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Diverse Ämter in Partei

Einer steilen Karriere ist ein tiefer Absturz gefolgt. Ernst Strasser wird sich demnächst vor Gericht wegen des Vorwurfs der Bestechlichkeit verantworten müssen. Gegen den früheren Innenminister und ÖVP-Delegationsleiter im EU-Parlament wird in der Lobbyingaffäre Anklage erhoben.

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Die Karriere des geborenen Oberösterreichers, der als cholerisch gilt, begann in der niederösterreichischen ÖVP. Dort war er Landesgeschäftsführer ebenso wie Klubobmann und war auch im ORF-Stiftungsrat vertreten. 2000 wurde von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP) in die erste schwarz-blaue Regierung geholt.

Ernst Strasser und Erwin Pröll

APA/Robert Jäger

Strasser 2002 mit dem niederösterreichischen Landeshauptmann Erwin Pröll

Umfärbung bei Polizei

In seiner Amtszeit als Innenminister schuf er sich vor allem mit einer kompromisslosen Asylpolitik den Ruf als Rechtsaußen der Volkspartei. Rasch wurde er als Innenminister zum Buhmann praktisch aller Hilfsorganisationen. Nicht viel besser war sein Image bei der Polizeigewerkschaft. Strasser galt als beinharter Umfärber, gestohlene E-Mails, die 2008 an die Öffentlichkeit kamen, belegen, dass so manche Position nach Parteibuch besetzt wurde. Die Zusammenlegung von Polizei und Gendarmerie gehörte zu Strassers größten Erfolgen.

Im Dezember 2004 tauchte Strasser völlig überraschend aus der Regierung ab. Angesichts eines zu diesem Zeitpunkt unumstrittenen Bundeskanzlers Schüssel und des anhaltenden Erfolgslaufes von Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) sah er fürs Erste seinen politischen Plafond erreicht. Strasser ging in die Privatwirtschaft mit diversesten Beteiligungen.

Rückkehr in Politik als EU-Abgeordneter

2009 kehrte er unter dem damaligen ÖVP-Chef Josef Pröll als Spitzenkandidat für die EU-Wahl in die Politik zurück. Das erzürnte nicht nur so manchen in der Partei, der lieber den altgediente Europapolitiker Othmar Karas an der Spitze gesehen hätte, sondern stellte sich auch, wie man heute sieht, als schwerer Fehler heraus.

Denn die Karriere Strassers als Abgeordneter und Lobbyist im EU-Parlament war nicht von langer Dauer. Im März 2011 wurde die Bestechungsaffäre publik. Strasser bestritt zwar die Vorwürfe und versuchte die Affäre als „Geheimdienstintrige“ darzustellen, die er selbst aufdecken habe wollen. Er konnte damit aber nicht wirklich überzeugen und musste sein Amt räumen. Die ÖVP besann sich plötzlich wieder auf Karas, den sie nach der EU-Wahl trotz seines erfolgreichen Vorzugsstimmenwahlkampfs nicht zum Delegationsleiter gemacht hatte.

„Du wirst dich wundern“

Strasser ist seitdem weitgehend untergetaucht. Er zeigt sich lediglich bei Gerichtsterminen und im parlamentarischen Untersuchungsausschuss der Öffentlichkeit. Im Rahmen eines Auftritts im U-Ausschuss sorgte er Anfang des Jahres mit verheißungsvollen Ankündigung per SMS an „Krone“-Redakteur Claus Pandi für neuerliches Kopfschütteln.

Nach anfänglichem Austausch von Nettigkeiten schrieb Pandi an Strasser: „Irgendwann wirst du mir erzählen, was dir da eingefallen ist“. Strassers Replik: „genau! aber noch nicht jetzt. du wirst dich wundern...“, und weiter: „da wird noch was passieren - kann nächste woche od in halben Jahr sein - den Zeitpunkt bestimm leider nicht ich; dann ist die zeit zum reden“.

Jusstudium in Salzburg abgeschlossen

Strasser wurde am 29. April 1956 in Grieskirchen in Oberösterreich als erstes von sechs Kindern eines Landwirteehepaars geboren. 1981 schloss er in Salzburg sein Jusstudium mit der Promotion ab. Er arbeitete zunächst als Obmann der ÖVP-nahen Österreichischen Studentenunion, dann als Direktionssekretär des Bauernbundes, als Rechtsreferent des oberösterreichischen Bauernbundes und als Gemeinderat in Grieskirchen. 1987 berief ihn der damalige ÖVP-Landwirtschaftsminister Josef Riegler zu seinem Sekretär, zwei Jahre später wurde Strasser stellvertretender Kabinettschef von Vizekanzler Riegler.

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