Themenüberblick

„Verhandlungen konnte es nicht geben“

Bei der Militäraktion gegen die Geiselnehmer in der algerischen Wüste sind zumindest 55 Menschen getötet worden. Insgesamt starben laut Innenministerium nach vorläufigen Angaben bei dem viertägigen Geiseldrama 21 Geiseln, zwei weitere Opfer und 32 Entführer.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Am Samstag stürmten algerische Spezialeinheiten das Gelände der Gasanlage bei In Amenas im Osten des Landes. Wie viele Menschen bei diesem Angriff starben, teilte das Innenministerium zunächst nicht mit. Auch über die Nationalitäten der getöteten Zivilisten wurde nichts mitgeteilt. Die genauen Umstände sind ebenfalls weiterhin unklar.

Ein Vertreter der Sicherheitskräfte hatte zuvor gesagt, elf Terroristen seien bei dem Sturm auf die Anlage am Samstag getötet worden. Zudem seien sieben ausländische Geiseln umgekommen. „Wir glauben, dass sie aus Rache umgebracht worden sind.“ Zwei Menschen starben laut Innenministerium bereits vor der Geiselnahme, als die Islamisten am Mittwoch auf dem Weg zu der Anlage einen Bus mit Beschäftigten angriffen.

Erster Befreiungsversuch gescheitert

Die schwer bewaffneten Angreifer hatten die Anlage am Mittwoch besetzt. Ein erster Befreiungsversuch der algerischen Sicherheitskräfte am Donnerstag war gescheitert. Dabei sollen zwölf Geiseln getötet worden sein. Laut der amtlichen Nachrichtenagentur Algeriens starteten die Soldaten am Samstag ihren Entscheidungsschlag, nachdem die Geiselnehmer mit der Tötung der Geiseln begonnen hatten. Für sieben Ausländer - drei Belgier, zwei US-Amerikaner, ein Brite und ein Japaner - kam der Armee-Einsatz laut Informationen der algerischen Zeitung „El Watan“ zu spät.

Dem Innenministerium zufolge gelang es den Sicherheitskräften insgesamt 685 algerische Angestellte der Anlage sowie 107 Ausländer zu befreien. Unter den 32 toten Geiselnehmern seien drei Algerier, hieß es. Der Rest stamme aus unterschiedlichen Ländern.

Österreicher bald wieder daheim

Jener 36-jährige Niederösterreicher, der das Geiseldrama unbeschadet überstanden hat, dürfte wohl bald zurück in die Heimat gelangen. Dem 36-Jährigen, der sich während der Geiselnahme versteckt hatte, geht es laut Zwettls Vizebürgermeister Johannes Prinz soweit gut. Er war für den britischen Öl-Multi BP in Algerien tätig.

Großes Waffenarsenal

Die Geiselnehmer hatten unter anderem ein Ende des französischen Militäreinsatzes im Norden Malis gefordert, mit dem islamistische Kämpfer zurückgedrängt werden sollen. Bei den Geiselnehmern wurde laut Innenministerium ein beträchtliches Waffenarsenal gefunden, darunter Maschinengewehre, Granatwerfer, Raketen und Panzerfäuste.

Laut algerischem Radio hatten die Entführer versucht, einen Teil der Anlage in Brand zu setzen. Die Anlage soll nun nach Minen abgesucht werden. Zuvor hieß es in Algerien, Spezialkräfte hätten 15 verkohlte Leichen gefunden. Man bemühe sich gegenwärtig um die Identifizierung der Toten - Video dazu in iptv.ORF.at.

Unterstützung für Vorgehen der Armee

Die algerische Armee verteidigte ihr umstrittenes Vorgehen. „Der Einsatz ist die Antwort auf eine Entscheidung der Terroristen gewesen, alle Geiseln zu töten und ein wahres Massaker anzurichten“, zitierte die Tageszeitung „El-Khabar“ einen Armeesprecher.

Mehrere ausländische Regierungen hatten in den vergangenen Tagen an die Regierung in Algier appelliert, dem Schutz der Geiseln höchste Priorität einzuräumen. Frankreich und die USA stellten sich am Samstag klar hinter Algerien. Die dortige Regierung habe angesichts der „kalt entschlossenen“ Entführer „so angemessen wie möglich“ gehandelt, sagte der französische Präsident Francois Hollande. „Verhandlungen konnte es nicht geben.“ Auch ein Franzose soll unter den Opfern sein, ebenso ein Rumäne.

London will Details wissen

Algerien verstehe die Bedrohung durch den Terrorismus, sagte US-Verteidigungsminister Leon Panetta in London. Premierminister David Cameron erklärte die Entschlossenheit Großbritanniens, „mit unseren Verbündeten in der Welt zu handeln, um die Plage des Terrorismus zu verjagen und zu besiegen.“ London drängt die algerische Regierung laut dem britischen Verteidigungsminister Philip Hammond aber, „Details zur genauen Lage“ zu veröffentlichen.

Der britische Außenminister William Hague sagte, insgesamt seien fünf britische Staatsbürger während der Geiselnahme umgekommen oder gälten als vermisst. Hinzu komme ein weiteres mögliches Opfer mit Wohnsitz in Großbritannien. Auch das Schicksal von fünf Norwegern ist ungeklärt, sagte Norwegens Ministerpräsident Jens Stoltenberg Samstagabend in Oslo. Norwegen stehe ebenfalls hinter der Aktion des algerischen Militärs, so Außenminister Espen Barth Eide.

Links: