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Keine langfristige Planung

Vor rund zwei Jahren begannen die Sondierungsgespräche für den Verkauf des Mobilfunkers Orange Österreich, parallel dazu wurden die Investitionen in das Orange-Netz auf großteils Instandhaltungsmaßnahmen zurückgefahren. Sollte die Übernahme durch „3“ platzen, wird es für Orange schwierig, sich auf dem heimischen Markt weiter zu behaupten.

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Derzeit prüft die EU-Wettbewerbsbehörde, inwieweit die Übernahme von Orange durch Hutchison („3“) den Wettbewerb in Österreich beeinflusst und womöglich die Preise für Konsumenten steigen lässt. So es keine Verzögerungen etwa durch neue Zugeständnisse von „3“ gibt, wird das Urteil der EU-Behörde bis Ende November erwartet.

Investitionen deutlich zurückgefahren

Auch das Urteil des heimischen Kartellgerichts, das auf Antrag der Bundeswettbewerbsbehörde den Verkauf der Orange-Tochter Yesss an Marktführer A1 prüft, soll bis dahin feststehen. Ende November entscheidet sich somit das Schicksal des heimischen Mobilfunkers Orange - und egal wie das Urteil der Wettbewerbsprüfer ausfallen wird, befürchten Branchenbeobachter so oder so ein Ende der Marke Orange.

Zwar ist das Unternehmen laut Angaben des aktuellen Chefs Georg Krammer von März dieses Jahres „kerngesund“, seit Anfang 2011 hat Orange die Investitionen in sein Mobilfunknetz aber deutlich zurückgefahren, wie von Branchenkennern zu erfahren war. Seit Mitte 2011 verhandeln die Orange-Eigentümer France Telecom und Mid Europa mit „3“ offiziell, Gerüchte über einen Verkauf gab es bereits einige Zeit zuvor.

LTE-Ausbau durch Übernahme verzögert

Bei der Versteigerung der ersten LTE-Frequenzen im Bereich 2,6 GHz im September 2010 etwa kaufte Orange deutlich weniger Bandbreite als die Konkurrenz. Bis dato hat Orange mit dem Ausbau eines LTE-Netzes noch gar nicht begonnen, obwohl laut Auflagen alle Mobilfunker bis Ende 2013 25 Prozent der österreichischen Bevölkerung mit LTE versorgen müssen.

Zuletzt hieß es von Orange, dass LTE mangels Geräten und Services und damit Kundeninteresse noch kein Thema sei, mit dem iPhone 5 und dem jüngsten iPad hat sich das aber schlagartig geändert. Bisher scheitert der breitflächige Ausbau von LTE in Österreich allerdings an den fehlenden Frequenzen, die Versteigerung der digitalen Dividende wurde aufgrund der Fusion auf voraussichtlich Herbst 2013 verschoben. Mit den aktuellen Frequenzen lässt sich LTE nur im Stadtgebiet kostendeckend realisieren.

UMTS im Status-quo-Modus

Doch auch bei UMTS für mobiles Breitband ist Orange stark ins Hintertreffen geraten. Derzeit soll das Orange-Netz bereits hinter denen der Konkurrenz liegen. Hier hieß es zuletzt, dass die Netze im Status quo erhalten werden. Das bedeutet, dass es zwar kleinere Updates gab, die großen Investitionen blieben aber seit bald zwei Jahren aus, bestätigen auch Branchenbeobachter.

Die im April 2011 angekündigte Netzkooperation mit T-Mobile für die gemeinsame Nutzung von Technik und Standorten wurde laut Angaben von T-Mobile auch nicht realisiert. Stattdessen bereitet sich T-Mobile darauf vor, die Netze von „3“ für UMTS zu nutzen. Von der ebenfalls angekündigten Einkaufskooperation zwischen der Orange-Mutter France Telecom und T-Mobile soll Orange Austria ebenfalls nicht profitiert haben.

Finanzierung bis zur Übernahme gesichert

Gerade in der schnelllebigen Welt der Handys, Smartphones und Tablets sind laufende Investitionen das Um und Auf, um bei dem, gerade in Österreich, harten Wettbewerb nicht den Anschluss zu verlieren. Derzeit gibt es bei Orange keine langfristigen Planungen, das bedeutet, dass bei einem Scheitern der Übernahme sämtliche Planungen neu gemacht werden müssen. Offiziell war auf Anfrage von ORF.at von Orange aktuell dazu nichts zu erfahren.

Finanziell schaut es für Orange ebenfalls nicht rosig aus. Die Finanzierung ist nur bis zum Closing des Deals gesichert, was im Fall eines Scheiterns geschieht, ist derzeit nicht klar. Zwar gibt es laut Krammer einen Plan B, den muss es naturgemäß auch geben, er werde aber erst kommuniziert wenn es so weit ist, so Krammer im März. Die aktuellen „Kampfpreise“ soll Orange so nicht lange durchhalten können, sie werden zudem als Reaktion auf das schlechter werdende Netz gewertet, so Branchenkenner.

Säbelrasseln der zuständigen Behörden

Ob die Übernahme von Orange durch „3“ tatsächlich realisiert wird und zu welchen Konditionen, wird sich zeigen. Auch bei der Übernahme von tele.ring durch T-Mobile 2006 kam es zu einer vertieften Prüfung, schließlich musste T-Mobile Standorte abgeben - Nutznießer war damals auch „3“. Derzeit rittert T-Mobile gegen den Deal und argumentiert, dass „3“-Orange einen Wettbewerbsvorteil bei LTE hätte und fordert seinerseits eine Neuverteilung der 1.800er Frequenzen für den LTE-Ausbau.

Abgesehen vom Ausgang dieser Diskussionen ist sicher, dass der lange Verkaufsprozess auch vonseiten der aktuellen Eigentümer die Marke Orange unnötig stark belastet und damit beschädigt hat. Im Falle einer Übernahme ist das wohl egal, schließlich soll die Marke unter dem neuen Eigentümer „3“ nicht weitergeführt werden. Das durch die fehlenden Investitionen auch das Orange-Netz abgewertet wurde, wird sich so oder so noch nachhaltig auswirken.

Nadja Igler, ORF.at

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