Syrische Flüchtlinge: Athen verstärkt Grenze zur Türkei
Aus Angst vor einer Flüchtlingswelle aus Syrien lässt Griechenland die EU-Außengrenze zur Türkei noch schärfer bewachen. 1.800 Grenzpolizisten würden zusätzlich an die Grenze geschickt, sagte Justizminister Nikolaos Dendias heute nach einem Treffen mit dem griechischen Regierungschef Antonis Samaras. Auf dem Grenzfluss Evros würden weitere Patrouillenboote eingesetzt.
Über die griechisch-türkische Grenze gelangen Hunderttausende Flüchtlinge aus Asien und Afrika illegal in die Europäische Union. Seit einigen Monaten patrouillieren an der Grenze neben griechischen Beamten auch Dutzende Mitarbeiter der EU-Grenzagentur Frontex.
In der vergangenen Woche hatte Dendias angekündigt, dass sein Land trotz internationaler Kritik am Bau eines knapp elf Kilometer langen Grenzzauns zur Türkei festhalte. Er soll Anfang Oktober fertig sein.
Syrischer Diplomat verlässt Dienst in London
Unterdessen hat der höchstrangige Diplomat Syriens in Großbritannien seinen Dienst aus Protest gegen die Regierung in Damaskus quittiert. Der Geschäftsträger der Botschaft, Chalid al-Ajubi, wolle nicht länger für ein Regime arbeiten, dass solch „gewalttätige Akte gegen seine eigene Bevölkerung“ verübe, teilte das britische Außenamt heute mit.
Türkei schickte Truppen an syrische Grenze
Die Türkei schickte Truppen und schweres Gerät an die syrische Grenze nahe Aleppo. Ein Konvoi aus rund 20 Truppentransportern sowie Fahrzeugen beladen mit Flugabwehrbatterien und Panzerfahrzeuge sei in der Nähe der Stadt Kilis an der Grenze in militärischem Sperrgebiet stationiert worden, berichteten staatliche Medien und Augenzeugen heute.
Die Türkei befürchtet ein Eskalieren der Lage in ihrem Nachbarland und hat wiederholt mit einem Eingreifen gedroht, sollte der Konflikt auf sein Gebiet überschwappen. Zuletzt war es zu Spannungen zwischen den beiden Ländern gekommen, nachdem Syrien einen türkischen Kampfjet abgeschossen hatte.
Die Gegend auf syrischer Seite der Grenze bei Aleppo soll zudem teils von kurdischen Kämpfern kontrolliert werden, die mit der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) verbündet sind. Der türkische Premierminister Recep Tayyip Erdogan drohte vergangene Woche, kurdische „Terroristen“ auch auf das Staatsgebiet Syriens zu verfolgen.
Kontrollposten fällt an Rebellen
Die Rebellen in Aleppo brachten inzwischen einen Kontrollposten unter ihre Kontrolle, der ihnen eine Nachschubroute aus der Türkei sichert. Der strategisch wichtige Ort fiel nach rund zehnstündigem Kampf in der Früh an die Aufständischen, wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Der betreffende Kontrollpunkt Anadan liegt etwa fünf Kilometer nordwestlich von Aleppo und rund 45 Kilometer von der türkischen Grenze entfernt.
Massenflucht aus Aleppo
Durch die Großoffensive der syrischen Regierung mussten allein in den letzten 48 Stunden 200.000 Menschen aus der Millionenmetropole Aleppo fliehen, wie die Vereinten Nationen schätzen. Angesichts der Flüchtlingswelle wappnet sich das Nachbarland Jordanien mit einem riesigen Camp: 120.000 Syrer sollen in dem gestern eröffneten Zeltlager an der jordanisch-syrischen Grenze Schutz finden. In Aleppo spitzt sich die Lage zu. Nachdem Regierungstruppen Zivilisten vertrieben haben, erwarten Rebellen die entscheidende „Schlacht aller Schlachten“.
Mehr dazu in Viele in umkämpfter Stadt eingeschlossen
Armee meldete Gefechte an Grenze zu Jordanien und Libanon
Die syrische Armee vereitelte eigenen Angaben zufolge den Grenzübertritt bewaffneter Gruppen aus Jordanien und dem Libanon. Dabei sei es in der Nähe der Städte Homs und Daraa zu Kämpfen gekommen, bei denen Dutzende Eindringlinge getötet oder verwundet wurden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur SANA. Überlebende seien zurück in die jeweiligen Länder geflüchtet.