„Benzin und Diesel noch zu billig“
85 Euro für eine Dieseltankfüllung - Autofahrer müssen derzeit an den Zapfsäulen so viel zahlen wie noch nie. Der März hat mit Durchschnittspreisen von 1,46 Euro für Benzin und 1,42 Euro für Diesel neue Rekordwerte aufgestellt, wie der ARBÖ ausrechnete. Während auf der einen Seite der Ruf nach amtlicher Spritpreiskontrolle immer lauter wird, zeigen sich Umweltschützer erfreut.
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Seit Beginn des Jahres sind die Spritpreise weltweit und damit auch in Österreich auf einem neuen Höhenflug. Der Autofahrerclub ARBÖ hat bei einem Vergleich der Durchschnittspreise vom März 2012 mit den restlichen Monatsdurchschnitten festgestellt, dass noch nie so teuer getankt wurde wie in den vergangenen vier Wochen.
Rekordpreis vor Ostern
Benzin der Marke Eurosuper kostete im März durchschnittlich 1,464 Euro, bei Diesel waren es 1,422 Euro, so die ARBÖ-Berechnungen. Damit sei der März 2012 der teuerste Tankmonat aller Zeiten gewesen, kommentierte Sprecher Tom Woitsch. Bisheriger Rekordmonat war der Mai 2011 mit Durchschnittspreisen von 1,408 Euro (Eurosuper) und 1,327 Euro (Diesel). Vor Ostern ist keine Entspannung in Sicht - im Gegenteil. Am Dienstag durchbrach Eurosuper im Österreich-Schnitt die 1,5 Euro-Schallmauer, berichtete der ARBÖ.
Aufruf zum Boykott der teuersten Tankstellen
Die Autofahrer fühlen sich zunehmend machtlos gegenüber den zunehmend undurchsichtigen Preisspielchen der Ölkonzerne. Aufrufe, einzelne Tankstellen zu boykottieren, wie sie derzeit via E-Mails kursieren, seien jedoch wenig zielführend, erklärte ÖAMTC-Verkehrswirtschaftsexpertin Elisabeth Brandau. Sehr wohl boykottieren kann und sollte man aber die teuersten Tankstellen. Dadurch kann man sich pro Tankfüllung bis zu zwölf Euro sparen.
„Vor allem Autobahntankstellen sollten möglichst gemieden werden“, empfiehlt die ÖAMTC-Verkehrswirtschaftsexpertin. Derzeit liegen die Preise der teuersten Tankstellen bei 1,599 Euro pro Liter Diesel und bei 1,649 Euro für Super 95. Bei den günstigsten Anbietern tankt man hingegen um 1,357 bzw. 1,414 Euro pro Liter.
Zielführender als Boykottaufrufe sei es jedoch, die Transparenz bei den Spritpreisen zu verbessern, fordert der ÖAMTC. „Dazu gehört eine Untersuchung der internationalen Rohöl- und Fertigproduktpreise, damit endlich geklärt wird, inwiefern diese von Investoren und Spekulanten nach oben getrieben werden“, so Brandau.
Kritik an zahnloser Wettbewerbsbehörde
SPÖ und BZÖ lassen derzeit über die Bundeswettbewerbsbehörde prüfen, ob die Ölkonzerne die steigenden und fallenden Ölpreise auch korrekt weitergeben. Mit einem raschen Ergebnis rechnet das BZÖ jedoch nicht. Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) würde bei jeder Erhöhung „kräftig mitkassieren“, kritisierte BZÖ-Obmann Josef Bucher am Wochenende in einer Aussendung. „Angesichts des zerbröselnden Sparpakets und der Zusatzeinnahmen durch die Rekordpreise ist klar und deutlich, warum Fekter und Mitterlehner (Wirtschaftsminister, Anm.) nichts tun.“
Günstiger als im EU-Schnitt
Im Wirtschaftsministerium beobachtete man die Entwicklung der Ölpreise genau, hieß es aus dem Büro von Reinhold Mitterlehner (ÖVP). Grundsätzlich lägen die Preise in Österreich aber immer noch unter dem EU-Schnitt. Das sei durch den 2011 eingeführten Spritpreisrechner noch deutlicher geworden. So sei Eurosuper am 28. Juli 2011 in Österreich um 12,95 Cent günstiger als im EU-Vergleich gewesen, am 29. März 2012 sogar um 16,5 Cent. Im Wirtschaftsministerium sieht man darin ein Zeichen für den Erfolg des Rechners.
Schärferes Vorgehen gegen Preisabsprachen
Aufholbedarf sieht man im Wirtschaftsministerium jedoch bei dem derzeit bestehenden Wettbewerbsrecht. Momentan werde an einer Reform gearbeitet, die die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) langfristig stärken soll. „Wir planen konkrete Maßnahmen, die ein schärferes Vorgehen bei eventuellen Preisabsprachen oder Marktmissbrauch ermöglichen“, betonte Mitterlehner in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber ORF.at.
„Staatliche Preiskontrollen machtlos“
Diese Maßnahmen werden von den Grünen als „Beruhigungspille“ abgetan. „Wer behauptet, Österreich könne die internationale Ölpreisentwicklung beeinflussen, hat die geopolitischen Zusammenhänge nicht verstanden“, warnte die grüne Umweltsprecherin Christiane Brunner. Internationale Branchenexperten würden für die kommenden Jahre einen Ölpreis jenseits der 200-Dollar-Marke prognostizieren, so Brunner. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete im Dienstagfrühhandel 125,01 US-Dollar (93,9 Euro). „Dagegen sind staatliche Preiskontrollen machtlos.“ Sie macht sich für ein radikales Umdenken in der Verkehrspolitik stark.
Umweltschützer: „Sprit noch zu billig“
Und auch Umweltschutzorganisationen sind überzeugt, dass Autofahrer an den Zapfsäulen noch immer zu wenig bezahlen. „Benzin und Diesel sind noch immer relativ billig, auch im Vergleich zu den Nachbarstaaten“, sagte etwa Johannes Wahlmüller von Global 2000. In Deutschland und Italien ist Tanken teurer als in Österreich, daher tanken unsere Nachbarn gerne bei uns, und der Staat profitiert vom Tanktourismus durch die Steuereinnahmen, kritisierte auch Jurrien Westerhof von Greenpeace - mehr dazu in Ö1.ORF.at.
Die Politik müsse endlich die schon lang geforderte ökologische Steuerreform umsetzen, sagte Wahlmüller: Umweltverschmutzung und Energieverbrauch stärker besteuern, Arbeit entlasten. Dann wäre es seiner Meinung nach auch möglich, die Bevölkerung zu überzeugen, höhere Benzin- und Dieselpreise zu akzeptieren. Personen, die von höheren Spritpreisen besonders hart getroffen würden, könne zudem über die Pendlerpauschale geholfen werden, Personen, die genug Geld verdienen, sollten die Pendlerpauschale nicht bekommen, sagte Westerhof. Ohne teure Spritpreise sei ein langfristiges Umdenken nicht möglich.
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