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Von der Staatsspitze ins Straflager

Die frühere ukrainische Ministerpräsidentin Julia Timoschenko bleibt trotz aller Kritik aus dem Westen weiterhin in Haft. Die EU stuft das Urteil der einstigen Heldin der „Orange Revolution“ auf sieben Jahre Straflager als Fall von Politjustiz ein. Timoschenkos politische Biografie ist allerdings nicht ohne Schattenseiten.

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Zum Verhängnis wurde der als prowestlich geltenden Politikerin ausgerechnet ein Gasabkommen mit Russland, bei dem sie das Budget um 137 Millionen Euro geschädigt haben soll. Vor allem wegen dieses Abkommens wurde sie im Oktober wegen Amtsmissbrauchs verurteilt - zu einem Zeitpunkt, als ihr Gegenspieler Viktor Janukowitsch als Staatspräsident längst weit innigere Kontakte mit Moskau pflegte, als es Timoschenko je in den Sinn gekommen wäre.

Janukowitsch als lachender Dritter

Dass Janukowitsch nun überhaupt am Ruder sein kann, haben Timoschenko und ihre früheren Weggefährten allerdings zu einem Gutteil sich selbst zu verdanken: Timoschenko war gemeinsam mit Viktor Juschtschenko die doppelte Führungsspitze der Revolution im Jahr 2004, die damals aus Protesten gegen eine manipulierte Präsidentenwahl entstanden war. Wenig später fanden sich beide selbst an der Staatsspitze wieder.

Juschtschenko als Präsident und Timoschenko als Ministerpräsidentin lieferten sich jedoch endlose Machtkämpfe, die sie schließlich zu erbitterten Gegnern machten. Für Timoschenko bedeutete das ein jahrelanges Wechselspiel aus politischer „Verbannung“ und kurz darauf erfolgtem Comeback. Sogar Russlands Präsident Wladimir Putin, selbst nicht unbedingt zartbesaitet und vor allem kein Freund von Timoschenkos prowestlicher Linie, zeigte sich von der Zähigkeit Timoschenkos öffentlich beeindruckt.

Reiche „Gasprinzessin“

Der andauernde Konflikt zwischen Timoschenko und Juschtschenko zermürbte die ukrainische Öffentlichkeit jedoch immer fort. 2010 war der prorussische Janukowitsch endgültig der lachende Dritte: Timoschenko wurde bei der Präsidentschaftswahl nur Zweite, Janukowitsch Staatspräsident. Kaum anderthalb Jahre später war sie endgültig im Out - wegen Amtsmissbrauchs mit einer siebenjährigen Haftstrafe in ein Straflager „verräumt“.

Trotzdem ist Timoschenko kein Unschuldslamm, im Gegenteil. Stets mehr als machtbewusst und auch auf eigene Vorteile bedacht, erwirtschaftete sich Timoschenko mit ihrer politischen Karriere auch ein Vermögen. Schon in jungen Jahren hatte sich die am 27. November 1960 in der Industriestadt Dnipropetrowsk Geborene bis zum Chefinnensessel des Erdgasunternehmens EESU vorgearbeitet - ein Posten, der Timoschenko den Spitznamen „Gasprinzessin“ und Vermögen aus unklarer Quelle einbrachte.

Geniale Selbstvermarkterin

Im Jahr 1999 wurde sie Vizeministerpräsidentin mit Verantwortung für die Energiepolitik. Schon damals hatte sie ihre äußerst populistische politische Linie abgesteckt. Die Selbstdarstellung als „ukrainische Ikone“ mit dem typischen Haarkranz ist dafür ein prägnantes Beispiel: Ukrainisch lernte Timoschenko erst im Alter von 36 Jahren. Ihre Muttersprache ist Russisch. Auch im Amt scheute sie vor Populismus nie zurück und vereitelte damit einen ernsthaften politischen Dialog. Damit machte sie sich auch unter integren ukrainischen Politikern Feinde.

Schon 2001 war sie wegen allzu großer Ambitionen beim damaligen Staatschef Leonid Kutschma in Ungnade gefallen und musste einige Wochen im Gefängnis verbringen. Zur Last gelegt wurden Timoschenko damals die Fälschung von Zolldokumenten und der Schmuggel von Gas. Die Vorwürfe wurden jedoch fallengelassen. Timoschenko bezeichnete das Vorgehen gegen sie damals als politisch motivierte Hexenjagd - mit fast gleichen Worten wie nach jenem Verfahren, wegen dem sie nun im Straflager inhaftiert ist.

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