Entschuldigung bisher erfolglos
Ein Kunstprojekt von Jan Fabre sorgt schon seit Tagen für Aufregung in Belgien: Der bekannte Künstler und Choreograph hatte Ende Oktober im Antwerpener Rathaus von Mitarbeitern Katzen herumwerfen lassen. Ein Video davon gelangte an die Öffentlichkeit. Und seitdem steht Fabre im Zentrum der Kritik - bis hin zu körperlichen Angriffen.
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Für den Dokumentarfilm „Dr. Fabre will cure you“ wurden Katzen in die Höhe und auf eine Treppe geworfen, die nur dürftig mit Unterlagen, die wie Isomatten aussehen, abgedeckt wurde. Ein Mitarbeiter aus dem Rathaus hatte die Aktion gefilmt und online gestellt.
Tausende Mails
Das Miauen der Katzen ist in dem Video laut zu hören, teilweise werden sie von den Werfern, die zu einem französischen Filmteam gehörten, wieder aufgefangen, teilweise landen sie sehr unsanft auf den Treppen. Tierschützer behaupten, den Tieren seien zuvor Beruhigungsmittel verabreicht worden.
Der Sturm der Entrüstung ließ nicht lange auf sich warten. Laut der Zeitung „La Libre Belgique“ erhielt Fabre rund 40.000 Hassmails. Auch eine Facebook-Gruppe gegen die Aktion unterstützten Tausende. Und auch eine Onlinepetition, die sich gegen öffentliche Aufträge für Fabre ausspricht, wurde eingerichtet. Der Zoo in Antwerpen entzog dem Filmteam eine bereits erteilte Drehgenehmigung.
Entschuldigung bei Katzenfreunden
Doch auch andere Töne mischen sich in den Proteststurm: Natürlich sei Tierschutz wichtig, aber einen solchen Aufruhr würde man sich auch wünschen, wenn es um Menschen und Menschenrechte gehe, hieß es in einigen geposteten Kommentaren auf diversen Websites.
Fabre selbst entschuldigte sich im Flämischen Rundfunk VRT: „Es tut mir leid, wenn ich Menschen schockiert habe, das wollte ich nicht.“ Es tue ihm auch leid, dass die Katzen hart gelandet seien, er wollte nicht, dass sie verletzt werden. Den Tieren gehe es auch gut, sie hätten keinen Schaden genommen. „Ich möchte mich bei allen Katzenfreunden entschuldigen“, sagte er zudem.
In Park angegriffen
In dem Interview erzählte er auch, dass er beim Joggen in einem Park in Antwerpen von einigen Männern zusammengeschlagen worden sei. Er sei von sieben Männern abgepasst worden, die ihm auf den Kopf und gegen die Nieren geschlagen hätten. Zwei seien auch mit Stöcken auf ihn losgegangen. Er sei „um sein Leben“ gelaufen, meint Fabre gegenüber der Tageszeitung „De Standaard“. Zudem habe er mehrere Nächte an unterschiedlichen Orten geschlafen. Belgische Medien berichten, dass Fabre indessen unter Polizeischutz gestellt wurde.
Vorfall auch Politikum
Gegenüber dem Fernsehsender RTBF sagte Fabre allerdings auch, dass der Vorfall mittlerweile aufgebauscht und skandalisiert werde. Tatsächlich ist der Fall mittlerweile ein Politikum: Der Vizebürgermeister der Stadt, Luc Bungeneers, hat genauso wie die Tierschutzorganisation GAIA eine Anzeige eingebracht. Bungeneers gehört zur Neuen Flämischen Allianz (N-VA), die bei der Wahl im Oktober die jahrzehntelang regierenden Sozialisten aus dem Rathaus geworfen hatte - und diese hatten die Drehgenehmigung erteilt.
Das Katzenmotiv kommt in Fabres Werken öfter vor, so gibt eine einige Skulpturen mit ausgestopften Katzen von ihm. Mit den geworfenen Katzen wollte er auf das berühmte Bild des US-Fotografen Philippe Halsman anspielen, der den springenden Salavador Dali gemeinsam mit drei „fliegenden“ Katzen abgelichtet hatte. Das Thema scheint derzeit überhaupt ganz groß in Mode zu sein: Katzen durch die Luft wirbeln zu lassen, ist gerade in den USA ein Internethit - und das, ohne den Tieren wehzutun.
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