US-Marine erhöht Präsenz deutlich
Im Streit der USA mit dem Iran steht nicht nur noch dessen umstrittenes Atomprogramm im Vordergrund. Mittlerweile dreht sich der Konflikt auch um eine mögliche Blockade der Straße von Hormus - aus iranischer Sicht eine Trumpfkarte gegen die westliche Embargopolitik. Die USA geben deutlich zu verstehen, dass sie eine Blockade der Seeverbindung nicht tolerieren werden und rüsten in der Region auf.
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Laut einem Bericht der „New York Times“ („NYT“, Donnerstag-Ausgabe) liegt seit vergangener Woche die „USS Ponce“, ein als mobile Einsatzplattform „revitalisiertes“ altes Kriegsschiff, einsatzbereit vor der Küste Omans - nicht weit entfernt von der Straße von Hormus, der Passage zwischen dem dem Persischen Golf und dem Golf von Oman.

AP/Steve Helber
Die eigentlich schon zur Verschrottung vorgesehene „Ponce“ wurde zur Einsatzzentrale auf See umgebaut
Plattform für Navy SEALs und Co.
Die „Los Angeles Limes“ („LA Times“) berichtete von der Verlegung einer großen Anzahl von Unterwasserdrohnen in die Region. Die „Ponce“ diene künftig als „Plattform für wichtige militärische Operationen“ im Nahen Osten, so die „NYT“, und sei ein aktuelles Beispiel für die „neue Art amerikanischer Kriegsführung“, die sich stärker auf begrenzte Operationen konzentriert als früher.
„Revitalisiertes“ Kriegsschiff
Die 1966 gebaute „USS Ponce“ (LPD-15) wurde ursprünglich als „Amphibious Transport Dock“, Kriegsschiff zur Unterstützung von Einsätzen auf und unter Wasser genutzt, künftig dient sie als mobile Einsatzplattform. Bis 2016 sollen weitere zwei Schiffe dieser Bauart einsatzbereit sein. Sie sind mit einem Hubschrauberhangar, einem Feldspital und Wasseraufbereitungsanlagen ausgestattet und können Schnellboote, wie sie etwa von Kommandoeinheiten wie den Navy-SEALs verwendet werden, aufnehmen.
Ursprünglich sei die Mission der „Ponce“ „niederschwellig und defensiv“ ausgelegt gewesen, so die US-Zeitung. Mit Platz für mobile Container biete das Schiff allerdings auch Platz für Hunderte Spezialeinsatzkräfte, wie sie für Geiselbefreiungen, Anti-Terror-Operationen, Sabotage und andere Kommandoaktionen eingesetzt werden. Auf der Plattform können Hubschrauber landen, sie dient als Basis für Kampftaucher und Versorgungsplattform für Minenräumschiffe.
„Verbündete und Freunde sind wichtig, aber sie können gegen US-Missionen von ihrem Territorium Veto einlegen“, heißt es in der „NYT“ weiter. Deshalb operiere die „Ponce“ von internationalen Gewässern aus. Doch die USA sind in der Region nicht nur mit der schwimmenden Einsatzplattform präsent. Laut „LA Times“ sind bereits acht Minensuchschiffe, zwei Flugzeugträger, ein Geschwader F-22-Kampfjets und Hubschrauberstaffeln präsent. In Kuwait hätten die USA zwei Bataillone Marineinfanterie stationiert.
Auch Iran lässt Muskeln spielen
Die iranische Führung dürfte den US-Aufmarsch äußerst kritisch sehen und lässt daher ihrerseits militärisch die Muskeln spielen. Anfang Juli testeten die Revolutionsgarden laut Bericht der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur IRNA Raketen des Typs „Schahab-3“ auf eine Reichweite von bis zu 2.000 Kilometern, an der Südküste wurden Manöver mit Kurzstreckenraketen und nicht näher definierten Drohnen durchgeführt.
