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Ministerin kontert mit Sarkasmus

Ihre Rede über aktuelle architektonische Vorhaben hat die französische Bautenministerin Cecile Duflot (Grüne) am Dienstag nur mit Mühe halten können. Der Grund dafür lag an einem blau-weiß geblümten Petticoat-Sommerkleid, in dem sie an das Rednerpult trat. Das war offenbar mehr, als - vor allem die konservativen - Abgeordneten verkraften konnten.

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Das Raunen, die Pfiffe, die lauten „Oh“ und „Ah“ und die „witzigen“ Kommentare von der Abgeordnetenbank wollten gar kein Ende nehmen. Parlamentspräsident Claude Bartolone musste die Versammlung zur Ruhe auffordern, um es Duflot zu ermöglichen, das Wort zu ergreifen. Diese reagierte gelassen: „Meine Damen und Herren Abgeordneten, aber vor allem die Herren Abgeordneten offensichtlich ...“, begann sie ihren Redebeitrag.

Duflot denkt lieber an andere Männer

Die Ministerin zeigte sich danach, auf die Reaktionen der Abgeordneten angesprochen, „überrascht“ und „erstaunt über dieses Niveau. Ich habe zuvor im Baubereich gearbeitet, so etwas aber noch nie erlebt.“ Hämisch fügte sie hinzu, das „sagt etwas über diese Abgeordneten aus, und ich denke besonders an ihre Ehefrauen“. Sie wolle sich mit dem Vorfall jedoch nicht weiter beschäftigen, sondern lieber an die vielen anderen Männer - ob Politiker oder nicht - denken, die anders seien.

Andere sahen den Vorfall nicht so gelassen. Frauenministerin und Regierungssprecherin Najat Vallaud-Belkacem (Parti Socialiste/PS)erklärte danach, sie sei sich „bewusst, dass der Sexismus keine Grenzen kennt. Die Politiker müssen auch in dem Bezug exemplarisch sein.“ Umweltministerin Delphine Batho (PS) empörte sich, „die Tatsache, dass gewisse Verhaltensweisen nur von einer Minderheit praktiziert werden, machen sie nicht erträglicher“.

Empörung über „sexistischen Haufen“

Vor allem aber in Internetforen und auf Sozialen Plattformen wie Twitter und Facebook entlud sich der Zorn vieler Französinnen über das Machogehabe der Abgeordneten, die auch laut Parlamentsprotokoll samt und sonders der vormaligen Regierungspartei UMP angehören. Von einem „Haufen sexistischer Idioten“ war da etwa die Rede, deren Sichtweise vor allem „vom eigenen Testosteronniveau“ definiert wird. Das wollten die Angesprochenen nicht auf sich sitzen lassen - und machten damit alles nur noch schlimmer.

Der 63-jährige Abgeordnete Patrick Balkany meinte etwa gegenüber der Zeitung „Le Figaro“, Duflot hätte sich eben anders anziehen sollen, wenn sie die „bewundernden“ Kommentare über „ihren neuen Look“ nicht gewollt hätte, und fügte sogar hinzu: „Vielleicht hat sie das Kleid ja nur angezogen, weil sonst niemand dem zugehört hätte, was sie zu sagen hatte.“ Nicht viel anders äußerte sich Balkanys 64-jähriger Kollege Jacques Myard, der gegenüber dem „Express“ erklärte, die Reaktionen seien nur eine „Würdigung der Schönheit dieser Frau“ gewesen.

Frankreichs Wohnbauministerin Cecile Duflot in Jeans

AP/Thibault Camus

Auch Jeans passen den konservativen Abgeordneten nicht

„Spitze auf der Matratze“

Dass die UMP-Abgeordneten lediglich die politische Konkurrentin mit sexistischen Mitteln desavouieren wollten, kann ausgeschlossen werden: Auch die vormalige konservative Sportministerin Chantal Juanno beschwerte sich über „skurrile Kommentare“, wenn sie im Parlament mit einem Rock erschien. Im Herbst vor einem Jahr erklärte sogar der damalige Präsidentenberater Pierre Charon über die vormalige Karatesportlerin, sie sei „spitze, egal ob auf der Matte oder der Matratze“. Danach war aber zumindest er seinen Job los.

Es lag jedenfalls nicht an Duflots Kleid: Als sie zuletzt in Jeans auftrat, war das Echo ähnlich. Das Blog des Nachrichtensenders „France 24“ erinnerte in dem Zusammenhang daran, dass jenes Gesetz aus dem Jahr 1799, das es Frauen verbot, „sich wie Männer anzuziehen“, in Frankreich offiziell noch in Kraft sei. Noch 1972 wurde der späteren Außenministerin Michele Alliot-Marie deshalb tatsächlich der Zutritt zum Parlament verwehrt - allerdings nur kurz, denn Alliot-Marie erklärte dem Sicherheitspersonal: „Wenn Sie sich durch meine Hose gestört fühlen, kann ich sie auch ausziehen.“

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