Großer Widerstand im Westen des Landes
Nach mehreren Tagen französischer Luftangriffe haben die islamistischen Rebellen im afrikanischen Mali Frankreich mit Vergeltung gedroht und Bewohnern zufolge eine Gegenoffensive gestartet. Die Extremisten lieferten der Armee demnach am Montag in dem zentralmalischen Ort Diabali schwere Kämpfe und konnten die Kleinstadt zurückerobern.
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„Sie sind in der vergangenen Nacht in den Ort eingesickert, indem sie in kleinen Gruppen den Fluss überquerten“, sagte einer der Bewohner der Stadt. Ähnliches war aus Kreisen des malischen Militärs zu vernehmen. Der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian sagte, die Rebellenkräfte hätten Diabali eingenommen. Die Armee sei „unzureichend ausgerüstet“ gewesen.
Rebellen „extrem gut bewaffnet“
Frankreich hatte am Freitag in die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Al-Kaida nahestehenden Rebellen eingegriffen und seitdem mehrfach deren Stellungen im Norden des afrikanischen Landes bombardiert. Drei Tage nach Beginn der französischen Militärintervention sind die Islamisten nach Angaben der Pariser Regierung im Osten des afrikanischen Landes „auf dem Rückzug“. Im Westen Malis gebe es allerdings noch Schwierigkeiten, sagte Le Drian am Montag nach Beratungen im Pariser Elysee-Palast. Dort stünden den französischen Soldaten „extrem gut bewaffnete“ Kämpfer gegenüber.

APA/ORF.at
Frankreich versucht, die Rebellen zurückzudrängen
Insgesamt entwickle sich die Situation „günstig“, sagte Le Drian weiter. Im Osten des Landes sei der Vormarsch der Islamisten gestoppt worden. Diese hätten die Stadt Konna aufgegeben. In Gao habe sich eine „Gruppe von Terroristen“ nach einer Intervention am Sonntag aufgelöst und sei nach Süden und Osten ausgewichen.
„Tor zur Hölle geöffnet“
Die Extremisten ihrerseits kündigten am Montag Vergeltungsschläge gegen Frankreich an. Die Extremisten drohten, die Regierung in Paris in einen langwierigen Konflikt zu ziehen: „Frankreich hat das Tor zur Hölle für alle Franzosen geöffnet.“ Die Regierung sei in eine Falle getappt, die weit gefährlicher als der Irak, Afghanistan und Somalia sei, sagte ein Sprecher der Gruppe Mujwa dem Rundfunksender Europe 1. „Frankreich hat den Islam angegriffen. Wir werden Frankreich ins Herz treffen“, sagte Abou Dardar der Nachrichtenagentur AFP, „überall. In Bamako, in Afrika und in Europa.“
Frankreich rechnet mit kurzer Dauer
Frankreich selbst rechnet damit, dass der Einsatz nur von kurzer Dauer sein wird. Die Intervention sei „eine Frage von Wochen“, sagte Außenminister Laurent Fabius am Sonntagabend vor französischen Medienvertretern. Zugleich lobte er die internationale Unterstützung für sein Land. Fabius verwies namentlich auf Großbritannien und Dänemark beim Lufttransport. Zudem leiste Washington Hilfe bei der Kommunikation und beim Transport, sagte er im Rundfunk. Deutschland will sich an den Kampfeinsätzen nicht beteiligen, kündigte jedoch Gespräche über „politische, logistische, medizinische und humanitäre“ Unterstützungsmöglichkeiten an.
Auch die NATO begrüßte den französischen Militäreinsatz gegen die islamistischen Kämpfer, plant aber keine Unterstützung der Mission. „Frankreich hat schnell gehandelt, um die Offensive der terroristischen Gruppen in Mali zurückzudrängen“, sagte NATO-Sprecherin Oana Lungescu am Montag in Brüssel. „Wir hoffen, dass diese Anstrengungen helfen, die Rechtsstaatlichkeit in Mali wieder herzustellen und die Bedrohung durch terroristische Gruppen zu verringern.“
Vormarsch im Norden gestoppt
Die malische Armee eroberte nach eigenen Angaben mit französischer Unterstützung alle strategischen Städte im Norden des Krisenlandes zurück. In der Nacht auf Montag seien die Islamisten aus Gao, Kidal und Timbuktu vertrieben worden, sagte ein Militärsprecher, der namentlich nicht genannt werden wollte, der Nachrichtenagentur dpa. Die Rebellen hatten die Region seit einem Militärputsch im vergangenen März kontrolliert. Ein Augenzeuge in Gao bestätigte die Angaben und sagte: „Bei den Luftangriffen wurden 30 Fahrzeuge und vier Panzer der Rebellen zerstört, und es gab Dutzende Tote.“
Gleichzeitig gab es neue Kämpfe im Süden. „Seit Sonntag gibt es Zusammenstöße in Diabali in der Region Segou“, sagte Armeesprecher Modibo Traore. Segou liegt nur 250 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Bamako. Traore sagte, seine Truppen seien in dem Gebiet von Islamisten angegriffen worden. Die Rebellen waren in der vergangenen Woche immer weiter in Richtung Süden vorgerückt - offenbar mit dem Ziel, Bamako einzunehmen.
