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Milliardärin für niedrigere Mindestlöhne

Das „Forbes“-Magazin kürte Georgina Hope Rinehart, Erbin des australischen Bergbaukonzerns Hancock, 2011 erstmals zur reichsten Frau der Welt. Mit einem geschätzten Vermögen von rund 22 Milliarden Euro spielt sie in der Liga von Bill Gates und Carlos Slim. Doch die 58-Jährige ist alles andere als beliebt in ihrer Heimat. Und ihre jüngsten Aussagen tragen das Ihre dazu bei.

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In ihrer Kolumne für das Magazin „Australian Resources and Investment“ rät sie allen, die neidisch auf die Reichen sind, „weniger Zeit mit Trinken oder Rauchen oder dem Treffen von Leuten zu verbringen, und lieber mehr zu arbeiten“, um selber erfolgreich zu sein. „Werdet einer der Menschen, die hart arbeiten, investieren und aufbauen und so Jobs schaffen“, schreibt Rinehart. „Es gibt kein Monopol auf Reichtum“.

Gleichzeitig forderte Rinehart die australische Regierung dazu auf, die Mindestgehälter von 606 australischen Dollar (ca. 500 Euro) pro Woche zu kürzen und gleichzeitig Steuern zu senken, um die Beschäftigung anzukurbeln. Außerdem fordert sie mehr Anerkennung für ihren Reichtum. Schließlich würden Millionäre wie sie weit mehr als alle anderen dazu beitragen, den Armen zu helfen.

„Soll selbst einmal vom Mindestlohn leben“

Diese Aussagen kommen zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, steckt Australien doch gerade mitten in einer Rohstoffkrise. Erst vergangene Woche hatte Australiens Ressourcen- und Energieminister Martin Ferguson das Ende des Bergbaubooms ausgerufen, nachdem der größte Minenbetreiber BHP Billiton zwei geplante Investitionen im Wert von 40 Milliarden Dollar auf Eis gelegt hatte. Und auch Rinehart wäre gut beraten, sich mehr auf ihr geplantes Eisenerzprojekt in Roy Hill zu konzentrieren, statt gute Ratschläge zu verteilen, zitiert der „Sydney Morning Herald“ aus Unternehmerkreisen.

Die Reaktionen waren dementsprechend empört. Für Finanzminister Wayne Swan ist Rineharts Kommentar eine „Beleidigung für Millionen australische Arbeiter, die jeden Tag zur Arbeit gehen und sich abrackern, um die Kinder zu ernähren und die Rechnungen zu bezahlen.“ Gesundheitsministerin Tanya Plibersek ätzte, dass es für Rinehart ein Leichtes sei, geringere Mindestlöhne zu fordern. „Ich denke, sie soll selbst einmal versuchen, vom Mindestlohn zu leben“, so Plibersek gegenüber dem „Sydney Morning Herald“ („SMH“).

Reichtum dank Abbaulizenzen

In Verlegenheit, einmal selbst den Mindestlohn zu beziehen, wird Rinehart wohl so schnell nicht kommen. Nach dem Tod ihres Vaters, dem Bergbaupionier Lang Hangcock, in den 90er Jahren hat sie seine Eisenerzlizenzen übernommen, die jedes Jahr rund 70 Mio. Dollar in die Kasse spülen. Mit dieser „Kriegskasse“ ausgestattet, baute sie das Unternehmen zum fünftgrößten Bergbaukonzern der Welt aus. Allein im vergangenem Jahr konnte Rinehart dank hoher Eisenpreise und einem massiven Anstieg der Exporte nach China ihr Vermögen nahezu vervierfachen.

Auf der Suche nach einem neuen Image

Doch der öffentlichkeitsscheuen Milliardärin klebt immer noch das Image der Vermögensverwalterin ihres Vaters an, die selbst noch nichts geschaffen hat. Ihr Kohleprojekt in Queensland verkaufte sie zum größten Teil an ein indisches Unternehmen. Natürlich wegen der horrenden Lohnkosten, wie sie nicht müde wird zu behauptete - und nicht wegen der nachlassenden Erträge, wie Experten vermuten.

Nun will sie endlich selbst den Sprung zur Minengroßbesitzerin schaffen. In Roy Hill im Westen Australiens entsteht gerade für acht Milliarden Euro eine gigantische Eisenerzmine. Dazu eine eigene Hochleistungseisenbahnstrecke und ein Hafen, von dem die Erze direkt zu den großen Stahlproduzenten nach Asien verschifft werden. Eigentlich hätte das Projekt 2014 fertig sein sollen, doch „besondere Herausforderungen“ haben laut Rinehart zu Verzögerungen geführt.

Familienstreit unterhält ganz Australien

Die Herausforderungen sind diesmal jedoch nicht die australischen Lohnkosten, sondern durchaus selbst gemacht. Seit einem Jahr ist Rinehart in einen handfesten Familienstreit verstrickt. Nachdem sie drei ihrer Kinder den Geldhahn aus der familieneigenen Treuhandstiftung zugedreht hatte, ging der Nachwuchs vor Gericht. Erst im März dieses Jahres lehnte der Richter den Antrag der 58-Jährigen ab, den Fall hinter verschlossenen Türen zu verhandeln. Seitdem werden die Australier regelmäßig mit neuen Details aus der streitbaren Familie Rinehart versorgt.

Während die Kinder John Langley Hancock, Bianca Hope Rinehart und Hope Rinehart Welker (27 bis 38) ihre Mutter als herrschsüchtig, misstrauisch und geizig beschreiben, wirft sie ihren Kindern Faulheit und Inkompetenz vor. Nur Nesthäkchen Ginia (25) hält noch zu Mama. Dafür fährt sie nach Angaben ihres Bruders im Rolls-Royce zum Shoppen.

Minenträume vor dem Scheitern?

Neben dem Familienstreit machen Rinehart auch die fallenden Preise für Rohstoffe schwer zu schaffen. Vergangene Woche war Eisenerz etwa so billig wie seit 32 Monaten nicht mehr. Damit wird es zunehmend schwierig, Banken und Investoren von ihrer neuer Supermine zu überzeugen. Dennoch hoffen Insider, dass Rinehart mit ihrem Bergbauprojekt mehr Erfolg haben wird als mit ihrem Ausflug in die Welt der Medien. Die Mediengruppe Fairfax, bei der sie jüngst ihre Anteile erhöhte, kündigte im Juni den Abbau von 1.900 Jobs an.

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