Mehrmals hatte der Iran bereits zuvor gedroht, die Straße von Hormus, über die rund ein Fünftel des weltweiten Erdölhandels verläuft, zu blockieren. Expliziter wurden die Drohungen mit Inkrafttreten des EU-Embargos gegen die Islamische Republik Anfang des Monats. Eine gesetzliche Grundlage für eine Sperre der Seeverbindung gebe es allerdings noch nicht, ließ zuletzt Parlamentspräsident Ali Laridschani wissen. Washington machte seinerseits den Standpunkt klar, die Meerenge müsse für den Schiffsverkehr offen bleiben.
Drohnen für Minenräumung
Mit dem Aufmarsch solle der Iran „im Krisenfall“ an einer Sperre der Seestraße gehindert werden, meldete die „LA Times“ unter Berufung auf das US-Verteidigungsministerium. Denselben Zweck haben Unterwasserdrohnen zur Seeminenbekämpfung vom Typ Seafox, welche die USA derzeit laut der Zeitung zu Dutzenden in die Region verlegen. Diese unbemannten Unterwasserfahrzeuge (Unmanned Underwater Vehicles, UUV, Anm.) können Minen aufspüren und in einer „Kamikazemission“ zerstören. Die Drohnen sind knapp 1,4 Meter lang und mit einer Kamera, einem Sonar und einer Sprengladung ausgestattet. Der Stückpreis beträgt rund 80.000 Euro. Die Drohnen könnten von Schiffen, aber auch aus der Luft abgesetzt werden.

dapd/ddp/Atlas
Seafox-Drohnen können Seeminen aufspüren und zerstören
Kommt es tatsächlich zu einer Blockade der Straße von Hormus durch Unterwasserminen, würde deren Beseitigung die USA laut „LA Times“ fünf bis zehn Tage kosten. Allerdings könnte schon eine kurzfristige Sperre „die Erdölpreise auf dem Weltmarkt nach oben schießen lassen und großflächige wirtschaftliche Turbulenzen auslösen“.
„Sie werden es nur einmal tun können“
Allerdings wäre die Mission weitaus schwieriger als noch vor wenigen Jahren, da der Iran selbst moderne Mini-U-Boote zur Verminung einsetze, die sehr schwer abzufangen seien. Die Islamische Republik hatte schon während ihres Kriegs mit dem Irak zwischen 1980 und 1988 Seeminen verlegt und damit gedroht, die Straße von Hormus zu schließen. Als eine US-Fregatte beschädigt wurde, ordnete die damalige Regierung unter Präsident Ronald Reagan einen Gegenschlag an, bei dem eine iranische Bohrplattform und mehrere Kriegsschiffe zerstört wurden.
Heute würde der Iran „wahrscheinlich eine ähnliche oder eine noch verheerendere Antwort erhalten“, wenn er tatsächlich versuchen sollte, die strategische Seeroute zu verminen, zitierte die „LA Times“ Christopher Harmer, den früheren Kommandeur des US-Flottenhauptquartiers in Bahrain. „Wenn sie die Straße von Hormus sperren wollen, können sie es tun, aber sie werden es nur einmal tun können.“
Iran nicht zu unterschätzen
Zu unterschätzen sei der Iran allerdings nicht, da auch ein Papier des Pentagon zuletzt auf eine deutliche Modernisierung des Waffenarsenals der Islamischen Republik verwiesen hatte - neue Kriegsschiffe und U-Boote inklusive. Außerdem, soll es in dem Papier heißen, der Iran baue aktiv und „mit Methode“ ein internationales Terrorunterstützungsnetzwerk auf.
Gerüchte über die neue Kommandoplattform hatte die „Washington Post“ bereits im Jänner kolportiert. Damals wollte das Flottenkommando der Navy den Standort dafür aber noch nicht preisgeben. Im Zusammenhang mit der Zuspitzung des Konflikts mit dem Iran hatte außerdem das „Wall Street Journal“ damals von Plänen zur Entwicklung neuer bunkerbrechender Bomben für eventuelle Einsätze gegen unterirdische Nuklearanlagen im Iran berichtet.
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