Absurde Strafen für absurde „Vergehen“
Die südostasiatische Republik Singapur - ursprünglich Singha Pura, die „Löwenstadt“ - ist mit einer Gesamtfläche von 648 Quadratkilometern nur etwa eineinhalb Mal so groß wie Wien. Neben der Hauptinsel umfasst der Stadtstaat 59 kleine vorgelagerte Inseln.
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Wegen seiner günstigen Lage an der Straße von Singapur - einem Knotenpunkt in der Schifffahrt - entwickelte sich das Land zu einem bedeutenden Industrie- und Finanzzentrum. 2010 wies der Inselstaat mit 14,5 Prozent das stärkste Wirtschaftswachstum Asiens auf.
Das soziale Netz für die etwa fünf Millionen Einwohner - Chinesen, Malaien und Inder - gilt als gut. Die Regierung investiert viel Geld in Bildung und lockt mit attraktiven Arbeitsbedingungen hochkarätige ausländische Arbeitskräfte. Die einstige Kolonie unterstand bis zu ihrer Unabhängigkeit 1959 der britischen Krone.
Opposition ohne Bedeutung
Von einer liberalen Demokratie im westlichen Sinne kann man im Wirtschaftswunderland nicht sprechen: Im jahrelangen Bemühen der autoritär ausgerichteten Führung, Singapur zur saubersten und sichersten Stadt der Welt zu machen, hat die Regierung eine Flut an Gesetzen mit zum Teil archaisch anmutenden Strafen erlassen.
Essen, Trinken, Rauchen und Transport von gefährlichen Substanzen in öffentlichen Verkehrsmitteln, Abfall wegwerfen, auf öffentlichen Toiletten die Spülung nicht betätigen, Oben-ohne-Baden und vieles mehr sind verboten und mit Geldstrafen geahndet. Die entsprechenden Warntafeln hängen an fast jeder Straßenecke.
Kaugummi auf Rezept
Rauchen ist in Singapur nicht nur an allen öffentlichen Orten, sondern auch in Personengruppen von mehr als fünf Menschen verboten. Singapur ist die einzige Stadt der Welt, in die Einfuhr von Duty-free-Zigaretten verboten ist. Wer erwischt wird, dem drohen hohe Geldbußen. Kaugummi darf man zwar mittlerweile in homöopathischen Dosen einführen, zu kaufen gibt es ihn in der Stadt aber erst dank einer Gesundheitsinitiative auf Rezept und bei Vorweis eines Personalausweises.
Auf Lieferwagen gehen automatisch auf dem Dach angebrachte Lichter an, wenn sie die Geschwindigkeit überschreiten. Und Lizenzen muss man hier für fast alles erwerben. Sogar, um in Gruppen über bestimmte Themen diskutieren zu dürfen. Wegen der strengen Zensur ist der „Playboy“ ebenso verboten wie „unnatürlicher“ Sex.
„Singapore is a fine city“
Die Singapurer gehen mit diesem Teil ihrer strengen Gesetzgebung durchaus mit Humor um. Und weil im Englischen „fine“ nicht nur „schön“ bedeutet, sondern auch das Wort für „Geldstrafe“ ist, haben sich T-Shirts und Ansichtskarten mit der Aufschrift „Singapore is a fine city“ längst zum Touristenrenner entwickelt. Weniger lustig sind jene Bekleidungsstücke, die ertappte Sünder bei Sozialarbeitsstrafen öffentlich tragen müssen. Darauf ist groß zu lesen, was der Erwischte angestellt hat.
Kommt man bei Vergehen gegen die bisher genannten Dinge meist mit Geldstrafen davon, gibt es aber auch immer noch die Prügel- und Todesstrafe. Und zwar ungeachtet der Nationalität, weshalb immer wieder auch unwissende Ausländer betroffen sind.
Die meist mit einem Rohrstock durchgeführten Körperstrafen gibt es auch schon für mittlere Verordnungsvergehen, oft auch zusammen mit Haftstrafen. Die Todesstrafe ist ab einer gewissen Drogengrenze zwingend vorgeschrieben. Weil diesbezüglich die Kritik weltweit zunimmt, sind aber Änderungen angedacht. 2011 war auch das erste hinrichtungsfreie Jahr in Singapur.
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