„Wie während eines Sandsturms“
Der Used-Look bei Jeans liegt bereits seit Jahren im Trend. Der Ausbleicheffekt beim Stoff wird mit Sandbestrahlung erreicht, die in den Produktionsstätten für gefährlichste Arbeitsumstände sorgt. Eine Reihe an Modeketten hatte angekündigt, nicht mehr mit entsprechenden Fabriken zusammenarbeiten zu wollen, der NGO-Bericht „Tödliche Jeans“ behauptet nun aber das Gegenteil.
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Konkret geht es um die „Clean Clothes“-Kampagne, die sich für faire Bedingungen bei der Kleidungsproduktion einsetzt. So will die Initiative in Erfahrung gebracht haben, dass große Bekleidungsunternehmen entgegen bereits erfolgten Ankündigungen nach wie vor mit Zulieferbetrieben zusammenarbeiten, die Jeans mittels Sandstrahltechnik bearbeiten und deren Beschäftigte in den staubigen Fabriken in Zwölfstundenschichten ihren Dienst verrichten.
Sandstrahltechnik
Mittels Sandstrahltechnik lässt sich bei Jeans ein Vintage-Look bzw. ein Used-Look, also ein Ausbleicheffekt, erzielen. Unter hohem Druck werden durch das Aufbringen von Abriebteilchen die Jeans weicher gemacht, geformt und gereinigt.
Das Sandstrahlen stellt dabei ein massives Risiko für die Beschäftigten dar. Der herumschwirrende Sand werde laut der Untersuchung permanent eingeatmet, was Atemwegsprobleme und chronischen Husten herbeiführe - und im schlimmsten Fall in der tödlichen Krankheit Silikose enden könne, die durch Ablagerung von mineralischem, insbesondere quarzhaltigem Staub in der Lunge hervorgerufen wird.
Von H&M bis Zara
Im Interview mit ORF.at sprach Philip Doyle von der österreichischen „Clean Clothes“-Kampagne konkret von acht Firmen, die entgegen der eigenen Ankündigung nach wie vor von Zulieferbetrieben in Bangladesch produzieren lassen würden - allen voran H&M, Diesel, Levi’s und Zara, daneben auch C&A, Dolce&Gabbana, Esprit und Lee. „Es ist schockierend, dass Unternehmen das Sandstrahlen verbieten, um ihren Ruf zu retten, gleichzeitig aber weiterhin die Arbeiterinnen und Arbeiter einer tödlichen Gefahr aussetzen“, kritisierte Doyle. Bis auf Dolce&Gabbana hatten alle diese Marken 2010 erklärt, dass sie Sandstrahlen nicht mehr erlauben.
„Unsere Untersuchungsgruppe war bei den betreffenden Zulieferfirmen in Bangladesch vor Ort und hat sich mit den Beschäftigten der Fabriken unterhalten“, so Doyle weiter. „In den Fabriken sieht es aus wie in einer Wüste während eines Sandsturms“, wird eine Arbeiterin in der aktuellen „Clean Clothes“-Aussendung zitiert. Bei Gesprächen hätten die NGO-Mitarbeiter direkt von den Angestellten erfahren, welche Kleidungskonzerne sandbestrahlte Textilien in Auftrag gegeben haben.

AMRF
Jeans werden in bangladeschischen Fabriken noch immer sandgestrahlt
Unternehmen weisen Anschuldigungen zurück
Aufgrund des Drucks der Öffentlichkeit hatten viele Marken letztes Jahr erklärt, auf die Sandstrahlmethode verzichten zu wollen. Das sei nach wie vor ausnahmslos der Fall, äußern sich die betroffenen Kleidungsriesen unisono. „Wir produzieren in Bangladesch überhaupt nicht, Kern unserer Produktion ist Italien“, meinte etwa Lisa Köstl, Geschäftsführerin von Diesel Österreich, von ORF.at auf die Vorwürfe angesprochen. „Ich kann mir die Anschuldigungen nur aus der Vergangenheit heraus erklären, wo bestimmt Fehler gemacht worden sind“, so Köstl weiter. „Das steht in völligem Widerspruch zu unseren Erkenntnissen“, meinte Doyle in Reaktion auf das Diesel-Statement.
„Einsatz des Verfahrens komplett aussetzen“
Von H&M und Zara liegen ORF.at schriftliche Statements vor, mündliche Auskünfte waren nicht zu erhalten. Bereits im Vorjahr habe demzufolge H&M die „Verwendung der Technik des Sandstrahlens für alle Produkte aus dem Sortiment beendet, um die Gesundheitsrisiken für die Arbeiter in den Zulieferbetrieben zu verhindern“. Der schwedische Moderiese wende „Alternativen wie zum Beispiel Lasertechniken an“, um den Used-Look zu erzielen, hieß es im offiziellen Statement weiter.
Auch die Unternehmensgruppe Inditex, der Zara angehört, reagierte über die spanische Hauptpressestelle ausschließlich schriftlich: „Das gesundheitsschädliche Sandstrahlen ist gemäß des Inditex-Regelwerks für Lieferanten streng verboten. Es ist unser erklärtes Ziel, den Einsatz dieses Verfahrens in den Fabriken komplett auszusetzen. Seit 2010 haben wir eng mit unseren Zulieferern zusammengearbeitet, um sicherzustellen, dass sie entweder Laser- oder andere sichere Methoden zur Veredelung verwenden.“ Seitens des Jeansgiganten Levi’s war keine Rückmeldung zu erhalten.
„Geben nicht preis, wo sie produzieren lassen“
Doyle sieht die Ergebnisse der Untersuchung durch die Aussagen bestätigt: „Die Unternehmen geben nicht preis, wo sie wirklich produzieren lassen. Aber klar ist, die von uns untersuchten Fabriken in Bangladesch liefern an die betreffenden Handelsketten“, so Doyle. Auch fehle es an einem ausreichenden Maß an Audits (Überprüfungen, Anm.), bei denen die Fabriken genau unter die Lupe genommen werden.
Außerdem stehen die Fabriken unter gewaltigem Druck: So sei es oft unmöglich, von den Auftraggebern (also den Modeketten) geforderte Designvorgaben mit anderen Techniken als mit Sandstrahlen zu erfüllen, wird ein Fabrikmanager von den Machern der Kampagne zitiert. In manchen Fabriken wird das Sandstrahlen auf die Nacht verlegt, weil da kaum Inspektionen durchgeführt werden.
Die Initiatoren regen an, dass Markenfirmen ihre Designvorgaben abändern, so dass Jeans nicht mehr sandgestrahlt werden müssen. „Es könnten wieder Blue Jeans forciert werden“, meinte Doyle. Die Unternehmen sollten nur noch in Zulieferbetrieben produzieren, die weder manuell noch in Kabinen sandstrahlen lassen.
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