Kämpfe verschärfen sich
Die Kämpfe zwischen islamistischen Rebellen und Kurdenmilizen im kurdisch geprägten Nordosten Syriens werden immer heftiger: Nach Angaben von Aktivisten wurden binnen einer Woche mindestens 56 Menschen getötet. Dabei sollen die Rebellen auch Panzer und Granatwerfer eingesetzt haben, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Dienstag mit.
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Es handle sich um Kämpfer der Partei der Demokratischen Union (PYD), des syrischen Ablegers der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), die in der kurdisch geprägten Ortschaft Ras al-Ain an der Grenze zur Türkei gegen die Rebellen kämpften. Auch am Dienstag sei es in der Stadt zu Zusammenstößen gekommen. Auf der Gegenseite sind die fundamentalistischen islamischen Gruppierungen Al-Nusra und Ghuraba al-Scham aktiv.
Syrischer Nationalrat versucht zu vermitteln
Die wichtigste Gruppe der Regimegegner, der Syrische Nationalrat (Syrian National Council, SNC), forderte die bewaffneten Gruppen bereits am Montag auf, die Wohngebiete umgehend zu verlassen und den geflohenen Bürgern eine Rückkehr in ihre Häuser zu ermöglichen. Das in der Türkei gegründete Gremium äußerte sich in einer Erklärung zutiefst besorgt über die aktuelle Eskalation.

AFP/Giulio Petrocco
Zerstörte Häuser in Ras al-Ain
Der Einsatz schwerer Waffen in Wohngebieten sei nicht akzeptabel, teilte die Organisation mit und rief die Bevölkerung auf, ein gemeinsames Komitee zu bilden, um den Frieden in der Stadt zu überwachen. Ras al-Ain sei schließlich immer ein Vorbild für das gute Zusammenleben verschiedener ethnischer Gruppen gewesen. Eine Spaltung spiele nur dem Regime von Baschar al-Assad in die Hände. Internationale Beobachter warnen bereits seit Monaten, dass Syrien - je länger der Konflikt andauert - zu einem zersplitterten Land wie Somalia werden könnte, wo Kriegsfürsten das Sagen haben.
Autonomiebestrebungen vorangetrieben
In dem Konflikt zwischen der syrischen Staatsführung und Rebellen hatte sich die kurdische Minderheit des Landes, die rund zehn Prozent der syrischen Bevölkerung ausmacht, bisher nicht eindeutig auf eine Seite gestellt. Die syrischen Kurden hielten vielmehr weitgehend Distanz zu den immer stärker von sunnitischen Islamisten dominierten Rebellengruppen, da sie fürchteten, dass diese die kurdischen Autonomiebestrebungen unterdrücken würden.
Den seit März 2011 anhaltenden Aufstand gegen Assad hatten sie dazu genutzt, eine größere Selbstverwaltung in ihren Gebieten durchzusetzen. Dazu wurden eigene Polizeikräfte und Milizen geschaffen. Auch unter der Herrschaft der Baath-Partei Assads lange verbotene eigene Schulen und Kulturzentren wurden errichtet.
Experte: Niemand fordert Unabhängigkeit
Anfang Jänner hielt sich der österreichische Politikwissenschaftler der Universität Wien und Nahost-Experte Thomas Schmidinger in der Region auf. Unter den Kurden in Syrien fordere niemand die Unabhängigkeit, stellte Schmidinger im Anschlusss seiner Reise vor einigen Tagen klar. Die Autonomiebestrebungen funktionieren Schmidinger zufolge wegen starker innerkurdischer Rivalitäten nur zum Teil.
Insbesondere stünden sich der oppositionelle Kurdische Nationalrat, der oppositionelle Syrische Nationalrat und die PYD als Kontrahenten gegenüber. Besonders besorgniserregend sei die humanitäre Situation der Bevölkerung. „Noch haben die Leute dort zu essen, in zwei bis drei Monaten könnte es allerdings eine Hungersnot geben“, warnte Schmidinger.
Kritik an Vereinten Nationen
Die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter forderte die Vereinten Nationen (UNO) am Montag bereits auf, die Vorfälle Ras al-Ain zu untersuchen. Dafür sei keine Erlaubnis der syrischen Regierung notwendig, da der Ort von der Türkei aus einfach zu erreichen sei. Es sei absurd, wenn die UNO die Verteilung von Hilfsgütern dem syrischen Regime überlassen wolle, das Krankenhäuser bombardiere. Ein Sprecher der UNO in Damaskus wollte zu der Kritik auf Anfrage nichts sagen.
Er sagte, die UNO-Delegation, die am vergangenen Freitag in Syrien angekommen war, sei noch dabei, sich ein Bild von der Lage in den verschiedenen Provinzen zu machen. Erst nach Abschluss dieser Erkundungen wolle man zu den Vorwürfen Stellung nehmen. Die Vereinten Nationen benötigen für die Syrien-Hilfe dieses Jahres nach eigenen Schätzungen 519 Millionen US-Dollar (395 Mio. Euro). Bisher haben die Geber jedoch erst elf Millionen Dollar aufgebracht.
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