Themenüberblick

Trennung ohne Blutvergießen

Fast niemand verstand die Trennung, als sie vor 20 Jahren erfolgte: Zum Jahreswechsel 1992/93 wurden Tschechien und die Slowakei unabhängige Staaten. Die beiden Landesteile der Tschechoslowakei hatten sich nach dem Ende des Sozialismus und dem Zerfall des Warschauer Paktes auseinandergelebt, ohne dass es zu Konflikten wie beim Zerfall Jugoslawiens kam.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Umfragen zeigten 1992 in beiden Landesteilen klare Mehrheiten gegen die Staatstrennung. Die Machtpolitiker Vaclav Klaus (Tschechien) und Vladimir Meciar (Slowakei), die in ihren jeweiligen Landesteilen die Wahlen gewonnen hatten, zogen es vor, ohne Referendum den Staat zu teilen, anstatt mühsam einen Kompromiss zu finden.

Slowakei widerlegte einstige Befürchtungen

Gerade die anfangs wirtschaftlich rückständige Slowakei widerlegte nicht nur alle Befürchtungen, allein kaum überlebensfähig zu sein, sondern wurde sogar zur am schnellsten wachsenden Volkswirtschaft der EU in den Jahren seit ihrem EU-Beitritt 2004. Während die Slowakei seit 2009 stolzes Mitglied der Euro-Zone ist, fühlt sich Tschechien gerade durch seine währungspolitische Unabhängigkeit stark. In beiden Ländern überwiegen in Umfragen jene Antworten, die zugleich Sympathie für den alten gemeinsamen, aber auch Stolz auf den neuen unabhängigen Staat bezeugen.

Die Ministerpräsidenten Tschechiens und der Slowakei zogen 20 Jahre nach der Teilung eine positive Bilanz. Die Trennung sei unausweichlich gewesen, sagte der slowakische Regierungschef Robert Fico am Dienstag in einer Diskussionssendung des tschechischen Fernsehens. Sein Prager Amtskollege Petr Necas nannte den damaligen Schritt richtig: „Die sehr gute Entwicklung beider Länder und ihrer gegenseitigen Beziehungen hat das bestätigt.“

Gemeinsame Infrastrukturprojekte geplant

Fico und Necas kündigten anlässlich ihres Treffens in Brno eine engere Zusammenarbeit der Staatsbahnen vor allem im umkämpften Güterverkehr an. Zudem stellten sie Pläne für eine gemeinsame militärische Luftraumüberwachung in Aussicht. Die Zusammenlegung einzelner Botschaften ist bereits seit längerem im Gespräch.

Link: