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Von Imam inszeniert?

Trotz entlastender Aussagen der Polizei zieht sich das Blasphemieverfahren gegen eine junge Christin in Pakistan weiter hin. Der Hohe Gerichtshof in Islamabad vertagte Anfang Oktober seine Beratungen darüber, ob das Verfahren gegen das geistig zurückgebliebene Mädchen Rimsha Masih aus Mangel an Beweisen eingestellt werden soll. Sie soll ein Buch mit Koranversen verbrannt haben.

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Das Gericht legte den nächsten Termin auf den 17. Oktober. Zuständig wird dann ein Jugendgericht sein, nachdem ihr Alter eindeutig festgestellt worden war. Zuvor hatte der Anwalt eines muslimischen Nachbarn von Rimshas Familie, der die etwa 14 Jahre alte Jugendliche wegen Gotteslästerung angezeigt hatte, um mehr Zeit gebeten.

Imam verhaftet

Rimsha war Mitte August festgenommen worden und saß bis zur ihrer Freilassung gegen eine Kaution Anfang September im Gefängnis. Zu diesem Zeitpunkt hatte die pakistanische Polizei den islamischen Geistlichen Hafiz Mohammed Khalid Chishti festgenommen, der das Verfahren ins Rollen gebracht hatte. Der Imam wird verdächtigt, gefälschte Beweisstücke vorgelegt zu haben. Mitarbeiter des Geistlichen sagten den Ermittlern, dass dieser selbst den von Rimsha verbrannten Papieren Seiten aus dem Koran hinzugefügt habe.

Aussagen zurückgezogen

Die Polizei legte bereits Unterlagen vor, wonach keine Beweise für die Vorwürfe gefunden wurden. Die Ermittler belasteten stattdessen einen Imam, der Rimsha beschädigte Koranseiten in die Tasche geschmuggelt haben soll. Eine neue Wendung nahm der Fall Allerdings Anfang Oktober, als sieben der neun Belastungszeugen gegen den Imam nach Angaben von dessen Anwalt ihre Aussagen zurückzogen. Anwalt Wajid Ali Gilani sagte: „Die sieben Zeugen haben heute ausgesagt, dass der Imam unschuldig war.“ Sie seien von der Polizei gezwungen worden, den Geistlichen zu beschuldigen.

Ein Polizeisprecher sagte, der Rückzug einiger Zeugen mache keinen Unterschied. Es gebe genug Beweise dafür, dass der Imam Rimsha zu Unrecht belastet habe. Sie und ihre Familie halten sich unter dem Schutz der Regierung an einem unbekannten Ort auf. Eine Ausreise aus Pakistan sei aber nicht geplant, berichteten Medien. Die Festnahme Rimshas hatte international und auch unter muslimischen Klerikern in Pakistan für Proteste gesorgt.