ECOWAS entsendet 3.000 Soldaten
Um ein Vordringen der islamistischen Rebellen in den Süden Malis zu verhindern, wollen auch die Nachbarländer rasch Truppen entsenden. Die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) erhielt bereits Zusagen, dass etwa 3.000 Soldaten für eine geplante Interventionstruppe bereitgestellt werden: Nigeria will 600 Soldaten entsenden, Burkina Faso, der Senegal, Togo und der Niger jeweils 500 und Benin 300. Doch bleiben Zweifel an der Schlagkraft der Truppe unter dem Kommando des nigerianischen Generals Shehu Usman Abdulkadir.
Der Norden Malis ist eine dünn besiedelte Wüstenregion von der Größe Frankreichs. Nicht nur sind die Islamisten nach Angaben französischer Regierungskreise besser ausgerüstet, bewaffnet und ausgebildet als erwartet, sie kennen sich auch gut aus in der Gegend.
Paris kündigt EU-Außenministertreffen an
Die Europäische Union plant keinen Kampfeinsatz in Mali unter EU-Flagge. Sie will aber mehrere Hundert Militärberater entsenden, die malische Soldaten auf den Kampf gegen Rebellen vorbereiten sollen. Die Führung des Einsatzes soll bei Frankreich liegen. Noch diese Woche soll dazu ein Treffen der EU-Außenminister stattfinden. Bisher haben die folgenden EU-Staaten die Bereitschaft zur Teilnahme erklärt: Deutschland, Italien, Spanien, Schweden, Estland, Dänemark, Slowenien und Belgien. Eine Teilnahme Österreichs lehnte Verteidigungsminister Norbert Darabos am Montag ab.
Ziel des Einsatzes ist es, die schlecht organisierte, schlecht ausgerüstete und schlecht bezahlte Armee Malis wieder in die Lage zu versetzen, selbst Einsätze zu führen. Zur Ausbildung soll auch eine Unterrichtung über den Schutz der Menschenrechte gehören. Die tatsächliche Größe der EU-Militärmission für Mali ist noch nicht klar: Außer den 200 Ausbildern werden auch Soldaten zum Schutz der Ausbildner sowie anderes Unterstützungspersonal nach Mali geschickt. Deren Zahl steht noch nicht fest. Ein Sprecher der EU-Außenpolitikbeauftragten Catherine Ashton gab bekannt, dass die EU-Mission entweder in der zweiten Februar-Hälfte oder Anfang März beginnen soll.
Tuareg-Rebellen bieten Unterstützung an
Unterstützung bekam Frankreich unterdessen von ungewöhnlicher Seite angeboten: Die Tuareg-Rebellen im Norden Malis kündigten an, die französischen Soldaten in ihrem Kampf gegen die Islamisten unterstützen zu wollen. Ein Sprecher der Nationalen Bewegung für die Befreiung von Azawad (MNLA) sagte der Nachrichtenagentur AFP am Montag telefonisch, die Tuareg seien bereit, „zu helfen“ und „die Arbeit am Boden“ zu erledigen. „Wir unterstützen völlig den französischen Lufteinsatz“, sagte Moussa Ag Assarid im nordmalischen Tinzawatane, wo die MNLA in den vergangenen Tagen beraten hatte.
Die säkularen Tuareg-Rebellen der MNLA hatten Ende März nach dem Sturz der Regierung in Bamako durch eine Gruppe von Soldaten gemeinsam mit den Islamisten von Ansar Dine und der islamistischen Bewegung Mujao den Norden Malis unter ihre Kontrolle gebracht. Anschließend gab es erbitterte Kämpfe, die MNLA wurde von den Islamisten aus den meisten Städten des Nordens vertrieben.
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