Bonus dank Kursmanipulation?
Die Staatsanwaltschaft Wien hat in der Causa Kursmanipulation am Mittwoch Anklage gegen die ehemaligen Telekom-Austria-Vorstände Rudolf Fischer, Stefano Colombo und Heinz Sundt sowie den Bankier Johann Wanovits erhoben. Wegen Verdachts der Untreue drohen ihnen bis zu zehn Jahre Haft.
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Bei der Kursmanipulation ging es um ein Bonusprogramm, das Managern der Telekom Austria (TA) hohe Zusatzeinkommen garantierte. Die Voraussetzung dafür war aber, dass die Aktien des Unternehmens steigen. Diesen Kurssprung soll der Bankier Wanovitz im Februar 2004 im Auftrag der drei genannten Vorstandsvorsitzenden der Telekom Austria AG bewerkstelligt haben, wodurch es zur Ausschüttung einer Provision von insgesamt rund neun Mio. Euro an etwa 100 Führungskräfte des Unternehmens kam, lautet der Vorwurf der Staatsanwaltschaft.

APA/Günter R. Artinger
Rudolf Fischer, Heinz Sundt und Stefano Colombo (v. l. n. r.) im Jahr 2002
1,5 Mio. Euro als Gegenleistung
Die angeklagten Vorstandsvorsitzenden sollen davon in großem Ausmaß profitiert haben. Wanovitz soll als Gegenleistung von der Telekom Austria AG mehr als 1,5 Mio. Euro erhalten haben, die zwischen 2004 und 2008 - teilweise durch Bargeldzahlungen, teilweise über Scheingeschäfte - transferiert wurden, wie die Staatsanwaltschaft in ihrer am Mittwoch veröffentlichten Stellungnahme schreibt.
Die Anklage ist aber noch nicht rechtskräftig, da die Angeklagten innerhalb von 14 Tagen Einspruch einlegen können. Kommt der Fall vor Gericht, drohen den Ex-Managern Haftstrafen von bis zu zehn Jahren. Für alle gilt die Unschuldsvermutung.
Wanovitz: „Kurs bewusst nach unten gedrückt“
In einer ersten Stellungnahme erklärte sich Wanovitz bereit, vor einem Richter auszusagen. Er wolle zeigen, dass er kein strafbares Verhalten gesetzt, sondern ein börsenübliches Geschäft durchgeführt habe. „Die FMA hat schon 2004 bestätigt, dass ich den Kurs nicht manipuliert habe“, erklärte der Brooker in einer Aussendung.
Vielmehr gehe er davon aus, dass jemand den Kurs der TA-Aktien bewusst nach unten gedrückt hat. „Offensichtlich sollten die TA-Mitarbeiter nicht in den Genuss des Optionsprogramms kommen“, ließ er über seinen Anwalt Rainer Rienmüller wissen.
Verrechnung über Hochegger-Firma
Der ganze Fall wurde im Zuge der Ermittlungen gegen den Lobbyisten Peter Hochegger aufgedeckt. Wanovitz soll seinen Anteil an der Aktienverkaufsaktion über Valora, der Firma von Hochegger, abgewickelt haben. Der Ex-TA-Manager Gernot Schieszler, der als Kronzeuge gegenüber der Justiz auftritt, bestätigte dieses Vorgehen in seinen Aussagen.
Die Staatsanwaltschaft Wien ermittelt im äußerst umfangreichen TA-Fall noch auf weiteren Ebenen, „wobei das Verfahren insgesamt gegen etwa 40 Beschuldigte geführt wird“, heißt es von der Staatsanwaltschaft. Die Ermittlungen im Teilbereich Aktienoptionsgeschäfte wurden im Februar 2011 von der Staatsanwaltschaft aufgenommen. Das Ermittlungsverfahren hinsichtlich der von der Anklage nicht erfassten Verdachtsmomente wird - parallel zum bevorstehenden Hauptverfahren - fortgesetzt. Mit weiteren Anklagen wird zu rechnen sein.
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