Dazu zählten sowohl Terroranschläge als auch Geiselnahmen. Angesichts des Engagements von EU-Staaten in Mali bestehe auch in Europa ein theoretisch höheres Anschlagsrisiko. „Wir sind jetzt etwas näher ins Fadenkreuz gerückt“, sagte Steinberg. Deutschland sei dabei aber nicht so gefährdet wie Frankreich. Anschläge seien vor allem dort denkbar, wo es viele mutmaßliche Al-Kaida-Sympathisanten gebe, „also vor allem dort, wo viele Nordafrikaner leben“, sagte Steinberg. Das treffe auf Frankreich mehr als auf Deutschland zu.
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