Buranowskije Babuschki als Favoriten
Futuristische Kostüme, Dirndln mit LED-Beleuchtung und ambitionierte Tanzeinlagen: Die österreichischen Kandidaten beim Eurovision Song Contest wollen um jeden Preis auffallen. Mit ihrem - laut eigenen Aussagen - „von zwei Sexisten geschriebenem“ Song „Woki mit deim Popo“ rühren die Trackshittaz seit Tagen in Baku die Werbetrommel für ihren Auftritt beim ersten Semifinale am Dienstag.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
Doch die Österreicher sind nicht die Einzigen, die schon optisch aus dem Rahmen fallen: Ganz oben auf der Hitliste der schrägsten Beiträge in diesem Jahr steht die russische Oma-Truppe Buranowskije Babuschki (Großmütter aus Buranowo). Wenn die sechs Mütterchen zwischen 43 und 76 Jahren in ihren udmurtischen Trachten den Feiersong „Party For Everybody!“ schmettern, wird die internationale Fangemeinde ausflippen, so viel ist jetzt schon sicher. Geht es nach den Wettquoten könnten die alten Damen sogar den Sieg nach Hause tragen.

dapd/Joern Haufe
Die sechs alten Damen aus Russland gelten als Favoriten der Buchmacher
Auch der montenigrinische Satiriker Rambo Amadeus kämpft mit seinem Euro-Krise-Song „Euro Neuro“ um seinen Platz auf der Absurditätenskala. Neben den russischen Omas starten auch die hyperaktiven irischen Zwillinge Jedward, die nach 2011 nochmal mit Iro-Frisur über die Bühne toben wollen, und die Holländerin Joan Franka, die bevorzugt in Indianertracht auf Nscho-tschi macht, in den Wettkampf.
Engelbert Humperndick singt über die Liebe
Mit einigem Spott musste auch der britische Kandidat leben, als seine Nominierung zum Song Contest bekanntwurde: Engelbert Humperdinck, der mit 76 Jahren als bisher ältester ESC-Solo-Interpret die Grand-Prix-Ehre des Vereinigten Königreichs retten soll. Der Sänger heißt mit bürgerlichem Namen Arnold Dorsey und hat den Namen des berühmten deutschen Komponisten in den 60er Jahren angenommen, weil er fand, dass er lustig klingt. Seine getragene Ballade „Love Will Set You Free“ unterstreicht seine immer noch ausdrucksstarke Stimme - sie ist voller Gefühl, aber ohne Schmalz und könnte mit ihrem Disney-haften Schluss die Mengen mitreißen.
Ein ganz anderes Kaliber ist die Ukrainerin Gaitana: Ihr beat-starker Song „Be My Guest“ eignet sich ebenso als Mitgröl-Fanhymne wie zum Abtanzen. Er würde damit hervorragend zur Fußball-EM passen, deren Co-Gastgeber Ukraine wegen des Umgangs mit Regierungskritikern ebenso umstritten ist wie Aserbaidschan. Doch auch beim ESC könnte die in Kiew geborene Sängerin mit kongolesischen Wurzeln mit einer feurigen Show auftrumpfen.
Der TV-Fahrplan zum Song Contest
22. Mai: Erstes Semifinale ab 21.00 Uhr live in ORF eins. Bereits um 20.15 Uhr steht „Heinzl Spezial - Unser Weg nach Baku“ auf dem Programm.
24. Mai: Zweites Semifinale ab 21.00 Uhr live in ORF eins.
25. Mai: „Willkommen Baku - Stermann & Grissemanns Song Contest Guide 2012“ um 22.30 Uhr in ORF eins
26. Mai: Das große Finale live ab 21.00 Uhr in ORF eins und FM4 - davor um 20.15 Uhr „Heinzl am Song Contest“
Die Übertragungen sowie zahlreiche weitere Sendungen rund um den Song Contest werden auf tvthek.ORF.at als Video-on-Demand bereitgestellt.
Jazz-Soul-Klänge aus Italien
Musikalisch hochwertiger präsentiert sich Italien, wenn auch völlig unitalienisch: Nina Zilli haut dem Zuhörer einen von Jazz-Soul-Klängen umwehten Popknaller entgegen, dem man sich kaum entziehen kann: „L’Amore E Femmina (Out Of Love)“ heißt der Song - und zweisprachig geht es auch durch die drei Songminuten. Kein schlechtes Konzept, um ein internationales Publikum anzusprechen und gleichzeitig etwas Eigenes zu haben.
Die jüngste Teilnehmerin im Feld ist heuer die 16-jährige Eva Boto aus Slowenien, die mit „Verjamem“ im zweiten Halbfinale am 24. Mai um den Einzug in die große Abschlussshow kämpft. Das Alter könnte vielleicht ein Plus bei der Jury sein, wie sie der APA erklärte: „Und hoffentlich meine Stimme.“ Dass musikalische Qualität aber nicht alles ist, betonte Ewan Spence des Portals ESC-Insight. Als langjähriger Beobachter des Contests ist er sich sicher: „Es gibt keinen typischen Eurovision-Song. Man muss ein Publikum von 100 Millionen Menschen ansprechen. Dafür gibt es keine magische Formel.“
Schwedische Beteiligung an zahlreichen Beiträgen
Die besten Chancen auf den Sieg im Teilnehmerfeld aus 42 Nationen dürfte wohl Schweden haben - zumindest rechnerisch. So hatten bei knapp einem Dutzend der Wettbewerbstitel schwedische Komponisten und Textdichter ihre Finger mit im Spiel - unter anderem für Großbritannien und Italien. Und der eigentliche schwedische Beitrag „Euphoria“ von Loreen ist mit seinem Euro-Dance-Beat nicht der beste, aber auch nicht der schlechteste davon.

ORF/Thomas Ramstorfer
Mit LED-Dirndln in Neonkleidern gehen die Trackshittaz selbstbewusst an den Start
Österreich im ersten Semifinale
Die Österreicher singen am 22. Mai um einen Finalplatz. Mit der Startnummer 16 kämpfen die Trackshittaz darum, am 26. Mai antreten zu dürfen. Denn nur die zehn besten Länder beim kombinierten Jury- und Publikumsvoting jedes Halbfinales sind im Finale dabei.
Links: