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Natürliche Inhaltsstoffe als Gefahr?

Es ist die Baumflechte, an der sich das Wissenschaftliche EU-Beratergremium rund um Konsumentensicherheit (SCSS) besonders stößt. Der in zahlreichen Parfums - darunter auch in Chanels Nr. 5 - verwendete Inhaltsstoff steht im Verdacht, allergische Reaktionen auszulösen und könnte deshalb verboten werden.

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Tausende Frauen greifen täglich auf den meistverkauften Duft zurück - es klingt deshalb etwas ungewöhnlich, dass das Parfum gesundheitsschädigend sein soll. Doch wie die britische Society-Website „Daily Mail“ berichtet, erwägt die Kommission, ihre Richtlinien bei Parfuminhaltsstoffen dramatisch zu verschärfen, was Konsequenzen nicht nur für Chanel, sondern etwa auch für Guerlain und Thierry Mugler hätte.

Das Komitee schätzt, dass ein bis drei Prozent der Europäer allergisch oder potenziell allergisch auf die Bestandteile von Parfums reagieren, und überlegt unter Berücksichtigung der wissenschaftlichen Erkenntnisse, ob gesetzliche Maßnahmen zu treffen sind, um die Konsumenten angemessen zu schützen.

Lange Liste „unsicherer“ Substanzen

Seit 2006 müssen Parfumhersteller 26 verschiedene, teils häufig verwendete Inhaltsstoffe bei Verwendung auf der Packung ausweisen, da sie potenziell allergieauslösend sind. Nach Informationen der britischen Website wurde diese Liste vom SCSS nun um 100 weitere „unsichere“ Substanzen erweitert. Einige von ihnen, darunter die Baumflechte, die auch ausschlaggebend ist für den unverkennbaren Duft von „Nr. 5“, sollen ganz aus den Flakons verbannt werden. Das empfiehlt jedenfalls das Beratergremium.

Brad Bitt auf einem Plakat für Chanel No. 5

Corbis/Francis Dean

Die neue Werbeikone des Parfums ist mit Brad Pitt zum ersten Mal ein Mann

Auf der Liste finden sich neben der Baumflechte zahlreiche natürlich vorkommende Essenzen, etwa aus Zitrusfrüchten und der südamerikanischen Tonkabohne. Sie werden zum Teil seit Jahrzehnten zur Parfumherstellung verwendet.

EU: Derzeit keine Absicht, Parfum zu verbieten

Angesichts zahlreicher Medienberichte versucht die EU-Kommission zu beschwichtigen: In einer Aussendung ließ der Kommissionssprecher für Gesundheitspolitik, Frederic Vincent, am Donnerstag wissen, dass noch nichts entschieden sei, und verwies auf Gespräche mit der Kosmetikindustrie. Die Kommission treffe sich diese Woche mit EU-Mitgliedsstaaten und anderen Akteuren etwa aus dem Konsumentenschutz, um das Thema zu diskutieren, hieß es.

Müssen die Inhalte nun geändert werden, wäre das für Parfumhersteller freilich nicht neu - das passierte in den vergangenen Jahrzehnten mehrmals. Der renommierte Parfümeur Roja Dove erklärt, dass aus Gesundheitsgründen etwa Benzol aus den Duftwässern verschwand. Auch Moschus aus geschlachteten Tieren würde nicht mehr verwendet. Einen Ersatz für solche Essenzen zu finden sei aber nicht einfach. „Es ist unmöglich, die Formel zu ändern, ohne dass das Produkt anders riecht“, so Dove.

Müssen dann auch Nüsse verboten werden?

Ein mögliches Verbot kann er nicht nachvollziehen: „Während ich glaube, dass die Gesundheit und das Wohlbefinden des Konsumenten immer im Vordergrund stehen sollte, stellen Sie sich vor, Brüssel ließe alle Nussprodukte verbieten oder einschränken, weil ein paar Leute darauf allergisch sind.“ Es gehe um Düfte, die Menschen seit Jahrzehnten lieben, so Dove. „Ist es also richtig, diese endgültig abzuschaffen?“

Auch bei Chanel zeigt man sich alarmiert: „Es wäre das Ende der schönen Düfte, wenn wir diese Inhaltsstoffe nicht verwenden können“, so Sprecherin Francoise Montenay. Die französische Parfümeur-Vereinigung sieht sogar schon „den Tod von Parfums“ kommen.

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