Datenzentren als Nachbarn
Im Herbst soll in einem Manhattaner Hochhaus eines der größten Datenzentren New Yorks eröffnet werden. Für die Betreiber wiegt die bessere Verfügbarkeit der Services durch die Nähe zum Kunden und die gute Infrastruktur den hohen Preis auf. Auch in Europa werden laufend neue Datenzentren gebaut, nicht zuletzt aus Datenschutzgründen.
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Ob Google, Microsoft, Apple, der Onlinespeicheranbieter Dropbox oder das Soziale Netzwerk Facebook - immer mehr Firmen bieten ihren Kunden das Arbeiten in der Wolke an. Dabei werden Daten und Anwendungen auf zentralen Servern gespeichert, auf die die Kunden dann via Internet von überall aus zugreifen können. Das Datenvolumen steigt kontinuierlich, denn die Services werden intensiv genutzt: Alleine bei Facebook werden etwa täglich 250 Mio. Fotos hochgeladen.
Mehr Speed durch geringe Distanz
Bisher standen die Datenzentren meist in den USA, in den letzten Jahren wanderten die großen US-Anbieter aber alle auch nach Europa, so Peter Knapp, Geschäftsführer des deutschen Rechenzentrumbetreibers Interxion. Der Grund: Je näher die Daten beim Kunden oder Nutzer, desto schneller sind sie verfügbar. Gerade bei zeitkritischen Anwendungen wie dem Aktienhandel an der Börse in New York zählt jeder Bruchteil einer Sekunde.
Bedarf von 2.000 Haushalten
Das Datenzentrum im Verizon-Gebäude an der New Yorker Brooklyn Bridge soll laut einem Bericht der „New York Times“ auf 29 Stockwerken 40 Megawatt Anschlussleistung liefern, der Bedarf von 2.000 US-Haushalten. Es gibt bereits einige Datenzentren in Manhattan, weitere sind angedacht.
Doch auch bei „normalen“ Daten ist die Distanz zum Speicherort wichtig. Wenn Bilder oder Suchergebnisse Sekunden brauchen, um am Bildschirm zu erscheinen, klicken Nutzer oft verärgert weiter oder wechseln überhaupt den Service. Daher spiegeln viele US-Anbieter ihre Daten lokal in Europa oder speichern sie an großen Knotenpunkten für schnelleren Zugriff. Interxion zählt laut Knapp alle großen US-Anbieter zu seinen Kunden, die dann in dem für den Datenverkehr günstig gelegenen Frankfurt ihre Rechner unterstellen.
Datenschutz für heimische Nutzer wichtig
Ein weiterer Faktor kommt laut heimischen Anbietern zum Tragen: der Datenschutz. Viele Firmen, Behörden oder Krankenhäuser achten genau darauf, wo ihre Daten liegen. Unter anderem würden rechtliche Vorgaben vor allem öffentliche Körperschaften dazu verpflichten, die Daten im Land zu speichern, so Erwin Schuster, der sich bei T-Systems mit Cloud-Architektur beschäftigt. Daten unterliegen den jeweils lokal geltenden Datenschutzbestimmungen, die von Land zu Land sehr unterschiedlich sein können, und auch von lokalen Behörden abgegriffen werden können.
Österreichs größtes Datencenter
T-Systems betreibt mit 1,8 Megawatt Anschlussleistung für rund 7.000 Server im T-Center in Wien das laut eigenen Angaben größte Datenzentrum Österreichs und betreut vor allem Großkunden.
Nur wenn ein Kunde es wünsche, würden Daten etwa in Frankfurt gespeichert. „Unsere Kunden wissen genau, wo die Daten liegen“, wischen Schuster und seine Kollegen Ansagen anderer Anbieter vom Tisch, wonach diese nicht angeben könnten, in welchem Teil ihrer weltweiten Datenzentren die jeweiligen Daten genau gespeichert werden. Die Aufmerksamkeit für das Thema Datenschutz sei derzeit groß, so Claus Haiden, Director Service bei T-Systems.
„Der Consumer-Markt kennt keine Grenzen“
In Europa sei es grundsätzlich Usus, die Daten selbst zu speichern und zu besitzen, auch bei Privatnutzern, daher sei der Anteil von Netzwerkspeichern (NAS) hier besonders hoch, so Schuster. In den USA sei der Umgang hingegen lockerer, US-Nutzer könnten mit der Virtualisierung besser umgehen. Gänzlich sorglos mit den Daten gehe der Consumer-Markt und da vor allem die Jugend um, und zwar weltweit: „Der Consumer-Markt kennt keine Regeln mehr“, der Jugend sei es völlig egal, wo die Daten liegen.
Wichtig ist auch den jugendlichen Nutzern aber die Schnelligkeit der Services, daher gibt es eigene „Speed-Designer“, sagt Markus Holzinger, zuständig für Hardware bei T-Systems. Das könnten sich aber nur große Anbieter leisten. Das Thema Bandbreite und die Kosten seien hingegen, außer in entlegenen Landstrichen, kaum ein Thema. Jeder Anbieter muss für die Anbindung seines Services zahlen, für jedes heruntergeladene Megabyte ebenfalls. Laut T-Systems gibt es hier genügend freie Kapazitäten, alle große (Daten-)Strecken seien ausreichend versorgt.
Klimavorteile alleine reichen nicht
Die Telekom Austria (TA) bietet ebenfalls Cloud-Lösungen für KMUs und Privatkunden an und stellt Flächen in ihren landesweiten Rechenzentren zur Miete zur Verfügung. Im Gegensatz zu T-Systems ist für die TA die Leitungsmiete sehr wohl mit ein Grund, im Land zu bleiben, bestenfalls im gleichen Bundesland oder gar derselben Stadt. Daher biete die TA auch in jedem Bundesland entsprechende Flächen an.
Hohe Miet- bzw. Grundstückspreise erschweren eine Ausbreitung von Rechen- oder Datenzentren im Stadtgebiet jedoch. Die Vorteile des kühlen Klimas in nördlichen Ländern, den etwa Facebook in Schweden für sein neues Datenzentrum nutzt, wo zum Kühlen sprichwörtlich bloß das Fenster aufgemacht werden muss, würden die langen Laufzeiten der Daten und die höheren Leitungskosten nicht aufwiegen, so die TA. Zudem brauche es qualifiziertes Personal vor Ort.
Mitteleuropa sicher für Daten
Allerdings limitieren die Kühlmöglichkeiten auch den Ausbau der Rechenleistung, so Markus Holzinger von T-Systems. „Früher war es die Fläche, dann der Strom, nun ist es die Hitze“. Durch Virtualisierung und kleinere Hardware sei die Platzfrage gelöst worden, nun sei die Abfuhr der erzeugten Hitze ein Problem. Wegen des gleich bleibenden Klimas biete sich Island für Rechenzentren an, scheide wegen Erdbebengefährdung und der Möglichkeit eines Vulkanausbruchs aber wieder aus. Grundsätzlich sei Mitteleuropa ein guter Ort, um ein Rechenzentrum zu betreiben - außer Rumänien. Dort muss wegen der Erdbebengefahr auf Kugellagern gebaut werden.
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