NASA setzt auf Private
Der erste private Raumtransporter der Geschichte ist Dienstagfrüh zur Internationalen Raumstation (ISS) gestartet. Der unbemannte „Dragon“ (deutsch: Drache) hob pünktlich um 3.44 Uhr Ortszeit (9.44 Uhr MESZ) vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Staat Florida ab. Starthilfe gab der Kapsel eine Falcon-9-Rakete.
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Der vorangegangene Versuch am Samstag war wegen eines defekten Ventils an einem Triebwerk der Rakete in letzter Minute abgebrochen worden. Kapsel und Rakete wurden vom kalifornischen Unternehmen SpaceX entwickelt.
Geduldprobe für die NASA
SpaceX hat mit der US-Weltraumbehörde NASA einen hoch dotierten Vertrag über insgesamt zwölf Transportflüge zur ISS abgeschlossen. Drei Tage wird die weiße Kapsel dorthin unterwegs sein. „Dragon macht alles automatisch und hat eine hoch entwickelte Technik an Bord“, sagte SpaceX-Gründer Elon Musk dem TV-Sender CNN. „Es gibt niemanden, der Dragon mit einem Joystick manövriert, so wie in der Apollo-Ära.“

EBU/NASA
Der Start verlief ohne Probleme
Tatsächlich sollte „Dragon“ schon am 30. November abheben, aber dann wurde der Start aus technischen Gründen gleich mehrere Male verschoben. Das war vor allem eine Geduldprobe für die NASA: Seit sie ihre Spaceshuttles eingemottet hat, ist sie gänzlich auf die russische Sojus-Kapsel als Leihfahrzeug angewiesen. Auch Russland hatte zuletzt große technische Probleme mit seinem Raumfahrtprogramm.
Lebensmittel ins All, Müll zurück
Bei ihrem Testflug soll „Dragon“ über 500 Kilo Ladung zur ISS bringen, vor allem Lebensmittel für die Astronauten. Auf dem Rückflug wird der Weltraumfrachter über 600 Kilogramm Müll an Bord haben. Zwei Wochen soll der Aufenthalt im Weltraum dauern.
Doch auch nach dem Start kommen auf „Dragon“ noch viele Nagelproben zu. Als besonders kompliziert gilt das Andockmanöver nach der dreitägigen Tour zur ISS. Zwei Bewohner der Station - der NASA-Astronaut Don Pettit und sein Kollege Andre Kuipers von der Europäischen Weltraumagentur (ESA) - müssen in der letzten Phase die Kapsel mit einem Roboterarm greifen und dann per Hand am ISS-Komplex befestigen.

AP/Paramount Pictures, Elliott Marks
Doohan in seiner Rolle als grantiger Ingenieur „Scotty“
„Scottys“ Asche mit an Bord
An Bord hat die Rakete auch noch eine andere Ladung: einen Container mit mehr als 300 etwa lippenstiftgroßen Kapseln, die mit der Asche von Verstorbenen gefüllt sind. Nicht nur die Asche des NASA-Astronauten Gordon Cooper ist dabei, auch die des Schauspielers James Doohan, besser bekannt als Chefingenieur Montgomery „Scotty“ Scott aus der Fernsehserie „Raumschiff Enterprise“. Der 2005 verstorbene Doohan hatte als letzten Willen geäußert, dass seine Asche im All verstreut wird wie bereits 1997 jene des „Enterprise“-Erfinders Gene Roddenberry.
Bei „Scottys“ Asche ist es bereits der dritte Anlauf: 2007 wurden seine sterblichen Überreste per SpaceLoft-XL-Rakete kurz ins All geschossen, ehe der Behälter per Fallschirm auf die Erde zurückkehrte. Ein Jahr später missglückte der Start eine Falcon 1, die Rakete stürzte in den Pazifik.
Startschuss für Allreisen?
Der Konzern des Multimillionärs Musk will „Dragon“ so weiterentwickeln, dass damit bis Mitte 2015 auch Menschen ins All befördert werden können. Auch andere Firmen stehen schon bereit: So plant die amerikanische Orbital Sciences Corporation für Ende des Jahres ebenfalls einen ersten Flug zur ISS. Musk hatte aber bisher immer die Nase vorn: Die Falcon 1 flog 2008 als erste private und mit Flüssigtreibstoff betriebene Rakete in die Erdumlaufbahn.
Musk (40) gilt im US-Hightech-Zentrum Silicon Valley als einziger, der es dem im vergangenen Jahr verstorbenen Apple-Chef Jobs gleichtun und mit seinen Ideen eine ganze Generation prägen könnte. Musk sagt man die gleichen Ambitionen, das Können und die Visionen nach. Bevor sich der gebürtige Südafrikaner Musk der privaten Raumfahrt widmete, half er dabei, den Onlinebezahldienst PayPal auf die Beine zu stellen, und gründete auch Elektroautohersteller Tesla Motors, einen Zulieferer von Mercedes und Toyota. Nebenbei war er im Bereich der erneuerbaren Energie tätig und revolutionierte dort das Geschäft mit privat erzeugter Sonnenenergie.
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