Themenüberblick

USA senkten erstmals seit 1998 Ausgaben

Die weltweiten Militärausgaben sind 2011 erstmals seit über einem Jahrzehnt in Summe fast unverändert geblieben. Das geringe Plus von 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr liegt deutlich unter den Wachstumsraten der vergangenen Jahre, wie das Friedensforschungsinstitut Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) Mitte April mitteilte.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Von 2001 bis 2009 hatten die weltweiten Militärausgaben noch jedes Jahr um durchschnittlich 4,5 Prozent zugelegt. 2011 lagen sie laut SIPRI-Schätzungen bei rund 1,74 Billionen US-Dollar (rund 1,34 Billionen Euro) weltweit. Auch in Österreich sanken die Ausgaben im Vergleich zum Vorjahr leicht.

„Zu früh, um langfristige Trendwende zu sehen“

„Es ist zu früh, um zu sagen, ob die sich abflachenden Militärausgaben von 2011 eine langfristige Trendwende darstellen“, sagte Sam Perlo-Freeman, Experte für Militärausgaben bei SIPRI. Unter dem Druck ihrer Haushaltsdefizite hätten die USA, Großbritannien, Frankreich, Deutschland und viele andere Länder ihre Ausgaben für das Militär gekürzt. China und Russland trieben dagegen die Ausgaben im vergangenen Jahr in die Höhe.

Die USA stehen mit einem Militärbudget von 711 Milliarden Dollar weiter unangefochten an der Spitze - haben aber erstmals seit 1998 die Ausgaben gesenkt. Sie fielen preisbereinigt um 1,2 Prozent. Als Gründe nannte das SIPRI sowohl den Truppenabzug aus dem Irak und den geplanten Abzug aus Afghanistan als auch amerikanische Bemühungen, das Haushaltsloch zu stopfen. Die USA halten laut dem Bericht einen Anteil von 41 Prozent an den weltweiten Militärausgaben.

Afghanische und US-Soldaten bei der Kommandoübergabe

APA/EPA/Abdul Mueed

US-Truppen sollen bis Ende 2014 aus Afghanistan abziehen

Deutlicher Anstieg in China und Russland

Gegenläufig zum allgemeinen Trend erhöhten China und Russland ihre Militärausgaben deutlich. China gab mit 143 Milliarden Dollar um 6,7 Prozent mehr aus als im Vorjahr, so das SIPRI. Mit dem Geld seien die Arbeitsbedingungen und Einkommen der Soldaten verbessert und ihre Ausrüstung modernisiert worden. Chinas Technologie bleibe dennoch ein, zwei Generationen hinter der amerikanischen, hieß es. China landete hinter den USA auf Platz zwei der internationalen Rangliste mit einem Anteil von gut acht Prozent an den globalen Militärausgaben.

Russlands Militärhaushalt legte um 9,3 Prozent auf 71,9 Milliarden Dollar zu. Eine weitere Erhöhung der Ausgaben in den kommenden Jahren sei geplant, hieß es im Bericht. Russland überholte im weltweiten Ranking Großbritannien und Frankreich und landete mit gut vier Prozent auf Platz drei. Im Nahen Osten seien die Ausgaben insgesamt um geschätzte 4,6 Prozent gestiegen, aus zahlreichen Ländern - darunter dem Iran - fehlten aber die Daten.

„Arabischer Frühling“ trieb Ausgaben in die Höhe

Auch auf dem afrikanischen Kontinent stiegen die Militärausgaben. Das Plus von 8,6 Prozent sei allerdings den wachsenden Ausgaben in Algerien zuzuschreiben, wo die Regierung aus Angst vor einem Überschwappen der Proteste aus dem benachbarten Libyen das Militärbudget erhöht hatte. Rechnet man Algerien heraus, blieben die Militärausgaben in Afrika im Vorjahresvergleich nahezu unverändert.

Asien auf der Überholspur

China, Indien, Japan und andere asiatische Länder könnten den Westen laut Expertenansicht noch in diesem Jahr bei den Ausgaben für die Verteidigung überholen. Während die Budgets für das Militär in Europa und den USA seit der Finanzkrise 2008 stetig geschrumpft seien, erhöhten sie sich in Asien weiter, teilte das Internationale Institut für Strategische Studien (IISS) im März in London mit. Unter Berücksichtigung von Inflation und Preisveränderungen seien die Ausgaben in Asien 2011 um rund 3,15 Prozent gestiegen.

Diese Veränderungen in entgegengesetzte Richtung bedeuteten aber noch nicht, dass sich das globale militärische Gleichgewicht bald verschieben werde, sagte IISS-Generaldirektor John Chipman. Die USA und andere westliche Länder seien bemüht, durch Forschung und Entwicklung einen qualitativen Vorsprung vor Ländern wie China zu behalten, und das sei auch richtig so. „Aber der Abstand wird geringer“, sagte Chipman.

Europa muss sparen

Österreich senkte sein Militärbudget laut SIPRI von 3,51 Milliarden Dollar im Jahr 2010 auf 3,31 Milliarden Dollar (preisbereinigt) im vergangenen Jahr. Deutschland fiel auf der Länderliste auf Platz neun, gehörte aber hinter Großbritannien und Frankreich weiter zur Spitze in Westeuropa. Insgesamt sei der Militärhaushalt Deutschlands um 3,5 Prozent auf geschätzt 46,7 Milliarden Dollar geschrumpft. Auch die von der europäischen Schuldenkrise besonders gezeichneten Länder Griechenland, Spanien, Italien und Irland senkten demnach ihre Ausgaben für das Militär im vergangenen Jahr.

Bewertet wurden für den Bericht die Regierungsausgaben für das Militär, darunter Gehälter der Truppen, Kosten für Einsätze und ihre Verwaltung sowie für Waffen und Entwicklung. Im Februar hatten die Stockholmer Forscher bereits Daten über die Geschäfte der 100 führenden Waffenkonzerne veröffentlicht, im März folgte ein Bericht über weltweite Rüstungsexporte.

Links: