Gute Tipps für Machthaber
“Asma al-Assad ist glamourös, jung und sehr schick." Das war der erste Satz in einem Porträt in der März-Ausgabe der „Vogue“ im Jahr 2011. Unter dem Titel „Eine Rose in der Wüste“ hieß es weiter, das größtes Anliegen der syrischen First Lady sei es, die jungen Syrier zu „aktiven Bürger“ zu machen. Zur selben Zeit begannen die Proteste in dem Land - und das Regime ihres Mannes ging mit eiserner Hand dagegen vor.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
Als der Konflikt immer blutiger wurde, war der Artikel von der „Vogue“-Website plötzlich verschwunden. Dann wurde auch bekannt, wie es zu dem Interview gekommen war. Die US-PR-Firma Brown Lloyd James bekam von der syrischen Regierung 5.000 Dollar pro Monat, um für ein gutes Image zu sorgen.
PR-Konzept für Regime
Das Unternehmen meinte zwar, es habe die Zusammenarbeit mit dem Regime im Dezember 2010 beendet, Dokumente widersprechen dem aber. So tauchte via WikiLeaks heuer eine E-Mail auf, in der Brown Lloyd James im Mai 2011 dem Regime auf vier Seiten ein PR-Konzept vorschlug: Die Führung müsse neben dem harten Durchgreifen auch Bereitschaft für Reformen kommunizieren, berichtete unter anderem das Webportal OWNI.
Assad müsse öfter auftreten, seine Frau einbezogen werden. Der Schlüssel sei, Stärke und Verständnis zu zeigen. Gleichzeitig müssten aber Soziale Netzwerke überwacht und „falsche Sites“ aus dem Verkehr gezogen werden. Brown Lloyd James sagte dazu, das Papier sei ein Versuch gewesen, Assad zum Einlenken zu bewegen, auf den das Regime nicht eingestiegen sei.
Auch Gaddafi als Klient
Es war nicht der einzige umstrittene Deal: 2009 schloss das PR-Unternehmen einen Vertrag mit Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi, der ihm zu Gastkommentaren in renommierten westlichen Zeitungen und Auftritten, unter anderem vor der UNO und einigen Unis in den USA und in London, verhalf. Es war jene Zeit, als sich Gaddafi von der „Achse des Bösen“ verabschiedete, Verantwortung für den Lockerbie-Anschlag übernahm - und sich damit die diplomatischen Beziehungen zum Westen normalisierten.
Olympia nach China geholt
Treibende Kraft des Syrien-Deals bei Brown Lloyd James war Mike Holtzman, der zuvor auch für die US-Regierung gearbeitet hatte. Bekannt wurde er spätestens damit, dass er die PR für die Olympiabewerbung von Peking 2008 orchestrierte. Die Vergabe an China - trotz Bedenken ob der Menschenrechtslage - brachte ihm 2002 den Titel „PR Person of the Year“ des Branchenmagazins „PRWeek“ ein. Auch das Projekt, 2022 die Fußballweltmeisterschaft nach Katar zu holen, war erfolgreich. Lediglich die Bewerbung von Doha für die Sommerspiele 2020 sollte scheitern.
Diplomatie „privatisieren“
Seine Vorstellung von Politik und Diplomatie legte Holtzman in einem Gastkommentar in der „New York Times“ dar. Darin plädiert er für eine Privatisierung der diplomatischen Beziehung zwischen den USA und dem Nahen Osten: Der US-Regierung würden in den islamischen Ländern zu vielen hemmende Vorurteile entgegengebracht. Mittels privater Kooperationen im wissenschaftlichen, wirtschaftlichen, kulturellen und auch sportlichen Bereich sei das zu umgehen, schreibt er darin.
Links: