„Blutigste Woche“ der Revolution
Zwischen dem 20. und dem 26. Juni sind in Syrien nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten so viele Menschen getötet worden wie noch nie seit Beginn der Revolution. 916 Menschen kamen ums Leben, sagte Rami Abdel Rahman von der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London am Mittwoch. Es habe sich um die bisher „blutigste Woche der syrischen Revolution“ gehandelt.
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Laut Rahman verschärfte sich zudem das „Tempo des Tötens“. Nach Erhebungen der Beobachtungsstelle wurden seit dem Beginn der vom Regime des Präsidenten Baschar al-Assad blutig niedergeschlagenen Protestbewegung Mitte März vergangenen Jahres mehr als 15.800 Menschen getötet.
Täglich Dutzende tote Zivilisten
Am Dienstag seien landesweit mindestens 87 Zivilisten bei Kämpfen und Angriffen von Regierungstruppen ums Leben gekommen. Außerdem seien insgesamt 49 Kämpfer der Aufständischen und Regierungssoldaten getötet worden. Die meisten Opfer habe es in der Umgebung von Damaskus gegeben, berichtete die Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Auch aus den Provinzen Idlib im Nordwesten und Daraa im Süden wurden viele Tote gemeldet.
Am Donnerstag sollen sogar fast 180 Menschen getötet worden sein. Bei den Opfern handle es sich um etwa 120 Zivilisten und fast 60 Soldaten, teilte die Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Freitag mit. Besonders heftige Kämpfe gab es demnach in der Rebellenhochburg Duma nordöstlich der Hauptstadt Damaskus, wo mindestens 36 Menschen, darunter mehrere Frauen und Kinder, getötet worden seien.
Fluchtwelle aus Duma
Duma, Homs und Deir al-Sor waren laut Angaben von Aktivisten von Dienstag bereits in den vergangenen Tagen Ziel der Regierungstruppen. Aus Duma setzte laut Oppositionsangaben eine Fluchtwelle von Zivilisten ein. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) forderte unterdessen für seine Einsätze in den umkämpften syrischen Gebieten umfassende Unterstützung an. „Wir brauchen das Einverständnis aller Konfliktparteien“, sagte IKRK-Präsident Jakob Kellenberger am Montag in Genf. Insbesondere für die vom Militär belagerte zentralsyrische Oppositionshochburg Homs müsse die Rückendeckung „eindeutig“ sein.
Das Rote Kreuz ist neben der Schwesterorganisation Roter Halbmond derzeit die einzige in Syrien tätige Hilfsorganisation. Ein Vordringen nach Homs war den Helfern jedoch zuletzt nicht möglich, weil die heftigen Kämpfe um die schwer zerstörte Stadt weiter anhielten.
Zypern: Krisenzentrum für Flüchtlinge
Zypern ist bereit, bei der Rettung von Flüchtlingen aus Syrien zu helfen. Der Inselstaat im Mittelmeer sei nur hundert Kilometer von der syrischen und libanesischen Küste entfernt, sagte Außenministerin Erato Kozakou-Marcoullis der Nachrichtenagentur AFP in einem Interview. „Alles, was dort falsch läuft, wird auch uns betreffen“, betonte sie. Zusammen mit den anderen EU-Ländern bereite Zypern daher bereits eine mögliche Flüchtlingsausreiseaktion vor. So werde etwa ein Krisenzentrum in Zypern ausgebaut.
Über Zypern waren bereits im Jahr 2006 rund 65.000 ausländische Flüchtlinge aus dem Libanon gebracht worden, die das Land wegen des militärischen Konflikts mit Israel verlassen hatten. Kozakou-Marcoullis sagte, ihr Land sei „besorgt“ über die Krise in Syrien. Zypern habe von Anfang an klargemacht, dass eine ausländische Militärintervention in Syrien „um jeden Preis“ vermieden werden müsse, sagte die Ministerin. Ein Militäreinsatz könne zu einer „explosiven Situation“ in der ganzen Region führen.
„Wir sind ein kleines Land“
Von der EU verlangte Kozakou-Marcoullis mehr Solidarität im Umgang mit Flüchtlingen. Wegen der politischen Umwälzungen in der arabischen Welt seien 2011 vor allem in Italien und Malta zahlreiche Flüchtlinge angekommen. Von einem „größeren Umsturz im Nahen Osten“ werde vor allem Zypern betroffen sein.
Ihr Land wolle wegen der unsicheren Lage zwar vorerst keine Flüchtlinge nach Syrien zurückschicken, sagte die Außenministerin. Aber Zyperns Möglichkeiten seien begrenzt. „Wir sind ein kleines Land“, so Kozakou-Marcoullis. Die Regierung in Nikosia, die am Sonntag turnusgemäß die EU-Ratspräsidentschaft von Dänemark übernimmt, will ihren Angaben zufolge daher die gemeinsame Asylpolitik der EU zu einem Schwerpunkt ihres Ratsvorsitzes machen.
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